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Flugbetrieb stark reduziert: Die Bienen bereiten sich aufs Überwintern vor. Den Honig brauchen sie dann zum Heizen.

Bienenfestival in Frankfurt

Imker treffen sich in Frankfurt

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Am Wochenende ist Bienenfestival in Frankfurt. Eine Gelegenheit für die wachsende Zahl der Hobbyimker, von den Fachleuten zu lernen.

Was fasziniert uns eigentlich so sehr an den Bienen? Warum lieben wir sie wie sonst keinen Sechsbeiner? Auf eine gewisse Phase des Abtastens in jungen Jahren (immerhin könnten sie stechen, wenn sie wollten!) folgt bei vielen die Faszination. Gerade in den Städten haben die Menschen vor einigen Jahren begonnen, Wohnraum für Bienen zu schaffen, in einem Ausmaß und mit einer Hingabe – davon können zweibeinige Wohnungssuchende nur träumen. 

„Bienen sind spannend“, sagt Sebastian Wernig. „Man sieht sie nicht immer, sie sind oft im Verborgenen. Es umweht sie etwas Geheimnisvolles.“ – „Der Wildnisbegriff schwingt da mit“, sagt Thorsten Herget. „Die Biene ist für viele Menschen auch ein Symbol für Wildnis.“ – „Und es ist schön für uns Menschen, das zu erleben“, sagt Manfred Wessel. „Faszinierend, sich das Treiben anzugucken, Bienen bei der Arbeit zu beobachten, stundenlang.“

Die drei müssen es wissen – sie bereiten gerade das vierte Frankfurter Bienenfestival vor. Herget und Wernig als Gründer der Festivalinitiative, Wessel als Gastgeber und Leiter des Botanischen Gartens, Schauplatz des Summ-Rummels an diesem Wochenende. 

„Die Beschäftigung mit Bienen entschleunigt“, sagt Herget. „Man muss sich drum kümmern“, sagt Wernig. Und es kommt noch ein nicht ganz unwichtiger Faktor hinzu: Ohne Bienen wäre die Welt, wie sie ist, gar nicht vorstellbar. Ob die Menschheit tatsächlich binnen vier Jahren erledigt wäre, wenn die Bienen als Bestäuber ausfielen, wie es Albert Einstein prophezeit haben soll – wer weiß. Besser, wir probieren es nicht aus. 

Leider steuert der Mensch jedoch geradewegs auf eine Situation zu, die den Bienenbestand arg bedroht. Wildpflanzenvernichter im Ackerbau etwa sind im wahrsten Sinne Gift für die Artenvielfalt, besonders für Wildbienen. Und der Klimawandel tut sein Übriges. „Die Hitze in diesem Sommer war purer Stress für die Bienen“, sagt Herget. „Wir haben beobachtet, wie ganze Batterien von Arbeiterinnen im Akkord fächelten“, sagt Wernig. Damit regulieren sie die Temperatur im Stock. „Wasserträgerinnen holten ununterbrochen Nachschub aus der Nidda.“

Davon wird beim Festival am Samstag viel die Rede sein, wenn sich voraussichtlich wieder mehr als 1000 Bienenfreunde im Botanischen Garten treffen: Was können wir tun, um den Völkern zu helfen? „Es wird die Aufgabe der Stadt sein, künftig Pflanzen bereitzustellen, die einen möglichst großen Blütezeitraum abdecken“, sagt Herget. Gartenchef Wessel sieht sich durchaus in der Pflicht – und kann auftrumpfen: „Wir haben unter anderem den Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch, der kommt aus China.“ Sein Vorteil: Er blüht im Frühsommer schon mal ein wenig und dann so richtig von August bis November, also deutlich später als andere Pflanzen. Das wird in der veränderten Klimalandschaft wichtig sein. 

Frankfurt, betonen die Fachleute, habe seit vielen Hundert Jahren seine Tradition der Bienenhaltung. Für Einsteiger sei aber eines unabdingbar: einen Imkerkurs zu absolvieren. „Du brauchst Grundlagen, eine qualitativ gute Ausbildung, sonst machst du nach spätestens zwei Jahren eine Bruchlandung“, warnt Thorsten Herget. „Du hast eine riesengroße Verantwortung“, pflichtet Sebastian Wernig bei. „Du musst wissen, was du da tust – nicht nur, weil du für bis zu 60 000 Bienen in einem einzigen Volk zu sorgen hast. Alle Bienenvölker im Umkreis sind betroffen, wenn mein Volk krank ist, weil es etwa Milben hat.“

Das hat sich offenbar herumgesprochen. Hunderte Bewerber stürmen regelmäßig die Anmeldelisten für Imkerkurse. Aber werden es dann nicht zu viele Völker mit der Zeit? Die Zahl der Bienenvölker habe sich nicht entscheidend verändert, sagt Rainer Vollweiter vom Frankfurter Umweltdezernat: „Früher hatte ein Imker durchaus 40, manchmal sogar 60 Völker“, vergleicht er, „heute gibt es viele Hobbyimker, die nur ein einziges betreuen.“ Ein Problem sei aber die Verdichtung, der Schwund an natürlichen Flächen, besonders für die Wildbienen, berichten die Experten. Zur Lindenblüte komme es auch immer wieder vor, dass Imker aus der Umgebung in Großstädte wie Berlin „einfallen“ und ihre Völker die Bäume „abgrasen lassen“, aber bisher eher nicht in Frankfurt. 

Beim Festival jedenfalls wird die Hatz auf den Honig eher eine untergeordnete Rolle spielen, da sind sich alle einig: „Bei uns steht ganz klar der Naturschutzgedanke im Zentrum.“ Die Liebe zur Biene eben. 

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