+
Bau einer S-Bahn-Station - hier in Frankfurt. Bei Projekten dieser Größenordnung wollen Betroffene mitreden.

Bundesverkehrswegeplan

Keine Großprojekte der Bahn ohne Bürgerbeteiligung

  • Michael Bayer
    vonMichael Bayer
    schließen

Gesetzgeber, Bahn und Betroffene sammeln im Kinzigtal und in Südhessen Erfahrungen damit, wie die Menschen vor Ort einbezogen werden können.

So sehr sich Bahnreisende über zusätzliche und schnellere Strecken freuen, so sehr ärgern sich oft jene Menschen darüber, die in der Nähe der Gleise leben. Sie befürchten Lärm, Erschütterungen und negative Auswirkungen auf die Natur.

Berechtigt sind die Interessen beider Seiten. In den vergangenen Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Großprojekte, wie sie jetzt in beachtlicher Zahl anstehen, nur im Dialog mit allen Beteiligten umzusetzen sind. Sonst bestünde die Gefahr, dass eine Klageflut den Start der Bauarbeiten um Jahre verzögert.

Gesetzgeber, Bahn und Betroffene sammeln im Kinzigtal und in Südhessen Erfahrungen mit einer solchen Bürgerbeteiligung. Dort sind im großen Stil Neubaustrecken geplant. Dialogforum nennt sich das zwischen Hanau und Fulda, Beteiligungsforum zwischen Frankfurt und Mannheim.

Bürgerbeteiligung

Weitere Informationen über das Pilotprojekt auf der Projektseite der Deutschen Bahn.

Die Idee dabei: Alle Interessengruppen der Regionen sollen sich mit der Bahn zusammensetzen. Dazu zählen neben Kommunen, Landkreisen, Behörden und Ministerien auch Bürgerinitiativen, Umwelt- und Fahrgastverbände oder Kammern.

Die Foren vergleichen vorgeschlagene Routen. Sie betrachten technische, verkehrliche und wirtschaftliche Aspekte genauso wie umweltfachliche. Die bisherigen Abwägungen zeigen: Das Verfahren ist gründlich und nachvollziehbar; das faktische Ergebnis inhaltlich kaum angreifbar.

Dazulernen müssen dabei alle Seiten. Das zeigte sich in Südhessen, wo sich Politik und Initiativen schon vor den Foren auf eine Konsenstrasse festgelegt hatten. Das passte dann nicht zur Idee, abschnittsweise die jeweils ideale Route abzuwägen.

Erst als Südhessen signalisierte, auch mit alternativen Lösungen einverstanden zu sein, die die gleichen Ziele erfüllen, gab es Bewegung. Ergebnis war ein zehn Kilometer langer Tunnel von Lorsch bis Mannheim, mit dem in der jahrzehntelangen Debatte vorher niemand gerechnet hatte.

Bundesverkehrswegeplan 2030: Wichtige Großprojekte in Süddeutschland

Mehr Tempo, neue Trassen, bessere Taktung: Im Süden Deutschlands nimmt die Bahn in den kommenden Jahrzehnten eine ganze Reihe von Projekte in Angriff. Im Einzelnen sind das:

  • Aus- und Neubaustrecke Hanau - Fulda
  • Fernbahntunnel Frankfurt und die Projekte unter dem Titel „Frankfurt Rhein/Main plus“ 
  • Neubaustrecke Frankfurt - Mannheim
  • Umbau des Knoten Stuttgarts (Stuttgart 21) samt der zugehörige Ausfahrt bis Wendlingen in Richtung Ulm
  • Neubaustrecke Wendlingen - Ulm
  • Ausbau Ulm - Augsburg
  • Ausbau München - Berlin
  • Aus- und Neubau Karlsruhe - Basel

Die Frankfurter Rundschau stellt sämtliche Großprojekte als Faktensammlung vor und verweist auf weitere Informationen.

Deutschlandtakt - Frankfurt liegt mittendrin

Frankfurt liegt zentral im Herzen des Fernverkehrsnetzes der Deutschen Bahn. Alleine zwischen Frankfurt und Mannheim treffen sich ICE, die nach Köln, Hamburg, Berlin, München, Basel und Paris fahren. Auch der internationale Güterverkehr zwischen Mittelmeer und Nordsee muss hier durch. Wenn sich also rund um Frankfurt etwas verbessern lässt, wirkt das in alle Himmelsrichtungen. Die Planer des Deutschlandtakts ziehen die Konsequenzen daraus. 

So könnte der Fahrplan von 2030 aussehen

Wie könnte die Abfahrstafel für den Frankfurt Hauptbahnhof im Jahr 2030 konkret aussehen? Der Hamburger Bahnfan Marcus Granert zeigt das mit seinem Privatprojekt Fernbahn.de, wo er seit dem Jahr 2008 Daten zum Zugverkehr archiviert und frei verfügbar macht. Enthalten ist auch der komplette künftige Regionalverkehr.

Eine Recherche nach bestimmten Verbindungen  ist ebenfalls möglich.

Die Daten sind keine endgültigen Fahrzeiten. Sie basieren auf einem aktuellen Gutachten zum Deutschlandtakt. Ein finaler Gutachterentwurf wird für Anfang nächsten Jahres erwartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare