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Dieter Werner (links) und Wolfgang Cleve reparieren einen Diaprojektor.  

Sachsenhausen

Repair-Café Sachsenhausen: Alles, nur nicht wegwerfen

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Das Repair-Café in Frankfurt-Sachsenhausen ist eine Mischung aus Ressourcen-Schutz und Nachbarschaftstreff.

Das Zischen eines Fahrradreifens, dem die Luft ausgeht, das kurze Dröhnen einer Bohrmaschine. Hier riecht es nach Maschinenöl, dort nach Streuselkuchen und frischem Kaffee. Das Konzept der Repair-Cafés ist es, ehrenamtliche Fachleute mit Menschen aus der Nachbarschaft zusammenzubringen. Gemeinsam sollen sie kaputten Geräten das Leben retten.

Kameras, Fahrräder, auch Jeansjacken werden kostenlos wieder tauglich gemacht. Währenddessen quatschen die Besucher. Im Raum der Gemeinde St. Wendel finden die Treffen seit fast fünf Jahren einmal monatlich statt. Getragen vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) geht es den Organisatoren neben Bildungsarbeit und menschlichem Kontakt um Ressourcenschutz. „Den Konsum ein bisschen einschränken. Wegkommen vom Kaufgedanken, dass das, was kaputt ist, sofort in den Müll gehört“, erklärt Koordinatorin Barbara Michalski die Ziele.

Von den elf Repair-Cafés, die in Frankfurt momentan existieren, ist es sicher das mit dem vielfältigsten Angebot. Ein Team von mehr als dreißig Kennern bietet jeden ersten Dienstag im Monat im Sachsenhäuser Gemeindehaus am Alten Schützenhüttengäßchen seine Kenntnisse an. Als man 2015 angefangen hat eine Gruppe zusammenzusuchen, damals im Rahmen eines geförderten Projektes der Polytechnischen Gesellschaft, haben sich ganz verschiedene Branchen gefunden.

Sossenheim: 15. Januar von 17.30 bis 20 Uhr, im Begegnungszentrum, Toni-Sender-Straße 29.

Heddernheim: Mittwoch, 18. Januar von 15 bis 18 Uhr, Aßlarer Straße 3. 

Hausen: Samstag, 23. Januar von 15 bis 17 Uhr, im Drin-Café, Evangelische Kirchengemeinde Hausen, Alt Hausen 3. 

Rödelheim: Samstag, 1. Februar, 15 bis 18 Uhr, Auguste-Oberwinter-Haus, Burgfriedenstraße 7. 

Griesheim: Mittwoch, 5. Februar, von 17.30 bis 20 Uhr, Nachbarschaftsbüro, Eichenstraße 13. 

Gallus: Mittwoch 4. März, von 17.30 bis 20 Uhr, Mehrgenerationenhaus, Idsteiner Straße 91. 

Info : www.repaircafefrankfurt.de oder repaircafe_frankfurt@web.de jkö

Am häufigsten werden Elektriker und Mechaniker gebraucht, etwa wenn ein Toaster, ein Fön oder ein Fahrrad nicht mehr funktionieren. Aber auch Hobbynäherin Helga ist seit den Anfängen dabei. „Damals war meine eigene Nähmaschine kaputt. Die haben wir zwar nicht wieder hingekriegt, aber dafür habe ich so hierhergefunden“, erinnert sich die gelernte Psychologin.

Seit einigen Jahren ist sie im Ruhestand. Sie schwärmt von der Dynamik der Gemeinschaft: „Wir sind hier alle eine große Familie. Ich flicke jemandem seine Hose zusammen, dafür hilft er mir bei der Gartenhütte.“ Auch Dieter Werner, 69 Jahre alt, ist seit Tag Eins aktiv. Fünfzig Jahre hat er als Elektromechaniker gearbeitet. „Geld kriegt man nicht mehr“, sagt er: „Aber das Erfolgsgefühl, wenn ich es schaffe, ein Gerät wieder zum Funktionieren zu bringen ist für mich die wichtigere Belohnung.“

An diesem Dienstag kommt ein Mann mit einem rund dreißig Jahre alten Fotoapparat zu Werner. Schnell schraubt er den Kasten auf und datiert die Einzelteile. Baujahr 1994. Zusammen sitzen sie am Tisch und rätseln. Als Snacks gibt es Waffeln und Kekse. Ein Service, den keine gewöhnliche Werkstatt bietet.

Das Café ist gefüllt, die Stimmung gut. Einziges Manko: Für eine Großstadt wie Frankfurt gibt es zu wenige Termine, findet Barbara Michalski vom BUND. Viele Gäste seien schon sensibilisiert für Umweltschutz. „Langfristig wollen wir allen Gesellschaftsschichten einen Zugang geben.“

So helfen Schüler der IGS Süd im Rahmen eines Schulprojektes aus. Lennart Wagner ist in der achten Klasse: „Man lernt nützliche Dinge und das Essen ist auch super“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Jeder Stadtteil sollte einen Reparaturtreff anbieten, fordert Michalski. „Gemeinden von überall können sich damit beschäftigen.“ So würde die Natur profitieren, die Geldbörse und die gute Nachbarschaft.

Für 25. Januar lädt die BUND-Jugend zum regionalen Vernetzungstreffen ein. Es soll um weitere Standorte für Repair-Cafés gehen und darum, wie noch mehr unterschiedliche Besuchergruppen angesprochen werden könnten. Von Schülern und Rentnern bis hin zu Geflüchteten.

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