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Kinderkunstnacht in der Schirn.

Schirn

Probestehen mit Giacometti

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Bei der Kunstnacht für Kinder will die Schirn Kindern ab vier Jahren Kunst durch Theater, Tanz und Basteln vermitteln. Die Pädagoginnen beziehen kleine und große Besucher mit ein.

Zwischen zwei Bronzestatuen des Bildhauers Alberto Giacometti sitzt Kunstpädagogin Ingrid Schlögl bei der „Kinderkunstnacht“ in der Schirn am frühen Samstagabend. Ihre Kollegin Irina Zikuschka läuft vor ihr auf und ab. Dann fordert Schlögl die Kollegin auf, verschiedene Sitz- und Stehhaltungen einzunehmen. Existenzielle Bewegungsabläufe, wie sie der Schweizer Künstler Giacometti mit seinen beiden Skulpturen „Femme Debout IV“ und „Homme qui marche“ aus dem Jahr 1960 darstellt. Die Werke werden in der Ausstellung „Giacometti – Nauman“ den Arbeiten des Multimediakünstlers Bruce Nauman gegenübergestellt.

Vor den beiden Pädagoginnen sitzen Mädchen und Jungen mit ihren Eltern auf dem Boden und schauen dem kleinen Theaterstück gespannt zu, in dem Schlögl eine Theaterregisseurin mimt, die ein Schauspiel-Casting mit Zikuschka inszeniert. Nein, was die vermeintliche Bewerberin da zeigt, damit ist Schlögl nicht zufrieden und schickt sie weg. „Könnt ihr auch stehen?“, fragt sie ihre Zuschauer, und alle stehen auf. „Mein Stück ist gerettet“, jubelt Schlögl.

Bei der Kunstnacht für junge Besucher, die zweimal jährlich stattfindet, will die Schirn Kindern ab vier Jahren Kunst vermitteln. An einer anderen Station pickt Schlögl kleine und große Zuschauer aus dem Publikum. Die Ausgewählten sollen einen Wald bilden. „Mama ist ein Baum“, entfährt es der fünfjährigen Ella lachend. Mutter Christina Fischer streckt mit den anderen Laiendarstellern die Arme wie wachsende Äste in die Luft. „Hier bekommen die Kinder Kunst gut nahegebracht“, urteilt Fischer nach ihrem kleinen Auftritt. Ellas neunjähriger Bruder Ben findet die Führung „lustig und sehr spannend“. Die drei sind aus Lich nach Frankfurt gekommen und zum ersten Mal in der Kunsthalle. Später wollen sie auch noch in die „Mini-Schirn“, in der weiterer Raum zum sinnlich erfahrbaren Kunsterlebnis ist.

Das gibt es an diesem Abend auch im ersten Stock des Foyers, wo es ähnlich wie in einer gut genutzten Werkstatt aussieht. Sand liegt auf dem Boden. Auf mehreren Tischen wird Gips angerührt. Überall stehen Plastiktöpfchen herum. Gespannt schaut der kleine Jakov zu, wie ihm Workshopleiterin Hanna Kemmerer flüssigen Gips in sein Töpfchen mit Sand füllt. Zuvor hat der Fünfjährige einen Abdruck seiner Faust im Sand hinterlassen. Wenn das gebrannte Mineral getrocknet ist, kann Jakov seinen Abdruck bemalen. „Hände und Köpfe haben auch Nauman und Giacometti in Gips gegossen“, verrät Schirn-Mitarbeiterin Kemmerer.

Während im Café junge Tänzer bei der Kinderdisco, teils mit ihren älteren Begleitern, zu Gangnam-Style und Michael Jackson schwofen oder sich auch mal auf den ausgelegten Teppichen wälzen, wird im Eingangsbereich der Schirn fleißig gebastelt.

Um acht große Tischen sitzen Kinder und ihre Eltern und biegen aus bunten, plüschummantelten Drähten ihre eigenen Kunstwerke. So auch die achtjährige Alba. „Ich mache einen Menschen“, sagt sie und zeigt ihre Figur. Am besten habe ihr heute das „Theater“ in der Giacometti-Nauman-Ausstellung gefallen, erzählt sie. Vielleicht hat sich das Mädchen, das am Dornbusch wohnt, davon bei ihrem Draht-Kunstwerk inspirieren lassen.

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