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Verkehrsstau an der Hansaallee wegen IAA-Protesten.

IAA Frankfurt

Al-Wazir fordert Mut in Rathäusern und Einsicht der Autobranche

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Hessens Verkehrsminister zeigt als Mitgastgeber des 17. Hessischen Mobilitätskongresses die Strategie auf, mit der Hessen „Vorreiter“ einer Verkehrswende werden soll.

Über was spricht ein grüner Minister auf einer Internationalen Automobilmesse IAA, gegen die am Wochenende Tausende protestierten? Über Fuß- und Radverkehr, denn der steht ja am Anfang jeder Wegekette, sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Über den dringend notwendigen Ausbau des Schienenverkehrs. Darüber dass 58 Prozent aller Wege in Hessen mit dem Auto zurückgelegt werden und dass die Fixierung auf ein einziges Verkehrsmittel nicht mehr zeitgemäß ist. Und er sagt, dass davon jener Individualverkehr profitiert, der unbedingt sein muss. Der Handwerker etwa könne sein Werkzeug nicht per Bahn transportieren. Auch die Landbevölkerung sei wohl weiter auf das Auto angewiesen.

Vorreiter bei Verkehrswende

In seiner Begrüßungsrede als Mit-Gastgeber des 17. Hessischen Mobilitätskongresses am Rande der IAA am Montag blättert der Grünen-Politiker die Strategie auf, mit der Hessen „Vorreiter“ einer Verkehrswende werden soll. Mehr Park-and-ride-Plätze an Bahnhöfen weit außerhalb der Stadt seien nötig, mehr Kreativität, Wille und auch mehr Mut in manchen Rathäusern. Wiesbaden hingegen zeige, wie ein drohendes Diesel-Fahrverbot abzuwenden sei, zum Beispiel mit der Umstellung der Busflotte auf Elektroantrieb.

Al-Wazir freut sich über die rund 20 000 Menschen, die am Samstag gegen den Autowahn in Frankfurt demonstrierten. Und betont zugleich, dass die Protestierenden bei weitem nicht die Mehrheit im Land seien. In den Messehallen hatten sich an jenem Tag dreimal so viele Besucher getummelt.

Mobilität sei Freiheit. Das sagt er zweimal in seiner Rede. Der „Umbau zu einem nachhaltigen Verkehrssystem“ soll nach seiner Vorstellung mit Hilfe einer „intelligenten Verknüpfung“ der Verkehrssysteme gelingen: Leihsysteme für elektrisch angetriebene Autos oder Räder an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Eine andere Organisation des Warenverkehrs. „Wir müssen die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr stärken.“ Jene Pendler von den Autobahnen holen, die sie jeden Morgen und Abend in der Rushhour verstopfen. „Es ist keine gute Idee, als einzelne Person jeden Tag ein bis zwei Tonnen Material durch die Gegend zu fahren.“

Nach Beobachtung des Ministers hat inzwischen auch in der Branche ein Umdenken eingesetzt, die für Hessen mit Opel in Rüsselsheim und VW in Baunatal zu den größten Arbeitgebern zählt. Unternehmen entwickelten Carsharingangebote und Mobilitätsapps. „Die Lösungen sind da.“ Sie müssten nur Realität werden. „Die spannende Frage ist, wann der Druck groß genug ist.“ Alternative Antriebe alleine lösten das Stauproblem nicht, das immer stärker dränge. Auch müsse sich endlich die Einsicht durchsetzen, dass die blaue Plakette nötig sei, um das verlorene Vertrauen in das Produkt Dieselauto wieder zurückzugewinnen. Al-Wazirs Prognose: „Die Automobilindustrie wird grüner werden oder bald nicht mehr sein.“

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