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Marlene Haas

Interview

„Alle sollen den Mehrweg gehen“

Marlene Haas erklärt den Schülern den Wert und die Funktionsweise ihres Pfandsystems cup2gether.

Marlene Haas ist Mitinitiatorin von cup2gether.

Frau Haas, wie funktioniert das Pfandsystem von cup2gether für Kaffeebecher?
Bisher funktionierte es so: auf cup2gether.de als Nutzer anmelden. Dann bekommt man eine Bestätigungsmail, die man beim Erstgebrauch im Café vorzeigt, damit das Café weiß, dass man dabei ist. Dann kriegt man seinen Coffee-to-go direkt im Pfandbecher mit und kann ihn gebraucht bei einem der Cafés wieder abgeben. Dafür erhält man einen Tauschcoin, den man beim nächsten Mal wieder gegen einen Becher in einem der mitmachenden Cafés eintauschen kann. Zukünftig muss man sich nicht mehr anmelden, sondern geht ins Café, bestellt den Coffee-to-go und bekommt ihn gegen zwei Euro Pfand im Pfandbecher. Wenn man diesen ausgetrunken hat, kann man den dreckigen Becher in einem anderen Café zurückgeben und erhält sein Pfandgeld zurück.

Welche Zielgruppen erreichen Sie momentan und wollen Sie in der Zukunft erreichen?
Bislang sind es vor allem Kaffeetrinker, die sich grundsätzlich Gedanken über ökologische und soziale Folgen ihres Kaffeekonsums machen und auch bereit sind, dafür etwas mehr zu bezahlen. Es ist schwierig, eine Lösung für alle Zielgruppen zu finden. Gerade wenn Pendler ihren Kaffee genießen wollen, ist es immer noch am schwersten, eine Lösung zu finden, den Kaffee nachhaltig zu trinken.

Was für Auswirkungen hätte ein Gesetz, das Einwegbecher verbietet?
Ein großes Problem sehe ich bei den Folgen für kleine Café-Betriebe. Ein Gesetz könnte diese in den Bankrott treiben, da es immer noch zu viele Kaffeekonsumenten gibt, die sich gegen nachhaltige Lösungen sträuben. Selbst wenn ein Café, auch ohne gesetzliche Regelung, seine Einwegbecher abschaffen würde, braucht es eine bestimmte Haltung und ein Bewusstsein der Kunden, damit das Café diese nicht an die Konkurrenz verliert. Ein Gesetz könnte die Umweltbelastung sicher senken, jedoch ist unser Ziel, dass ein Wandel in den Köpfen der Menschen stattfindet und dass sie selbst verstehen, warum Einwegbecher nicht gut sind und warum man diese nicht benutzen sollte.

Es gibt auch andere Pfandsysteme, wie Re-cup, die in Frankfurt genutzt werden. Wäre es nicht sinnvoll, zusammenzuarbeiten?
Eine Zusammenarbeit würde sicher vieles vereinfachen. Der Becher von Re-cup ist jedoch aus Plastik. Der cup2gether-Becher wird hingegen zu 100 Prozent aus abbaubaren Materialien hergestellt. Re-cup ist zudem auch ein Wirtschaftsunternehmen und muss deshalb Gewinne erwirtschaften, wir sind hingegen eine gemeinnützige Initiative. Grundsätzlich begrüße ich aber Pfandsysteme, denn so werden die Menschen für die Problematik sensibilisiert.

Welche Zukunft sehen Sie in Ihrer Kooperation mit der FES?
Die Kooperation ist noch in den Startlöchern, und deshalb sind noch viele Fragen offen. Klar ist, dass der Abfallentsorger, der sich auch um Abfallvermeidung kümmern muss, das stadtweite Pfandsystem übernehmen wird. Wir als Initiative cup2gether stehen der FES beratend zur Seite, um diesen Übergang zu erleichtern und um vor allem unsere Erfahrungen einzubringen. Insgesamt ist weiterhin unser Ziel, dass ganz Frankfurt nachhaltig seinen Kaffee trinkt. Um das zu erreichen, ist ein großer Partner super, der ergänzend zu den tollen Stadtteilcafés auch die Kettenbäckereien mit Schlagkraft erreicht. Was wir weiterhin mit cup2gether machen wollen und bereits machen, ist das Verleihen von Bechern an Schulen oder Vereine für Feste – damit eben wirklich alle „den Mehrweg“ gehen.

Interview: 8d der Carl-Schurz-Schule

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