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Freund der Lyrik: Alexander Losse.
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Freund der Lyrik: Alexander Losse.

Kultur

Alexander Losse: Vom Lektor zum Kulturmanager

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Alexander Losse ist Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, die den Stadtschreiberpreis vergibt.

Alexander Losse leitet seit November die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, die den altehrwürdigen Stadtschreiberpreis vergibt. 1974 gestiftet, war er erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. 2020 ging der Preis an die Schriftstellerin Anne Weber, die in Offenbach geboren wurde und seit langem in Paris lebt.

Dass Weber für „Annette, ein Heldinnenepos“ den Deutschen Buchpreis erhielt, „hat uns selbst überrascht“, sagt Losse. Das spreche für „die Urteilskraft und den Instinkt“ der Jury, die den Preis vergibt. Für die Entscheidung hätten die früheren Werke Webers, unter anderem „Ahnen“, den Ausschlag gegeben.

Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim: Aktiv bei Twitter und Youtube

Losse sitzt im ersten Stock der Alten Schule in Bergen, in der Marktstraße 30, in einem Büro mit großem Tisch und Pflanzen, mit Stühlen für Besprechungen und Schränken mit zahlreichen Ordnern. Der Geschäftsführer der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim organisiert kulturelle Veranstaltungen im Stadtteil - wie den Berger Markt mit Stadtschreiberfest und Lesungen in der Nikolauskapelle. Er verwaltet das Stadtschreiberarchiv, das alles zu den Preisträgerinnen und Preisträgern sammelt. Neun Büchnerpreisträger seien darunter, sagt er, und mit Hertha Müller eine Literaturnobelpreisträgerin.

Bei der Kulturgesellschaft habe er einen Twitter-Kanal eingerichtet und einen auf Youtube, sagt er. Für das Hölderlin-Jahr 2020 nahm er sich vor, Gesänge von Friedrich Hölderlin auswendig vorzutragen. Rund 20 Videos entstanden so beim Projekt „Hölder in Bergen“; sie werden auf Youtube veröffentlicht. „Gedichte sind meine große Leidenschaft“, sagt Losse, der selbst gelegentlich Lyrik schreibt.

Friedrich Hölderlin beschäftigte Losse schon, als er Lektor im Stroemfeld Verlag war, wo er zwölf Jahre lang arbeitete. Er lektorierte historisch-kritische Bände zu Hölderlin und zu Georg Trakl. Außerdem war er als Redakteur für die Zeitschrift „Psychoanalytische Theorie und Praxis“, die bei Stroemfeld erschien, und betreute herstellerisch Bücher von Peter Kurzeck, der 2000/2001 Stadtschreiber von Bergen war. Mit der Insolvenz des Verlags 2018 begann für Losse, der heute 46 Jahre alt ist, ein neuer Lebensabschnitt. „Die Arbeit im Verlag war meine geistige Heimat“, sagt er.

Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim: Besuch von Anne Weber

Losse lehrte als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Siegen. Er machte Schulpraktika zum Quereinstieg als Lehrer. Dann, im Herbst 2019, als er eine Veranstaltung zu Peter Kurzeck moderierte, traf er Ulrich Sonnenschein, der in der Jury des Stadtschreiberpreises ist. „Wir suchen jemanden“, habe Sonnenschein gesagt und ein Treffen mit Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese arrangiert.

Ab Frühjahr 2020 arbeitete Losse für einige Stunden in der Woche bei der Kulturgesellschaft („das war meine Probezeit“), bis er im November den Fünfjahresvertrag erhielt. So wurde der Lektor, Dichter und Redakteur zum Kulturmanager. „Ich möchte, dass die Kulturgesellschaft meine zweite geistige Heimat wird“, sagt er.

Für das Frühjahr plant Losse die „Poetologischen Gespräche“, an denen Marcel Beyer und Anja Kampmann, zwei frühere Stadtschreiber:innen, teilnehmen sollen. Für das Publikum sind Lesungen am Abend geplant. Um Literatur an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, bereite er die Reihe „Das Leben von Gedichten“ in Bergen-Enkheim vor.

Anne Weber wolle, sagt er, im Frühjahr nach Bergen kommen, falls die Pandemie es zulasse. Sie könne, wie alle amtierenden Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber, das Haus „An der Oberpforte 4“ bewohnen, ein Jahr lang, kostenfrei. Mit dem Stadtschreiberpreis gehe ein Preisgeld von 20 000 Euro einher.

Ein Vorzug des Preises sei, dass die Trägerinnen und Träger kaum Verpflichtungen hätten, nur müssten sie eine Antrittsrede mit Lesung und die Abschlussrede halten. Möglich seien zwei weitere Veranstaltungen im Jahr, was gerne genutzt werde. Zur Ausrichtung aller Veranstaltungen stelle der Ortsbeirat der Kulturgesellschaft rund 70 000 Euro im Jahr bereit. Auch wolle er die Bibliothek des Stadtschreiberhauses neu bestücken. „Da gab es in den vergangenen Jahren einen gewissen Schwund.“

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