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Als die Queen nach Frankfurt kam

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Queen Elizabeth II. und Prinz Philip stehen auf dem Römer-Balkon und begrüßen ihre Fans am 25. Juni 2015. Rolf Oeser
Queen Elizabeth II. und Prinz Philip stehen auf dem Römer-Balkon und begrüßen ihre Fans am 25. Juni 2015. Rolf Oeser © Rolf Oeser

Erinnerungen an einen sehr besonderen Besuch

Es war ein kurzer Auftritt und doch ein magischer Moment. Der Römerberg ist von Hunderten Menschen mit britischen Fähnchen bevölkert, und sie alle blicken zum Römerbalkon, winken, jubeln und sind fasziniert von der zierlichen Dame mit weiß-gewelltem Haar und türkis-blauem Kostüm mit passendem Hut. Frankfurt ist an diesem 25. Juni in royalem Fieber. Ihre Majestät Queen Elizabeth II. und Prinzgemahl Philip besuchen auf ihrer Deutschlandreise erstmals offiziell auch die Mainmetropole.

Als die Maschine mit der Queen und ihrem Mann am Mittag auf dem Frankfurter Flughafen aufsetzt, beginnen die Glocken in der Innenstadt zu läuten. Der rote Teppich ist längst ausgerollt, der Eingang zum Römer abgesperrt, als kurz vor 13 Uhr die Motorradeskorte und der Range Rover am Paulsplatz vorfahren. Eine halbe Stunde später als geplant – der königliche Besuch hat sich bewusst dafür entschieden, langsam zu fahren. Das Paar hat die vielen Leute am Straßenrand gesehen und will ihnen zurückwinken.

Die royalen Gäste steigen aus, werden von Bundespräsident Joachim Gauck, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Oberbürgermeister Peter Feldmann in Empfang genommen. Und der Kinderchor der Frankfurter Domsingschule stimmt das Lied „Die Gedanken sind frei“ an. Die Queen und Philip lächeln, winken, bedanken sich, bevor sie in der Paulskirche verschwinden.

Elizabeth II. möchte vor allem die Goldene Bulle sehen, das wichtigste Verfassungsdokument des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Das 1356 erlassene Gesetz bestimmte Frankfurt zum Wahlort der deutschen Könige und Kaiser. Für den Besuch wurde die Urkunde extra aus dem Tresor geholt.

Die kurze Strecke zwischen Paulskirche und Rathaus legen Königin und Prinzgemahl unter dem Jubel der Menge zu Fuß zurück. Rund 5500 Menschen harren dort aus, um einen Blick auf Elizabeth II. zu erhaschen. Das königliche Paar winkt freundlich, die Queen lächelt bezaubernd. Dann geht es hinein ins Rathaus, die Menge muss warten. Denn zunächst gibt es ein festliches Mittagessen. Regionale Küche aus Hessen, unter anderem Tafelspitzsülze mit Grüner Soße im Glas, wird aufgetischt. Und Ministerpräsident Bouffier verstößt gegen das Protokoll, legt er doch die Hand auf die Stuhllehne der Queen. Und kommt der Königin damit näher, als es die Etikette erlauben. Der Protokollchef schreitet ein … Später wird Bouffier sagen: „Die Königin hat sich wohlgefühlt, und ich habe auch einiges erfahren.“ Worüber die beiden gesprochen haben, wollte der Ministerpräsident nicht verraten: „Das gehört sich nicht.“

Nach dem Mittagessen tragen sich Elizabeth II. und Philip noch ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein. Dann, endlich, der große Moment für die Schaulustigen: Die Königin tritt auf den Balkon, winkt der Menge zu ihren Füßen zu, Philip hebt lässig die Hand. Jubel brandet auf, die Zuschauer:innen klatschen und schwenken britische und deutsche Fähnchen. Einige Royal-Fans stimmen sogar die britische Nationalhymne an: „God Save the Queen“.

Nur zwei Minuten dauert dieser Auftritt, dann müssen die königlichen Gäste eilig zum Flughafen, von wo aus sie zur Gartenparty in der britischen Botschaft nach Berlin zurückfliegen. Für Händeschütteln oder Smalltalk mit dem Volk ist keine Zeit.

Fünf Mal war die Queen zu einem Staatsbesuch in Deutschland, das erste Mal 1965. Damals besuchten sie und Philip auch Wiesbaden. Die Resonanz im republikanischen Deutschland auf die königlichen Staatsgäste war fulminant. Und auch das Königliche Paar war voll des Lobes über seinem Besuch in Frankfurt, wie es in einem Brief an der OB betonte. Es schrieb von einer „colourful and memorable occasion“ (einem farbenfrohen und unvergesslichen Anlass). Sie hätten den Besuch sehr genossen, und das Mittagessen sei exzellent gewesen. Gute sieben Jahre ist das her.

Heute heißt es: Rest in peace, Your Majesty. And God save the King.

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