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Die Goldhalle erinnert heute noch an die historische Bedeutung des hr-Funkhauses.

Ferien zu Hause

On Air, wo mal Politiker debattieren sollten

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Bei einer Führung durch die Frankfurter Fernseh- und Radio-Studios des Hessischen Rundfunks erfahren die Besucher viele interessante Details aus dem Sendealltag. 

Leise hallen die Worte nach, die Alexander Kunzel an die Menschentraube vor ihm richtet. Die ausladende Architektur verleiht seinen Worten Nachdruck, fast schon erhaben klingen sie – passend zu dem, was der HR-Mitarbeiter verlauten lässt: „Beinahe wäre hier der deutsche Bundestag eingezogen.“ Gut vorstellbar, bei den goldenen Säulen und der ausladenden Architektur, mit denen zumindest das Foyer des Hessischen Rundfunkgebäudes imponiert. Die Besucher staunen jedenfalls nicht schlecht bei dem, was sie zu hören und zu sehen bekommen bei ihrer Tour mit Alexander Kunzel durch den Hessischen Rundfunk.

Bekanntermaßen zog der Bundestag dann aber doch nicht an den Frankfurter Dornbusch, wo der Hessische Rundfunk heute seinen Hauptsitz hat. Die Stadt habe das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch für den Fall erbauen lassen, dass Frankfurt die neue Bundeshauptstadt würde, erklärt Kunzel. Das heutige Foyer, die so genannte „Goldhalle“, sollte eigentlich der Vorraum des Plenarsaals sin. Weil die Geschichte aber anders verlief, wird am Dornbusch seit Anfang der 1950er Jahre Radio und Fernsehen statt Politik gemacht.

Mittendrin im Studiobetrieb 

Und wie das abläuft, erfahren die Besucher bei ihrer Tour durch die HR-Studios, die einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen der Radio- und Fernsehproduktion gewährt. Hier erfahren sie, warum die Green Screens eigentlich grün sind, wie viele Scheinwerfer in den Fernsehstudios unter der Decke hängen und wer im Radio eigentlich die Musik bestimmt.

In Fernsehstudio 2 trifft die Gruppe auf die Vorbereitungen von „Hallo Hessen“. Schon auf dem Weg ins Studio kommt Moderator Jens Kölker der Besuchergruppe entgegen. Drinnen stehen die Redaktionsmitglieder am Set um einen Tisch herum und besprechen gemeinsam den Verlauf der Nachmittagssendung. Von der Besuchergruppe etwas Abseits lassen sie sich nicht stören – wo die Bildregie sitzt und wie der Teleprompter funktioniert, wissen die Fernsehmacher ja ohnehin schon, für die Besucher ist dafür umso spannender, was ihnen Alexander Kunzel erzählt. 

Brennpunkt-Kulisse steht immer bereit

Der Guide deutet auf ein Stofftuch, unter dem sich eine Bühnenkulisse erahnen lässt. „Die Brennpunkt-Kulisse steht hier im Studio immer bereit“, erklärt er. Der ARD-Brennpunkt berichte in besonderen Fällen über aktuelle Ereignisse, wenn das Informationsinteresse des Publikums nicht in der Tagesschau zu decken ist. Wenn es in Hessen also „brennt“, muss der HR umgehend drehen können. „Im Notfall haben wir keine Zeit, die Kulisse erst aus dem Lager zu holen“, sagt Kunzel.

In Studio 2 erklärt Gästeführer Kunzel den Besuchern das Set.

Im Nachbarstudio , dem größten Fernsehstudio des HR, ist das orange beleuchtete Set der Quizsendung „Dings vom Dach“ bereits fertig aufgebaut. Auf einer runden Bühne in der Mitte sind die Stehtische für den Moderator und die prominenten Kandidaten in Szene gesetzt. Von oben sind zahlreiche Scheinwerfer auf die Bühne gerichtet. Rund herum warten die Publikumstribünen auf Zuschauer, die hier zur Aufzeichnung Platz nehmen werden.

Sendungen am laufenden Band  

„Der Umbau der Kulisse kann einige Tage dauern“, erklärt der Tour-Guide. Deshalb werden an einem Set gleich mehrere Wochen lang 25 bis 30 Sendungen vorgedreht. „Es wird eine Folge gedreht, das Publikum verlässt den Sendesaal, der Moderator zieht sich um, und dann kommt das nächste Publikum rein und das Spiel geht von vorne los“, beschreibt Kunzel den Drehprozess. Auch die Quizshows „Strassenstars“, „Wer weiß es?“ und „Das große Hessenquiz“ werden auf diese Art in Studio 1 produziert. Im Fernsehen werden die Sendungen aber meist erst sechs bis neun Monate später ausgestrahlt.

Auch durch die verschiedenen Radiostudios führt der Rundgang durch das Funkhaus. Bei HR1-Moderatorin Marion Kuchenny darf sich die Besuchergruppe mit ins Studio stellen und aus der Nähe miterleben, wie Radio gemacht wird. Pünktlich zur Sendung „HR1 am Mittag“ betritt die Gruppe das Studio. Hinter einem Bildschirm, vor zwei Mikros steht Kuchenny und kündigt gerade das nächste Lied an. „Ich fahre meine Sendung selber“, erklärt die Moderatorin der Gruppe, als die Musik im Radio an und die Mikros vor ihr aus sind. In ihrem Studio, hinter ihrem Bildschirm, sei sie weitestgehend autark.. Hier sei sie für Technik, Hörertelefon und manchmal auch fürs Schneiden selbst verantwortlich. 

Kuchenny spielt „Sexy Eis“

Neben der Besuchergruppe hat Kuchenny heute auch Jonas Schulte aus der Redaktion zu Gast. Mit Blick auf die Uhr setzen die beiden ihre Kopfhörer auf und Kuchenny drückt vor sich auf einige Knöpfe. Die Musik, die durch die Lautsprecher im Studio zu hören ist, verstummt und Kuchenny moderiert das Thema des Tages an: Es geht um den Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübke, wozu sich die Moderatorin mit dem Redakteur einige Minuten lang live on Air unterhält. Als das Gespräch zu Ende ist, schaltet die Radiofrau wieder zurück zur Musik und Schulte verlässt das Studio. Jetzt kann sie kurz durchatmen, einen Schluck Wasser trinken – und die neugierigen Fragen der Besucher beantworten.

Aber auch die Mails muss sie im Blick haben, wie etwa die eines Zuhörers: Er sitze bei 30 Grad mit seinen Kollegen zusammen und wolle sich zur Abkühlung gerne den Track „Sexy Eis“ wünschen, ließt die Moderatorin zur Erheiterung der Besucher vor. Den Wunsch kann ihm Kuchenny nicht abschlagen. Nach dem nächsten Lied sendet sie Grüße an die Hörergruppe raus und das Lied von Bürger Lars Dietrich ertönt durch die Lautsprecher.

Den Besuchern wird es noch eine Weile im Ohr bleiben – und der Tag im HR wohl noch lange im Gedächtnis, sodass sie den HR nun mit ganz anderen Augen sehen – und hören.

Verlosung

Die FR verlost eine Führung durch den Hessischen Rundfunk am Montag, 29. Juli, für 10 x 2 Personen. Treffpunkt ist an der Hauptpforte im HR-Gebäude am Dornbusch, Bertramstraße 8 in Frankfurt. Wer gewinnen möchte, registriert sich bis Montag, 22. Juli, 10 Uhr, online unter https://fr.de/gewinnspiel.

Das Losungswort lautet „HR“. Das Los entscheidet, nur die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wer nicht gewinnt, kann sich in eigener Regie beim HR für eine Führung anmelden. Weitere Infos unter

www.hr.de/ services/fuehrungen-im-hr/fuehrungen-im-hr,fuehrungen-im-hr-102.html.

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