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Straßenbahnfahrer Peter Wirth alias Bahnbabo kann überall Spagat. Auch ohne sich vorher aufzuwärmen.

Peter Wirth

Alles gechillt beim Bahnbabo

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Teenies flippen aus, wenn sie den "Bahnbabo" alias Peter Wirth sehen, Frankfurts wohl bekanntesten Straßenbahn-Fahrer. In den sozialen Netzwerken ist er ein Star.

Update. 06.06.2019:

Den Bahnbabo zieht es in die Politik - ernsthaft. In fünf Jahren will er Frankfurter Oberbürgermeister werden. Hat er nun verkündet. Ob er eine Chance hat? Wer weiß, möglich ist heutzutage ja alles - man sieht's an Donald Trump

Beim Bahnbabo flippen die Teenies aus

Das Strahle-Lächeln vom Bahnbabo hat etwas von Arnold Schwarzenegger, seine Armmuskeln definitiv auch. Eigentlich heißt der Bahnbabo ja Peter Wirth. Seit 30 Jahren ist er schon Straßenbahnfahrer bei der VGF. Aber er ist der einzige Straßenbahnfahrer in Frankfurt, bei dem die Teenies so ausflippen. 

Am Südbahnhof rufen Schüler zwischen neun und achtzehn ihm irgendwo zwischen überrascht und voller Freude zu: „Der Bahnbabo“. Die Mädchen kreischen das – und machen davon ein Video mit dem Smartphone. Der elfjährige Marlon sagt: „Der Bahnbabo ist in Frankfurt extrem bekannt.“ Sein Kumpel verwendet den Ausdruck „Er hat einen krassen Fame.“ Dann fragt Marlon den Bahnbabo: „Können Sie Ihre Muskeln zeigen?“ Für ein Gruppen-Selfie, natürlich. Denn alle wollen ein Foto mit dem Bahnbabo.

Spagat aus dem Effeff

Dieser sitzt an diesem Tag in der Linie 15 in seinem Fahrerhäuschen und lächelt und sagt: „Bleib stabil“. Das sagt er gerne und oft. Oder er ruft den Kids aus der Bahn gerne zu: „Alles gechillt bei euch?“ Seine Stimme klingt wie die eines Tagesschausprechers oder er könnte auch Märchenkassetten aufnehmen. Der 57-Jährige hat weiße Haare, stets gebräunte Haut, trägt Sonnenbrille – sein Markenzeichen wie er sagt. Und er ist nicht nur sehr stark und kann eine halbe Stunde lang eine Plastiktüte mit 15 Litern Hafermilch in der Hand tragen, und sich dabei locker unterhalten.

Er kann auch einfach so, ohne sich überhaupt erst aufzuwärmen zu müssen in den Spagat gehen. Ob vor der Bahn auf dem Boden, oder senkrecht gegen die SOS-Litfasssäule der VGF. „Bahnbabo in Not“ heißt das Bild: Vom Bahnbabo gibt es zahlreiche Fotos im Netz. Eine junge Frau schreibt auf Instagram zu ihrem Selfie mit dem Bahnbabo: „Ich habe es geschafft. Ich kann in Frieden sterben.“ Der Bahnbabo zeigt dann auch ein Video, das ihm zugeschickt wurde. Und zwar aus der Straßenbahnlinie 21 voller erwachsener Eintracht-Fans. „Bahnbabo du bist der beste Mann“, singen sie. Er antwortet: „Ich liebe euch.“ 

„Ich bin nicht der Bahnbabo, weil ich das selber wollte. Ich habe mir auch nicht den Namen gegeben. Ich bin von den Kids dazu gemacht worden“, erzählt Wirth. Babo, das Wort, das in der Jugendsprache der mittlerweile etablierte Begriff für Anführer oder Chef ist. „Ich kann heute nicht mehr genau sagen, wann mich einige Jugendliche das erste Mal den Bahnbabo nannten.“ Bekannt sei er jedenfalls schon viele Jahre. „Anfangs hat sich das von Haltestelle zu Haltestelle gespreaded, also rumgeprochen. Irgendwann gab es dann die Hashtags in den sozialen Medien mit Bahnbabo.“

Seinen Instagram-Account hat Wirth vergangenen Sommer nach dreieinhalb Monaten eingestellt. „Jeden Abend hatte ich 30 Direktnachrichten: Bruder wann kommst du Fechenheim? Wann kann ich ein Bild mit dir machen? Meine Schwester liebt dich. Oder auch: Bruder, wie viel Protein brauche ich?“ Er hatte den Anspruch jede Frage zu beantworten. „Vom kleinsten Kind bis zum größten. Ich bekam Feedback aus der ganzen Welt. Aber ich saß bis nachts um drei Uhr da. Dann hat meine Frau gesagt: ‚Das kannst du nicht mehr machen. Das hältst du nicht durch.‘“ Als er sich aus Instagram zurückzog, hat ein Junge aus Oberrad die geschlossene Facebook-Gruppe „Der Bahnbabo Fans“ gegründet.

Auch in den Sozialen Medien ein Star

Auch sonst kann man den Bahnbabo-Hype verfolgen. So auch auf der Social Media App „Jodel“, auf der Leute Schnappschüsse vom Bahnbabo auf der Fahrt oder beim Training, reinstellen. Und auch er selbst postet immer wieder etwas aus Spaß. „1770 Upvotes, also so was wie Likes, gab es neulich auf ein Bild von mir. Man bekommt da auch sogenannte Karma-Punkte.“ Da habe er über 130 000 in drei Monaten, das seien in der Jodel-Währung sehr viele Karma-Punkte. Bis auf einen kurzen Blogeintrag, hat die VGF bislang noch nie mit dem Bahnbabo geworben. 

Wenn er in der Straßenbahn sitzt, machen alle, sobald sie ihn sehen – selbst ein 30-Jähriger im Anzug an der Ampel auf der Schweizer Straße – den Bahnbabo-Gruß. Der Gruß sieht aus wie das Handzeichen fürs Telefonieren, nur dass man die Hand dabei hin- und herbewegt. Das Handzeichen habe er im Hawaii-Urlaub gesehen. Da bedeutet es: „Hang loose“ also so viel wie „Immer locker bleiben“. Nun hat er dieses als Bahnbabo-Gruß eben übernommen. 

„Es gibt zwei Facetten des Bahnbabos, einer, der mit den Erwachsenen spricht, und der, der mit den Jugendlichen redet. Mein Teamleiter versteht das auch nicht: Wenn die Kids an die Scheibe klopfen und rufen: ‚Ey Bahnbabo, kannst du Bizep zeigen?‘ antworte ich: ‚Klar Bruder, mache ich Bizeps für dich.‘ Und mein Chef sagt: ‚Das war aber jetzt nicht dein Bruder, oder?‘“ Wirth lacht. 
Der Bahnbabo ist keiner, der versucht auf cool, jung und hip zu machen. „Er ist immer schon so gewesen“, erzählt seine Frau Heike Wirth, die wie er seit 30 Jahren Straßenbahn fährt. Wenn sie sich wie an diesem Tag an der Uniklinik - beide in ihrem Führerhäuschen - begegnen, wirft er ihr einen Luftkuss zu. Sie macht lieber den Bahnbabo-Gruß. „Manchmal sieht man durch die Sonne nicht so genau, wer hinter der Fahrerscheibe sitzt, und bevor ich den falschen Mann einen Kuss zuwerfe.“, sagt sie und lacht.

38 Jahre sind sie ein Paar. Und was sagt sie zum Bahnbabo-Hype? „Klar, nervt es manchmal, wenn wir am Main oder in der Innenstadt laufen und er selbst da um ein Foto gebeten wird. Aber er mag das, also lass ich ihm seinen Spaß“, sagt Heike Wirth. Wieso aber respektieren und bewundern ihn die Kids seiner Meinung nach?

„Wie kann ein Mann in meinem Alter die Achtung der Jugend gewinnen? In dem ich einfach authentisch bin. Und durch den Sport.“ Einmal war ich er in der Linie 17 zum Rebstockbad unterwegs. „Eine Gruppe von Jugendlichen fühlte sich, als ich den Spiegel einstellte, von mir beobachtet und beschimpfte mich.“ Also forderte er sie sportlich heraus.

„Ich habe ein paar Minuten an der Endstation Zeit für euch, dann macht der alte Mann euch eine Übung vor und wenn einer von euch mehr Einheiten als ich schafft, zahle ich allen vier den Schwimmbadbesuch.“ Zwischen den Stangen an den Sitzen legte er dann 60 Dips, also Barrenstütze, zwischen zwei Armlehnen vor. Die Jungs waren beeindruckt: „Und so kann ihnen auch erklären wie nervig es ist, wenn sie in der Tür stehen bleiben und Türstörungen und so Verspätungen verursachen. Sie hören mir zu.“

Aber auch so trainiert Wirth, wenn er drei Minuten Pause hat. Er schafft da locker in einer Minute 100 seitliche Klimmzüge an der Stange. Zwölfmal wiederholt er diese Übungen während einer Achtstundenschicht. 

Seit 34 Jahren lebt er seinen Sport, das Bodybuilding sei seine Passion, wie er sagt. Auch vor der Arbeit trainiert er. Zudem hat der 1,82 Meter große und 90 Kilogramm schwere Straßenbahnfahrer einen strikten Ernährungsplan. „Morgens esse ich Müsli mit Hafermilch, bei der Arbeit habe ich immer drei Flaschen Gemüsesmoothie dabei, das mische ich mit Proteinpulver und abends gibt es nur noch Quark.“ Nur an seinen freien Tagen isst er auch mal Fisch oder Burger, aber ohne das Brötchen mit den fiesen Kohlenhydraten. 
Eine Mittfünfzigerin schenkt ihm, weil er immer so nett sei und wartet, wenn sie zur Bahn rennt, an dem Tag Milchreis. „Das esse ich dann aber auch mal.“

„Ich will der fröhliche Mensch bleiben“

Bekannt ist der Bahnbabo auch für seine positiven Ansagen: Wenn es regnet, sagt er beispielsweise: „Nehmt den Regen als flüssigen Sonnenschein, lasst ihn ganz tief in euer Herz hinein, dann könnt ihr auch an Regentagen glücklich sein.“ Wirth betont: „Unser Job ist sehr, sehr stressig, ständig hat man die Gefahr einer Unfallsituation und manche meiner Kollegen verhärtet das in der Seele. Ich möchte das nicht. Ich will der fröhliche Mensch bleiben und diese Freude nach außen weitergeben.“ 

Einer seiner größten Fans heißt Omar. Er ist 13 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Jordanien. „Diese Geschichte touched mich jedes Mal.“ Omar erzählte ihm, dass er im Ethik-Unterricht die Aufgabenstellung Vorbilder hatte und den Bahnbabo als seines erkoren hatte. „Er hat die Bilder aus meinem Blog auf Papier ausgedruckt und als Collage auf Pappe geklebt und hat Geschichten dazu geschrieben.“

Um die Bilder auf Facebook-Seite zu veröffentlichen, brauchte Wirth die Genehmigung der Eltern, also ging er in die Paul-Hindemith-Schule im Gallus. „Ich bin ins Sekretariat und die ältere Dame dort fragte: ‚Und wer sind Sie?‘“ Und er antwortete: „Na ich bin der Bahnbabo.“ 
Mittlerweile skandierten 20 Kids an der Glastür: Und riefen: ‚Der Bahnbabo ist in der Schule, der Bahnbabo ist in der Schule.‘“ An dem Tag war kein Regelunterricht mehr möglich“, erzählt Wirth und lacht. Abends besuchte er Omars Familie. Bei Tee machte der Bahnbabo auf Wunsch dann noch ein Spagat im Wohnzimmer. „Das muss halt immer sein.“ Er grinst wie Arnie. Mit dem Terminator hätte er gerne ein Selfie. 

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