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Alles zum Frankfurter Riff: Vom Wissen zum Handeln

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Hier kann man das Riff bei Tag und Nacht bewundern.
Hier kann man das Riff bei Tag und Nacht bewundern. © Peter Jülich

In der neuen Ausstellung des Senckenberg Museums können Besucher und Besucherinnen in den Austausch mit Wissenschaft und Forschenden treten.

Triff das Riff“ heißt das experimentelle Ausstellungsprojekt des Senckenberg Naturmuseums, in dem man die Chance bekommt, ganz ohne Schnorchel und Sauerstoffflasche in die Welt des empfindlichen Ökosystems Korallenriff einzutauchen, ohne es dabei zu beschädigen. Das Riff trifft dabei aber auch auf die Besucher:innen. Eine Präparation toter, abgestorbener Meerestiere steht wie ein Mahnmal gleich am Eingang – man kann die kalkfarbenen Skelette von Korallen, Muschelschalen und Schneckenhäusern selbst anfassen. Sicherlich kann es sein, dass bei den mehr als 50 000 Gästen, die das Senckenberg Museum monatlich besuchen und ihre Hände über die raue Oberfläche der abgestorbenen Meerestiere gleiten lassen, da auch mal etwas abblättert. Der Wandel wird greifbar - das zeigt sich in der Ausstellung auf unterschiedlichen Ebenen.

Die Ausstellung soll ein Schritt der Transformation vom Wissen zum gemeinsamen Handeln sein, ein Diskursort werden. „Wir greifen hier Impulse von unseren Besucher:innen auf, die wir in unseren Dauerausstellungen erhalten haben“, sagt Museumsdirektorin Brigitte Franzen.

Die Besucher:innen der Ausstellung sollen sich damit auseinandersetzen, was die Korallenriffe für uns als Menschen bedeuten. Was gefährdet sie? Und vor allem: Wie können wir sie schützen? Über eineinhalb Jahre wird das Thema aus drei verschiedenen Perspektiven betrachtet - die erste Etappe soll die gesellschaftliche Perspektive auf das Korallenriff zeigen. Es folgen ab Juni 2023 die künstlerische, dann im Winter die wissenschaftliche Perspektive. Es geht den Kuratorinnen Lisa Voigt und Christina Höfling darum, den Austausch zwischen verschiedenen Akteuren zu moderieren. Fragen an die Wissenschaft können Besucher:innen also einfach auf einen Zettel schreiben und dann direkt von Forscher:innen des Zentrums für Marine Forschung in Bremen beantworten lassen.

Natürlich entspringt die Notwendigkeit einer solchen Ausstellung einem dringenden gesamtgesellschaftlichen Problem: Die Angst ist berechtigt, dass ein junger Mensch ein Korallenriff vielleicht irgendwann nicht mehr so sehen kann, wie es in dem schon länger ausgestellten Modell in der Mitte des Raums zu sehen ist – bunt und voller Leben. Ozeane und Organismen in den Meeren seien für den Menschen von großer Bedeutung, so die Meeresforscherin und Leiterin der Abteilung Marine Zoologie, Angelika Brandt. „Sie speichern CO2. Fast alle unsere Waren werden über das Meer transportiert. Wir haben den Klimawandel, eine Biodiversitätskrise. Das sind unglaubliche Probleme, mit denen die Organismen, aber auch der Mensch zu kämpfen hat. Wie schaffen wir das, diese ganzen Krisen zu bewältigen?“ Die Wissenschaft alleine könne das nicht. „Wir müssen alle zusammenarbeiten, wenn wir das Artensterben aufhalten wollen“, sagt sie.

Die Kuratorinnen haben daher in dieser ersten Phase des Projekts unterschiedliche Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft eingeladen, sich mit ihren Inhalten einzubringen. Das „Display-Modul“, ein Gerüst aus vollständig recycelten Materialien, das vom Künstler Markus Zimmermann entworfen wurde, ist so wandelbar wie die Ausstellung selbst: Seine flexibel an- und abbaubaren Wände sind von Riffschutzinitiativen und Individuen gestaltet, die teilweise sehr persönliche Perspektiven erzählen.

Es geht beispielsweise um den Konflikt zwischen moderner Lebensweise und den Auswirkungen auf die Natur. Der Senckenberg Jugendbeirat hat unter anderem aufgearbeitet, warum Hawaii manche Sonnencremes verbietet und welche Auswirkungen touristische Tauchausflüge in Korallenriffs haben können.

Triff das Riff

Die Ausstellung ist im zweiten Obergeschoss im Raum mit dem Tropischen Korallenriff zu sehen, im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Senckenberganlage 25.

Der Eintritt kostet zwölf Euro für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren sind es sechs Euro pro Person.

Ein Kombiticket für Familien kostet 30 Euro.

Die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 17 Uhr, mittwochs von 9 bis 20 Uhr, am Wochenende und feiertags von 9 bis 18 Uhr. prma

Weitere Informationen unter: Telefon 069 / 75 420 oder im Web: www.senckenberg.de

Eine Wand ist noch nicht fertig - hier soll die Perspektive von Menschen aufgezeigt werden, die direkt betroffen sind. Wahrscheinlich wird hier eine NGO von den Crooked Islands ihre Arbeit und ihre Ideen präsentieren. Im Januar soll es auch eine Abendveranstaltung geben, zu dem sich Besucher:innen anmelden können, um einen „Reef Check“ zu unternehmen. Die gleichnamige Organisation, die auch einen Teil des „Display-Moduls“ gestaltet hat, leitet dann die Besucher:innen bei der Untersuchung eines Korallenriffs an. So kann man die Arbeit von Forscher:innen aus nächster Nähe mitbekommen.

Bis dahin ist auf den Tafeln zu lesen, was jede:r Einzelne zum Schutz der Riffe beitragen kann. „Seid laut: Fordert den Schutz der Riffe!“, steht da. Werden diese Eindrücke die Museumsbesucher:innen so begeistern, dass sie zum Handeln ermutigt werden? Wird klar, welchen Zusammenhang Klimaschutz und Biodiversität haben, und nehmen Menschen das Erlebte mit in ihren Alltag? Das Besuchserlebnis ist von großem Interesse für die Wissenschaft.

Durch Befragungen der Besucher:innen und anschließende Analysen will man herausfinden, welche der angebotenen Elemente über den Museumsbesuch hinaus Themen wie Biodiversitätsverlust und Klimawandel in die Gesellschaft tragen können. Menschen werden dann nach dem Besuch der Ausstellung vom Leibniz-Zentrum für lebenslanges Lernen gefragt, ob ihr Interesse für die behandelten Themen geweckt wurde und ob sie sich weiter mit den Themen auseinandersetzen wollen.

Eine mögliche längerfristige Entwicklung wird dann durch Telefonanrufe verfolgt. Diese Ergebnisse sollen wiederum in die Ausstellung getragen werden und so einen nachhaltigen Diskurs anregen.

„Unsere Hoffnung ist, dass wir in dieser Ausstellung vom Wissen zum Handeln kommen“, sagt Prof. Dr. Brandt. (Marlene App)

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes hatten wir die Zahl der Besucherinnen und Besucher im Museum falsch angegeben.

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