Künftig nicht mehr so häufig am Frankfurter Schreibtisch: Albert Speer.
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Künftig nicht mehr so häufig am Frankfurter Schreibtisch: Albert Speer.

Albert Speer

Generationswechsel im Büro Speer

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der renommierte Stadtplaner Albert Speer zieht sich aus der Führung des von ihm 1964 in Frankfurt gegründeten Architekturbüro AS+P zurück. Der 82-Jährige will aber „Impuls- und Ideengeber“ des Unternehmens bleiben.

Nun ist es also doch geschehen. Was eigentlich undenkbar schien. 52 Jahre nach der Gründung seines Architekturbüros, damals in bescheidenen Räumen in Frankfurt, zieht sich Albert Speer aus der Führung des von ihm geschaffenen Unternehmens zurück. Der 82-Jährige, vielleicht der renommierteste deutsche Stadtplaner der Nachkriegsgeschichte, ist seit Ende 2016 nicht mehr Geschäftsführer des Büros Albert Speer+Partner (AS+P). Er behält aber seine wirtschaftlichen Anteile.

Wer den umtriebigen Kosmopoliten seit Jahrzehnten kennt, kann einschätzen, wie schwer ihm dieser Schritt gefallen sein muss. Speers Rückzug ist Teil eines umfassenden „Generationswechsels“ an der Spitze von AS+P. Das Unternehmen in der alten Stempelfabrik, Hedderichstraße 108–110, gehört mit 170 Beschäftigten zu den größten deutschen Architektur- und Planungsbüros.

Mit Speer tritt auch Gerhard Brand ab, der seit mehr als 35 Jahren bei AS+P arbeitete und seit 1992 als Geschäftsführender Gesellschafter für den Architekturbereich des Unternehmens verantwortlich war. Er gibt auch seine wirtschaftlichen Anteile ab. Neu in die Geschäftsführung berufen wurde der 50-jährige Raum- und Umweltplaner Joachim Schares.

Ebenfalls neu als Geschäftsführender Gesellschafter ist Axel Bienhaus. In dieser Funktion bleibt aus der alten Führung nur der 57-jährige Friedbert Greif. Insgesamt sei das „eine gemeinschaftlich entschiedene Übergabe“, so die Darstellung des Büros.

Und was wird Albert Speer nun tun, der bisher rastlos Reisende zwischen Saudi-Arabien, der Volksrepublik China und New York?

„Ruhestand wäre eine Katastrophe“, hatte er bei unserem Treffen 2014 aus Anlass seines 80. Geburtstages gesagt. Speers Vorbild, der Architekt und frühere Hochschullehrer Martin Graßnick, hatte damals gerade seinen 97. Geburtstag gefeiert. Nun, am 5. Mai, steht der 100. Geburtstag von Graßnick an.

Impulsgeber bleibt Speer

Und Speer, der sich bei seinen Reisen schon „etwas zurückgenommen“ hat, so Unternehmenssprecherin Deus, soll „Impuls- und Ideengeber“ seines früheren Büros bleiben. Er werde nach wie vor öffentlich für AS+P in Erscheinung treten.

Tatsächlich ist das Planungsbüro längst über seinen Gründer hinausgewachsen. Und über Frankfurt und Deutschland.

Wirtschaftlich entscheidend sind lange schon die großen Aufträge aus dem Ausland, immer mehr aus dem asiatischen Raum, nicht nur aus der Volksrepublik China. Rund 60 Prozent der Aufträge kommen nicht mehr aus Deutschland, sondern aus dem Ausland. Damit ist das Frankfurter Büro durchaus typisch für die großen Architektur- und Planungsunternehmen in Deutschland.

Dazu gehört dann eben auch, dass Diktaturen wie China oder Saudi-Arabien zu den wichtigen Auftraggebern zählen. Speer hat das immer öffentlich verteidigt und das Engagement von AS+P dabei auch als Entwicklungshilfe in Sachen Demokratie charakterisiert.

Ruhestand? Zumindest wird dem 82-Jährigen jetzt mehr Zeit bleiben für das geliebte Haus in Murnau am bayerischen Riegsee, wo der Planer auch sein Boot liegen hat.

An der Hedderichstraße in Frankfurt zitiert das Planungsbüro, um den Generationswechsel zu begründen, seinen eigenen „Anspruch“. Der lautet: „Think ahead“.

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