Auto-Messe

IAA: Alles für den Instagram-Moment

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Mercedes-Benz möchte bei der IAA weg von der klassischen Automobil-Ausstellung. Und spart damit Geld. Für die Besucher bedeutet das weniger Autos zum Anschauen.

Wer bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in der Festhalle auf die große Autoshow hofft, wird womöglich enttäuscht sein. Denn auf 6200 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf mehreren Etagen wird Mercedes-Benz nur 18 Karossen präsentieren. Vor zwei Jahren waren es an gleicher Stelle noch 58. Statt einer Verkaufsshow will der Stuttgarter Konzern in Frankfurts „Gut Stubb“ lieber eine Erlebniswelt präsentieren. „Es wird ganz viele Instagram-Momente geben“, versprach Marketingchefin Bettina Fetzer bei einer Baustellenführung am Mittwoch.

Demos
Die Linke im Bund unterstützt die Demonstrationen gegen die IAA in der Zeit von 13. bis 15. September. Dazu zählen die Fahrrad-Sternfahrt unter dem Motto #Aussteigen am 14. September sowie die Blockade der IAA durch Sand im Getriebe am 15. September. „Es ist klar, dass wir die klimapolitische Wende nur mit einer Verkehrswende hinbekommen“, sagte Bernd Riexinger, Vorsitzender der Linken im Bund. Die IAA stehe für das Gegenteil. fle

Obwohl rund 100 Menschen schon seit dem 15. Juli in der Festhalle und dem angrenzenden Forum am Werkeln sind, ist noch nicht viel zu sehen von dem, was dem IAA-Publikum ab dem 14. September geboten werden soll. Die Journalisten haben ohnehin zunächst andere Fragen. Ist eine pompöse Automobilpräsentation überhaupt noch zeitgemäß? Karsten Mayer, bei Mercedes verantwortlich für neue Messekonzeptionen, räumt ein, man habe sich schon Gedanken gemacht, als rauskam, dass BMW seine Fläche von 11.000 auf 3000 Quadratmeter verkleinere. 

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Auch Mercedes hat abgespeckt, die Ausstellungsfläche ist 30 Prozent kleiner, das Budget deutlich geringer, ohne dass der Konzern seinen IAA-Etat nennen will. Bei jeder Automesse werde genau hingeschaut, ob eine Teilnahme Sinn ergebe. „Oftmals ist es alternativlos“, sagt Mayer. Vor zwei Jahren hätten sich innerhalb von zehn Tagen 830.000 autoaffine Besucher die Mercedes-Präsentation angeschaut. Und diesem Publikum soll auch dieses Jahr im Forum der Messe zumindest eine kleine Autoschau im klassischen Sinne geboten werden. Mit elf Weltpremieren und Fahrzeugen vom Smart bis zum Maybach.

In der Festhalle steht das Auto hingegen nicht im Mittelpunkt. Um die dort entstehende Erlebniswelt zu beschreiben, wirft Marketingchefin Fetzer mit englischen Fachbegriffen um sich, dass dem gemeinen Messebesucher schwummrig wird. Es gehe darum, „das digitale Ökosystem erlebbar zu machen“. Im Mittelpunkt stehe oft der Besucher selbst. Etwa im „Energizer-Raum“, in dem Besucher ihren Puls gemessen bekommen und sich das Farb- und Duftkonzept des Raums dem Gemütszustand des Besuchers anpasst. An anderer Stelle könnten sich die Besucher aber auch für einen „Deep Dive“ anstellen oder für die gläserne Aussichtsplattform im zweiten Rang, die einen tollen Einblick in die Festhalle ermöglicht. Dort werde übrigens auch während der Ausstellung an zwei Abenden Programm geboten: Konzerte, nicht nur für IAA-Besucher. Auch nicht für jedermann, aber immerhin für die Teilnehmer eines Kongresses und für „Influencer“. Zu möglichen Protesten bei der IAA wollte sich Mayer nicht äußern und verwies auf den Austausch mit den Behörden und dem Verband der Automobilindustrie.

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