Der Schwanheimer Hochsitz ist einer von 42 sabotierten Hochsitzen im Stadtwald.  
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Der Schwanheimer Hochsitz ist einer von 42 sabotierten Hochsitzen im Stadtwald.  

Tierschützer

Aktivisten zerstören Hochsitze

  • vonHolger Vonhof
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Tierretter wollen die Jagd im Frankfurter Stadtwald verhindern. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Am Hochsitz auf der kleinen Lichtung unweit der Langschneise im Schwanheimer Wald sind alle vier Holzpfosten durchgesägt; das Holzgestell liegt im Gras. Auf den Brettern haben Unbekannte mit einer Spraydose das Signet ALF hinterlassen. Die Buchstaben-Kombination steht für die „Animal Liberation Front“, zu deutsch „Tierbefreiungsfront“.

Bei der ALF handelt es sich um eine dezentrale organisierte, militante Gruppe der Tierbefreiungsbewegung. In den USA wird sie von der zentralen Sicherheitsbehörde FBI als terroristische Vereinigung klassifiziert. Ziel der ALF ist es, Tierversuche und die Tötung von Tieren zu verhindern. Dies geschieht durch Tierbefreiungen sowie Anschläge auf Laboratorien und Tierfarmen. Zum Spektrum gehört auch das Um- oder Ansägen von Hochsitzen, wie sie im Wald von Jägern genutzt werden, auch von den städtischen Förstern: 42 sollen es im Frankfurter Stadtwald inzwischen sein; einige wurden angezündet.

Der Stadtwald ist ein kommunaler Wald; die Förster dort gehören zur Abteilung Stadtforst und sind dem Grünflächenamt zugeordnet. Seit Jahren kämpfen sie im großen Waldgebiet im Süden der Stadt mit einer Wildschwein-Überpopulation.

Der Stadtwald

3866 Hektar des Stadtwaldes liegen innerhalb der Stadtgrenzen; etwa 14 Prozent von Frankfurt sind Wald.

Südlich des Mains ist der größte Abschnitt zu finden, dazu kommen kleinere Waldgebiete, wie der Niedwald im Westen, der Biegwald zwischen Rödelheim und Bockenheim, das Ginnheimer sowie Praunheimer Wäldchen im Niddapark, östlich des Zentrums der Riederwald, der Enkheimer Wald, der Fechenheimer Wald, und im Norden der Nieder-Erlenbacher und -Eschbacher Wald. hv

Die Tiere dringen in die waldnahen Stadtteile ein, pflügen auf der Suche nach Engerlingen Rasen- und Parkflächen um und laufen in den frühen Morgenstunden oder in der Nacht Hunderte Meter vom Waldrand entfernt durch die Straßen, was wiederum Passanten vor allem in Schwanheim und Goldstein verängstigt.

Der Stadtwald wird vorrangig für Freizeit und Erholung besucht; die forstwirtschaftliche Nutzung, die Holzernte, steht dahinter zurück, zumal bei den derzeitigen Trockenschäden. Seit Jahren werden verstärkt Wildschweine im Stadtwald bejagt, um die Überpopulation in den Griff zu bekommen – zum Teil von neu errichteten Ansitzen direkt am Rand der Bebauung aus, zum Teil mit Drückjagden, für die nicht selten auch die Schwanheimer Bahnstraße stundenweise gesperrt wird.

Die Zerstörung der Hochsitze richtet sich gegen die Jagden. Spaziergänger haben den Stadtverordneten Bernhard Ochs (Die Frankfurter) darauf aufmerksam gemacht. Er hat dem Magistrat eine Anfrage zukommen lassen und fordert Prävention.

„Die Ermittlungen werden bei der Kriminalpolizei geführt und laufen noch“, sagt Manuel Lubos, Sprecher der Frankfurter Polizei. Wegen der laufenden Ermittlungen gibt das Frankfurter Grünflächenamt, zu dem die Abteilung Stadtforst gehört, keinen Kommentar ab – auch nicht zum Umfang der Zerstörungen. Allerdings sagt Polizeisprecher Lubos: „Die Zahl von aktuell 42 Hochsitzen können wir bestätigen.“

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