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Verena Hoppe schreibt beim Daheimsein während er Corona-Zeit Scrabble-Geschichten.

Corona Homestory

Alles schreibt – und vertreibt Corona

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Weil’s der FR-Gemeinde hilft, die Zeit daheim gut zu überstehen, denkt sie sich Geschichten aus und schreibt Gedichte.

Verena Hoppe hat uns geschrieben, denn wir sammeln ja hier Ihre guten Ratschläge für die Zeit des Daheimseins wegen Corona. Sie hatte einen Einfall. „Wir spielten zu zweit Scrabble“, schreibt sie. „Nach der Partie kam ich auf die Idee, den Endstand abzufotografieren. Jeder von uns beiden hat nun die Aufgabe, aus den entstandenen Wörtern eine Geschichte zusammenzuzimmern.“

Gedacht, getan. „Als Tür, muss ich euch sagen, bin ich zuständig für das Auf und das Zu. Kein einfacher Job.“ So beginnt Verena Hoppes erste Scrabble-Story. Sie beschäftigt sich damit, was die Tür wohl denkt, mit anderen Begriffen aus dem Spiel, und landet bei der Überlegung: „Scrabble Country könnte unsere Welt sein. Wir können sie mitgestalten, aufmachen ...“

Als große Herausforderung mit verblüffendem Ergebnis hat die FR-Leserin das Experiment erlebt und empfiehlt es uns allen. „Es fördert die grauen Zellen und überrascht, wie kreativ die eigene Person sein kann. Außerdem ist es eine Riesengaudi, sich die entstandenen Geschichten vorzulesen.“

Von Ultrakurzgeschichten und Gedichten

Johannes Huckes Gedicht: WENN DIE WELT WIEDER AUF HAT

Hab ich gar nicht gewusst, graue Peitschenlampe,
wie lieb ich dich hab, welch unvergleichlich eleganter Schwung
dir eigen ist, und wie richtig du da stehst vor dem Laden,
in den ich nie gegangen bin, in den ich sicher mal gehen werde,
wenn ich wieder raus darf,
und dann werd ich dich heiß umarmen,
denn auch Straßenlaternen wollen umarmt sein,
und ich werde dir sagen, wie wichtig du bist,
endlich sagt es mal einer: ich!
und dann gehe ich mir dir spazieren,
Runde um Runde,
wenn die Welt wieder auf hat –

Hätt ich beinah vergessen, scheußlich bemalte Straßenbahn,
wie hübsch ich dich finde, wie wohltönend deinen Gesang,
wenn du vor mir um die Ecke biegst und ich nicht rüber kann,
denn was soll ich da drüben, von hier aus seh ich dich besser,
wenn ich wieder raus darf,
dann lauf ich mit dir um die Wette
und werde mit Freuden verlieren, du Rasende,
und ich werde dir sagen, wie unverzichtbar du bist,
du mit all deinen komischen Fahrgästen: Euch!
und dann fahre ich schwarz mit dir
Runde um Runde,
wenn die Welt wieder auf hat –

War mir nie so bewusst, du, du muffelige Brezelverkäuferin du,
wie bezaubernd du muffelst, wie luftig deine klebrigen Brezeln sind,
„hallo, muffelige Brezelverkäuferin!“, werde ich singen,
„ich liebe deine Brezeln!“, von weitem schon, „und dich auch!“,
wenn ich wieder raus darf,
darf ich dir drei Wünsche erfüllen, ach was: jeden,
ich erschlag deinen Alten daheim, wenn es nützt,
und ich werde dir sagen, wie göttinnengleich du waltest
in deiner viel zu heißen Brezelbude: für uns!
und dann tanz ich mit dir übern Bahnsteig
Runde um Runde,
wenn die Welt wieder auf hat –

Ist mir wirklich entfallen, bescheuert brabbelnder Kollege,
wie ohnegleichen du dastehst, mit welchen Aromen die Ecke,
in die du zurücksankst vor Jahren, du ausfüllst: Zedernholz, Ambra,
was ich niemals bemerkt hab, lang nicht, doch will ich,
wenn ich wieder raus darf,
dir ablösen all deine Bande ums Herz,
in die Luft dich werfen wie einen Siegtorschützen,
und ich werde dir sagen, dass du das Zentrum bist
des Universums: für mich, für uns, für alle!
und dann heben wir ab vom Balkon im Applaus,
Runde um Runde,
wenn die Welt wieder auf hat –
Johannes Hucke

Einen ganz ähnlichen Einfall hatte Erich Ruhl-Bady aus Oberursel. Er nennt sein Projekt #StandUpShortStory, und so funktioniert’s: „Man/frau/Kind/jemand erfindet 7 Worte (die möglichst wenig miteinander zu tun haben). Daraus entsteht eine Ultrakurzgeschichte von etwa 1000 bis 1400 Zeichen (1 Minute bis ca. 1:30 Min.). Die Reihenfolge der vorkommenden Worte ist wurscht.“ Eine Beispielgeschichte, die daraus entstand, heißt „Bank im Grünen“. So fängt sie an: „Langeweile kannten andere. Er nicht.“ Wenn das nicht sehr gut zur derzeitigen Lage passt!

Johannes Hucke hatte auch eine Idee: uns ein Gedicht zu schicken. „Wenn die Welt wieder auf hat“ lautet der Titel. „Hab ich gar nicht gewusst, graue Peitschenlampe, wie lieb ich dich hab“, heißt es darin, und dass er sie umarmen will, „denn auch Straßenlaternen wollen umarmt sein, und ich werde dir sagen, wie wichtig du bist, endlich sagt es mal einer: ich! Und dann gehe ich mir dir spazieren, Runde um Runde, wenn die Welt wieder auf hat“. Das ganze Gedicht ist in der Onlineversion dieses Berichts auf www.fr.de zu lesen.

Aufruf zum Schreiben von Briefen und Postkarten

Wo wir gerade so schön beim Schreiben sind: „Guten Morgen liebe FR“, mailt Gisela Lütgen aus Montabaur und rät: „Fangt alle an mit Briefe und Postkarten schreiben. Das macht beiden Seiten Spaß, zumal man Postkarten selber basteln kann. Kinder können malen, Collagen herstellen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesteckt. Ich weiß es!“

Und wir wissen es jetzt auch. Danke an alle – und nicht böse sein, wenn wir nicht jede Zuschrift einzeln beantworten können. Sie kommen der Reihe nach in die Zeitung. Wer ebenfalls Ideen hat, schreibt: an online@fr.de.

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