1. Startseite
  2. Frankfurt

Tag der Befreiung: Demonstrationen gegen Faschismus und Ukraine-Krieg in Frankfurt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Blau-gelber Protest gegen die Versammlung von Putin-Fans an der Frankfurter Hauptwac
Blau-gelber Protest gegen die Versammlung von Putin-Fans an der Frankfurter Hauptwache. © Renate Hoyer

Hunderte demonstrieren in Frankfurt anlässlich des Tags der Befreiung sowie wegen des Ukraine-Kriegs gegen Faschismus – von dem jeder eine andere Vorstellung hat.

Frankfurt – Mehrere Demonstrationen anlässlich des russischen Kriegs gegen die Ukraine haben am Sonntag das Bild der Innenstadt geprägt. Den Anfang machte eine Kundgebung an der Hauptwache mit anfangs etwa 100 Teilnehmenden, die offiziell dem Gedenken an die im Kampf gegen Nazi-Deutschland gefallenen Soldaten der Roten Armee gewidmet war. Wenig überraschend ging es dort aber um den aktuellen Ukraine-Krieg, immer wieder wurde der damalige reale Kampf Russlands gegen den Faschismus und der angebliche heutige in den Reden erwähnt. In unmittelbarer Nähe versammelten sich knapp ein Dutzend pro-ukrainische Demonstrantinnen und Demonstranten, es blieb aber bei verbalen Schmähungen, ansonsten verliefen die Veranstaltungen friedlich.

Um 12 Uhr demonstrierten dann Menschen gegen den Angriff auf die Ukraine. Deren Demonstrationszug führte vom Willy-Brandt-Platz zum Mainufer und zurück. Anlässlich des Muttertags hatten die Veranstalter das Motto „Zug der Mütter gegen den Krieg in der Ukraine und in Europa“ gewählt. Ukrainische Mütter könnten derzeit nicht feiern, sondern verlören jeden Tag, jede Stunde und jede Minute ihre Kinder, ihre Ehemänner, Brüder, Väter und nächsten Verwandten, hieß es im Aufruf. Um 13 Uhr begann dann am Opernplatz eine zweite pro-russische Demonstration, deren Publikum weitgehend mit dem der Kundgebung an der Hauptwache identisch war. Von dort waren die Teilnehmenden zur Alten Oper gezogen, wurden aber im Verlauf noch von weiteren Sympathisanten, einige davon aus der Querdenkerszene, unterstützt.

Frankfurt: Keine besonderen Vorkommnisse bei Demonstrationen zu Ukraine-Krieg und Tag der Befreiung

Die Polizei schätzt die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten, die hier über eine angebliche „Diskriminierung russischsprachiger Mitbürger“ klagten, in diesem Fall auf 300. Was allerdings immer noch deutlich unter den 1500 Teilnehmenden lag, welche die Anmelder eigentlich erwartet hatten. Mitglieder des Bündnisses „Wir überlassen Frankfurt nicht den Kriegstreibern“ hatten in der Nacht zuvor die Nationalfarben der Ukraine und Anti-Putin-Parolen auf das Pflaster des Opernplatz gemalt, auf dem sich bereits im April hunderte Befürworter des russischen Angriffskrieges zusammengerottet hatten.

Auch hier kam es wieder zu verbalen Auseinandersetzungen - erst mit der pro-ukrainischen Truppe, die bereits an der Hauptwache Widerworte gegeben hatte, später auch mit anderen Teilnehmenden. Auch hier konnte Schlimmeres wohl nicht zuletzt dank der massiven Polizeipräsenz verhindert werden. Von den drei Demos hatte die Polizei nach deren Abschluss keine besonderen Vorkommnisse zu melden.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit legten indes Diplomaten aus Polen, Großbritannien, Litauen, Lettland und der Ukraine vor dem Ehrenmal der Kriegsopfer auf dem Hauptfriedhof anlässlich des 8. Mai Kränze nieder. Bei der Veranstaltung, die maßgeblich das US-Konsulat organisierte, waren auch Vertreter:innen der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen anwesend.

Größtes Randalerisiko bei Antifa-Demo gegen Ukraine-Krieg in Frankfurt erwartet

Weit öffentlicher war die antifaschistische Demonstration, die um 17 Uhr am Paulsplatz im Anschluss an das traditionelle Fest von Parteien, Verbänden und Gewerkschaften begann. Bei dieser war die Polizei im Vorfeld vom größten Randalerisiko ausgegangen, da etliche Teilnehmende aus den Reihen der Antifa dort erwartet wurden, was auch zutraf.

„Die globale autoritäre Offensive wurde in den letzten Wochen in mörderischer Weise in Form der Angriffskriege Putins gegen die Ukraine und Erdogans gegen die Kurd*innen deutlich“, hatten sich die Veranstaltenden im Demo-Aufruf positioniert.

Der befürchtete Rabbatz blieb dann allerdings aus. Kurz nach Ende der Veranstaltung sprach die Polizei von „in der Spitze bis zu 250 Teilnehmenden“, die sich allerdings erfreulich friedlich verhalten hätten. „Bis auf zwei geworfene Rauchtöpfe gibt es nichts Nennenswertes zu berichten, sagte ein Sprecher am frühen Abend. (Stefan Behr)

Auch interessant

Kommentare