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Die Glascontainer könnten noch versetzt werden.

Frankfurt-Westend

Ein Platz für die Mitscherlichs

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Mit dem Mitscherlich-Platz soll das bedeutende Psychoanalytiker-Ehepaar geehrt werden. Eine Bürgerinitiative fordert eine Infotafel auch für Margarete Mitscherlich - doch die ist aus Sicht der Stadt noch nicht lange genug tot.

Erich Fromm hat einen, Beethoven auch. Norbert Wollheim und Theodor W. Adorno werden einen bekommen – einen nach ihnen benannten Platz im Westend. Die Ehre ist nun auch dem Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich zuteilgeworden. In der vergangenen Woche wurde ganz am Ende von Fürstenbergerstraße und Grüneburgweg das Namensschild für den „Mitscherlichplatz“ aufgestellt, samt einer kleinen Tafel, die auf den Psychoanalytiker verweist. Eine Umgestaltung des kleinen dreieckigen Platzes neben dem Hochhaus am Park soll folgen.

Das zumindest wünscht sich die Initiative Mitscherlich-Platz, die aus der Frankfurter Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Traum, Schlaf, Hypnose hervorgegangen ist. Im vergangenen Jahr hatte die Initiative beim zuständigen Ortsbeirat 2 die Benennung angeregt. Geehrt werden sollte auch Margarete Mitscherlich. Weil die jedoch erst vor zwei Jahren verstorben ist, darf der Platz städtischen Richtlinien gemäß erst im Jahre 2017, fünf Jahre nach dem Tod der erwünschten Namenspatronin, auch auf Margarete Mitscherlich verweisen. Umgestaltet werden soll der Platz allerdings schon vorher.

Die Initiative möchte Informationstafeln zu beiden Mitscherlichs aufstellen. Hinzukommen soll ein Bücherschrank. Störfaktoren wie der Altglas-Container sollen versetzt, die Platz beschneidenden Parkbuchten am Rande beseitigt werden, erklärt Christin Scheiblauer von der Initiative. Das allerdings sind nur die kurzfristigen Umgestaltungs-Wünsche. Wenn es Klarheit über die Zukunft des Hochhauses am Park gibt – die Stadt hat Verkaufsverhandlungen bestätigt – will die Initiative einen interdisziplinären Ideenwettbewerb ausschreiben. Die mächtigen Lüftungsrohre sowie ein Teil der Grünfläche gehören zum Hochhaus, sollen aber in ein Gesamtkonzept zur Platzgestaltung einbezogen werden. Dabei könnten die Rohre zu „leuchtenden Litfaßsäulen“ mit Informationen zu den Mitscherlichs werden, heißt es in einem Konzeptpapier der Initiative.

"Bedeutende Rolle" für Frankfurt

Für Frankfurt und die Psychoanalyse hätten die Mitscherlichs eine „bedeutende Rolle“ gespielt, betont Wolfgang Leuschner, einst stellvertretender Direktor des Sigmund-Freud-Instituts (SFI) und Sprecher der Initiative Mitscherlich-Platz. Am renommierten und im Westend beheimateten SFI hatten auch Alexander und Margarete Mitscherlich gewirkt. Er leitete das Institut in den 60er und 70er Jahren; das gemeinsam veröffentlichte Werk „Die Unfähigkeit zu trauern“ (1967) ist wohl das bekannteste aus ihrem schriftlichen Nachlass.

Zum Gedenken an die Mitscherlichs sei der Ort genau der richtige, erklärt Leuschner. Der Platz sei eine Art „Brennpunkt“, an dem sich „Geschichte verdichten lasse“. Die damals „Irrenanstalt“ genannte psychiatrische Klinik des Struwwelpeter-Autors Heinrich Hoffmann befand sich auf dem heutigen Gelände der Goethe-Universität. Hoffmann selbst wohnte, wie auch Alois Alzheimer, nur wenige Meter entfernt vom Platz. Bertha Pappenheim, Sigmund Freuds Initial-Fallbeispiel für die Entwicklung der Psychoanalyse, wohnte keine hundert Meter weiter in der Feldbergstraße.

Direkt auf dem Platz hat die Initiative bereits einen Unterstützer für ihre Pläne gefunden: Der neue Kiosk-Betreiber Suat Kayas, der mit seiner aufwendigen Büdchen-Dekoration offenbar viel Wert aufs richtige Ambiente legt, würde eine Umgestaltung des Platzes begrüßen.

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