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Auch im Dienstleistungszentrum im Gallus müssen Commerzbank-Mitarbeiter um ihre Jobs bangen.

Commerzbank in Frankfurt

Die Angst geht um

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Die Commerzbank will 9600 Arbeitsplätze streichen. Die Commerzbank-Mitarbeiter hoffen auf schnelle Details zu den geplanten Entlassungen.

Die Angst um den Arbeitsplatz macht nicht gerade gesprächig. Zumindest nicht die Mitarbeiter der Commerzbank. Vor dem Dienstleistungszentrum der Commerzbank an der Mainzer Landstraße stehen die Bankmitarbeiter am Freitag in kleinen Grüppchen zusammen und rauchen, wie sie das in jeder Mittagspause machen. Doch die Stimmung auf der Kuhwiese, wie der Platz wegen einiger Skulpturen intern heißt, ist seit ein paar Tagen deutlich schlechter – genauer gesagt, seit der Vorstand der Commerzbank vergangene Woche einen deutlichen Stellenabbau angekündigt hat.

9600 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Wer genau betroffen ist, sollen die Mitarbeiter aber erst im kommenden März erfahren. Bis dahin geht die Angst um und macht die Mitarbeiter vorsichtig. „Wir stehen nicht zur Verfügung“, „ich sage lieber nichts“ oder „das werden wir dann sehen“, heißt es aus den Rauchertrauben. Ein Kollege der IT-Abteilung ist gesprächiger. „Es ist traurig, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird.“ Am Morgen haben sie in Telefonkonferenzen erfahren, wie der Stellenabbau in ihrer Abteilung aussehen soll. Allein in der IT sollen bis 2020 in fünf Wellen 790 Stellen wegfallen. Die Mitarbeiter sollen zunächst in eine andere Gesellschaft überführt werden. „Mir wird nicht mehr viel passieren, aber für unsere jungen Leute ist es traurig“, sagt der 54-Jährige und zuckt mit den Schultern.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Commerzbank haben sich gestern in einem offenen Brief an den Vorstand gewandt. „Der Umfang der personellen Auswirkungen und des Personalabbaus sind aufgrund der vorgelegten Unterlagen und den geführten Diskussionen nicht nachvollziehbar“, heißt es darin. Die Arbeitnehmervertreter fordern den Vorstand daher auf, gegenüber der Belegschaft „eine sinnstiftende und belastbare Erklärung zu sozialverträglichem Umgang und Vorgehensweise abzugeben“.

Aktienkurs unter Druck

Zuvor hatte der Vorstand Betriebsrat und Aufsichtsrat über den geplanten Stellenabbau informiert. Mark Roach, im Aufsichtsrat der Commerzbank und Gewerkschaftssekretär bei Verdi, war von dem Vortrag nicht sehr begeistert: „Das war mehr als enttäuschend, wir hatten auf ein paar mehr Details gehofft.“ So würden die Beschäftigten bis zum kommenden März, wenn ein Sozialplan verhandelt werden soll, im Ungewissen gelassen und Ängste geschürt. Die immense Zahl von 9600 hält Roach für geschätzt. Die Rechnung, wonach „nur“ 7300 Stellen abgebaut werden, weil ja auch 2300 neue geschaffen werden, lässt Roach ohnehin nicht gelten. „Die Stellen werden in Tochtergesellschaften oder in Polen zu etwa Zweidrittel des Lohns geschaffen, das kann man nicht so einfach gegenrechnen“. Der Zeitpunkt für die Verkündung des massiven Personalabbaus hat Roach hingegen nicht überrascht: „Der Vorstand will positive Nachrichten für die Kapitalmärkte generieren.“ Der Aktienkurs der Commerzbank war zuletzt wieder gehörig unter Druck geraten.

Dabei sind die Arbeitnehmer mit der strategischen Neuausrichtung der mitarbeiterstärksten Frankfurter Bank grundsätzlich einverstanden. „Die Strategie, das Privatkunden- und das Firmenkundengeschäft als Kerngeschäft der Bank zu definieren, auszubauen und zu stärken, tragen wir mit“, heißt es in der Stellungsnahme der Arbeitnehmervertreter von gestern. Bis 2020 will die Commerzbank zwei Millionen neue Kunden im Privatkundengeschäft generieren. Zudem soll die ohnehin nicht aufzuhaltende Digitalisierung forciert werden. Der Vorstand sprach in diesem Zusammenhang von einem Digital Campus, einer Ideenschmiede. Dahinter verbirgt sich eine flexiblere Herangehensweise bei der Neuentwicklung von Software. Die Projekte werden in kleinere Gruppen und Arbeitsschritte verteilt, um bei Problemen schneller gegensteuern zu können. Bei klassischen Softwareentwicklern ist diese Arbeitsweise schon gebräuchlich.

„Dass ein Mit- und Vorangehen in der Digitalisierung erforderlich ist, ist nicht von der Hand zu weisen“, heißt es im Papier der Arbeitnehmervertreter. Nur über die Art und Weise sind sich Arbeitgeber und Beschäftigte nicht einig. Bis mindestens kommenden März wird die Stimmung an den Standorten der Commerzbank in Frankfurt noch ziemlich gedrückt sein.

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