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Mehr Bäume zu pflanzen, gehört für die Initiative um Anne Rave zu ihren Projekten für einen klimafreundlichen Stadtteil.

Riedberg

Aktiv gegen die Klimakrise

  • vonJonas Wagner
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Eine Riedberger Bürgerinitiative möchte ihren Stadtteil bis in zehn Jahren CO2-neutral machen.

Veränderung beginnt häufig im Kleinen – zum Beispiel im Frankfurter Ortsteil Riedberg. Dieser soll bis 2030 klimaneutral sein, also unterm Strich rechnerisch kein CO2 verbrauchen. Das zumindest ist das erklärte Ziel der Anfang des Jahres gegründeten Klimaschutz-Initiative Riedberg (KIR), in der sich mehrere Anwohner des Stadtteils zusammengeschlossen haben. Dass das durchaus ambitioniert ist, ist KIR-Mitgründerin Anne Rave bewusst. Im Gespräch mit der FR sagt sie: „Es ist nicht vage, denn wir müssen jetzt konkret werden.“

Im Fall der KIR heißt das vor allem: informieren, netzwerken, das Gespräch suchen – aber auch selbst anpacken. „Damit man weiß, wohin man will, was die großen Stellschrauben sind und was man als einzelner Bürger machen kann“, führt Rave aus. Um zielgerichteter gegen die Klimakrise vorzugehen, haben die Klimaschützer der KIR eine Website mit Tipps und Informationen eingerichtet. Dort erfährt man etwa, wo es in Frankfurt Unverpackt-Läden gibt, wie der Riedberg an das Fahrradwegenetz angebunden ist und welchen Nutzen Insektenhotels bringen. „Wir hatten eine recht große Resonanz“, berichtet Rave. „Viele Leute kamen auch mit eigenen Ideen auf uns zu.“

Neben den Tipps auf der Website versuchen die Klimaschützer, ihren Stadtteil mit Hilfe vielfältiger Projekte klimafreundlicher zu gestalten. So sammeln sie etwa Müll, bepflanzen öffentliche Flächen mit Wildpflanzen und pflegen die Bäume vor Ort. Diese seien als CO2-Speicher enorm wichtig, erläutert Rave. Deswegen hat die KIR der Stadt Standortvorschläge für die Pflanzung weiterer Bäume und Sträucher geschickt. Und mit dem Projekt „Baumstimmen“ sollen vor allem Kinder durch kleine Infoschilder mehr über die Gewächse lernen.

Das Bündnis

Die Klimaschutz-Initiative Riedberg existiert seit Anfang 2020. In den fünf Handlungsfeldern Energieversorgung, Mobilität, Gebäude, Konsum und Ernährung sowie Freiflächen und Begrünung wollen die engagierten Anwohner ansetzen, um ihren Stadtteil bis 2030 CO2-neutral zu machen.

Mit Workshops und Veranstaltungen will das Bündnis über den Klimawandel informieren und lokale Maßnahmen anstoßen. Dafür arbeitet es unter anderem mit dem Centre for Dialogue (Campus Riedberg) und der IG Riedberg zusammen und steht im Austausch mit den Scientists for Future.

Weitere Informationen , auch zu den Stammtischen, gibt es online auf der Internetseite: www.klimaschutz-initiative-riedberg.de

Zudem erklärt Rave: „Wir möchten die Bürger auffordern, über Solarpanele auf ihrem Dach nachzudenken, denn das ist ein wichtiger Baustein für die CO2-Bilanz.“ Das Ziel ist, zwischen Juni und Dezember 2020 zehn Familien auf dem Riedberg von der Installation einer eigenen Solaranlage zu überzeugen. Die von der KIR dafür ausgerufene „Solarchallenge“ trägt bereits erste Früchte – der Solar-Neubauticker auf der Website zeigt schon fünf neu installierte Anlagen, die durch Sonnenlicht Strom erzeugen. Um weitere Maßnahmen anstoßen zu können, will die KIR unter anderem mit einer repräsentativen Studie ermitteln, wodurch wie viel CO2 auf dem Riedberg ausgestoßen wird. „Das CO2- Klimabarometer ist unser Kernprojekt“, sagt Rave.

Sie selbst ist durch einen Vortrag über den Klimawandel von Joachim Curtius, Professor für Experimentelle Atmosphärenforschung an der Frankfurter Goethe-Universität, zur Aktivistin geworden: „Das war für mich persönlich ein Weckruf, da habe ich gemerkt: Ich muss etwas tun.“ Rave war nicht die Einzige: Über eine Facebookgruppe zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie „einige zufällige persönliche Kontakte“ fanden mehrere Riedberger zusammen und riefen die KIR ins Leben. „Wenn wir uns engagieren und konstruktiv etwas einbringen, kriegen wir Gehör“, erläutert Rave. Das habe man schon vor der Gründung gemerkt, etwa beim Erhalt der Kita Sonnenwind, bei dem bürgerschaftliches Engagement eine große Rolle spielte. Und auch das positive Echo, auf das sie in Gesprächen mit den Ortsbeiratsfraktionen gestoßen seien, habe Mut gemacht, so Rave.

Inzwischen besteht das KIR-Kernteam aus sieben Leuten, die sich in der Regel wöchentlich treffen. Insgesamt, erklärt die Aktivistin, seien etwa 15 Leute in der KIR aktiv – und aktuell sei man dabei, einen Verein zu gründen. Neben den Projekten veranstaltet die Initiative regelmäßig einen Stammtisch, bei dem interessierte Bürger ins Gespräch kommen sollen. „Wir möchten offen sein und neben dem Klimaschutz auch das gemeinschaftliche Engagement weiter fördern.“

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