Römerbriefe

Alles wie immer

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Manuel Stock und Bernd Reisig zoffen sich auf Facebook – und wir können nicht genug davon bekommen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:  Bringst du mir dann eine Nussecke mit, wenn du zum Bäcker gehst?

Göpfert:  Äh, Georg, wir sind im Homeoffice und arbeiten gerade viele Kilometer voneinander entfernt.

Leppert:  Trotzdem, das hast du doch immer gemacht.

Göpfert:  Okay, okay, ich lasse dir eine liefern.

Wir alle wünschen uns so sehr Normalität. Sie und wir und die Stadtpolitik. Wir wollen, dass diese Corona-Krise endlich endet. Und sollen wir Ihnen was sagen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik? Es gibt Hoffnung, dass bald wieder alles so ist wie früher.

Den ersten Schritt hin zur Normalität haben Manuel Stock und Bernd Reisig unternommen. Sie erinnern sich? Stock war lange Zeit Fraktionschef der Grünen, und wir vermissen ihn ganz doll – nicht nur, weil wir seit seinem Abschied viel seltener schreiben, dass Schwarz-Grün Frankfurt guttut. Bernd Reisig ist Medienmanager und Moderator und tut eine Menge Gutes. Wenn es um Kommunalpolitik geht, ist er aber vor allem der brettharte Anwalt von Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Eben jener Oberbürgermeister war am Samstag in einer Anzeige mit dem Titel „Danke, Frankfurt!“ in den Frankfurter Tageszeitungen zu sehen. Nun schaden Anzeigen in Tageszeitungen fast nie, das findet auch Manuel Stock. Aber dass sich Feldmann bei allen Frankfurterinnen und Frankfurtern für ihre Disziplin in der Corona-Krise bedankte und zudem noch im Foto zu sehen war, das empfand der Grüne, der mittlerweile das Büro von Wissenschaftsministerin Angela Dorn leitet, vor allem als „Selbstdarstellung“, die es gerade in Zeiten wie diesen nicht brauche. „Das Geld wäre besser bei den Vereinen und Institutionen aufgehoben, die aktuell in Not sind“, schrieb Manuel Stock auf Facebook.

Das rief sofort Reisig auf den Plan. Er warf Stock „Feldmann-Wahn“ und „ganz billige Polemik“ vor. Natürlich meldeten sich dann auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer (gegen Feldmann) und der Leiter des OB-Büros, Nils Bremer (für Feldmann) zu Wort. Vor allem aber übernahm Reisig die Verteidigung des Oberbürgermeisters und fragte schließlich die Grünen-Stadtverordnete Hilime Arslaner, warum ihre Partei eigentlich eine Koalition mit der SPD eingegangen sei („einfach nur Machtgeilheit?“). Nach 48 Kommentaren war das Thema dann ausdiskutiert. Vorerst. Und wir hatten das Coronavirus fast vergessen.

Auch andere Politikerinnen und Politiker kehren langsam zur Normalität zurück. So gab es den einen oder anderen Aprilscherz. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) etwa zeigte das Foto eines Raums, der an das Nasa-Kontrollzentrum in Houston erinnert. So werde der Regieraum des umgebauten Plenarsaals im Römer aussehen, schrieb er dazu. Und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) behauptete auf Facebook, Feldmann wechsele nach Berlin. Wobei dieser Aprilscherz mehr Potenzial gehabt hätte: suche Wohnung, aber nur in Mitte, mit Garage für AWO-Dienstwagen … Aber wir wollen nicht meckern. Hauptsache, wir nähern uns der Normalität etwas an.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert  berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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