+
Aids-Forscherin Eilke Brigitte Helm erforscht die Todesursachen von Aids-Patienten. (Archivbild)

Aids-Forscherin Eilke Brigitte Helm

Aids - „eine Infektionskrankheit wie andere“

  • schließen

1982 stellt Eilke Brigitte Helm erstmals in Deutschland die Diagnose Aids und behandelt den ersten Patienten im Land mit der Immunschwächekrankheit. Noch heute sammelt die Forscherin Daten über Erkrankungen, Lebensdauer und Todesfälle - und widerlegt Irrtümer.

Wer bei ihrem Namen nur an die Aids-Forschung denkt, sollte einmal die Vanillekipferl von Eilke Brigitte Helm probieren. Um 6 Uhr ist die Professorin an diesem Morgen aufgestanden, um sie zu backen und mit ins Haus 33 des Universitätsklinikums zu nehmen. Sie deutet auf die kleinen schwarzen Punkte im Gebäck: „Das ist die Bourbon-Vanille“, sagt die 79-Jährige. „Ich habe Massen davon. Alle wollen sie haben.“

Vor dem Schreibtisch in ihrem winzigen Büro stehen zwei Stühle: Einer für sie, auf dem anderen sitzen die Doktoranden, die Helm betreut: Wenn die alle Fakten zusammengetragen haben, muss die Doktorarbeit ja auch geschrieben werden. Und damit hätten viele Schwierigkeiten, erzählt die Professorin. 1982 hat sie zusammen mit dem verstorbenen Infektiologen Wolfgang Stille erstmals in Deutschland die Diagnose Aids gestellt und den Patienten, der rasch an Tuberkulose starb, behandelt.

Lesen Sie auch: HIV und Aids - was Sie zum Thema wissen müssen

Noch heute erforscht Helm die Todesursache von Aids-Patienten. „Es sterben sehr viele an Krebs“, vor allem an Lungenkrebs, sagt sie und bedauert, dass man bei der Behandlung nicht auf die Rauchgewohnheiten der Patienten geachtet habe. Helm sammelt Daten über Todesfälle, Erkrankungen und Lebensdauer. Früher hieß es, Frauen, die sich mit HIV infizieren, würden früher sterben als die Männer. „Das sind so die Sachen, die dahingeplappert werden.“ Die Wissenschaftlerin kann belegen: „Das stimmt nicht.“

Ängste ausgelöst

Für Helm ist Aids „eine Infektionskrankheit wie andere auch.“ Dass die Immunschwächekrankheit vor allem in den ersten Jahren große Ängste in der Bevölkerung ausgelöst hat, habe etwas „mit dem Lebensstil“ der Patienten, zumeist schwule Männer und Drogenabhängige, zu tun. Noch heute würden mit HIV-infizierte Menschen diskriminiert, „aber nicht hier in Frankfurt“.

Die Professorin bestätigt, dass die Krankheit viel von ihrem Schrecken verloren hat – was zur Folge habe, dass „die Leute nicht mehr aufpassen“. Die Medikamente, die es gebe, seien „keine Hustenbonbons“ und „sauteuer“. In Deutschland kostet die Behandlung 1000 bis 1500 Euro im Monat. In armen Ländern – wie den afrikanischen – seien die Medikamente bei Weitem billiger, so dass inzwischen die meisten Menschen Zugang zu einer Therapie hätten.

Sie selbst habe bei ihren vielen Kontakten mit Patienten niemals Angst gehabt, sich anzustecken. Offensichtlich hält sie die Krankheit immer noch im Bann – denn mit dem Aufhören ist das so eine Sache. Offiziell ausgestiegen ist sie 2003, dann hat sie sich an ehemalige Doktoranden gewandt und bis vor wenigen Monaten in einer Praxis mitgearbeitet. Ihr Engagement für die Patienten schließt andere Interessen nicht aus: Die große Politik treibt sie ebenso um wie die vor ihrer Haustür in Niederrad, neben der Rennbahn.

Die dort vom Deutschen Fußballbund geplante Akademie sei „eine Frechheit“, „völlig überflüssig“ zudem. Was ihr wichtig ist im Leben: dass es keine Kriege gibt und dass es „den Leuten, die ich mag, gut geht“. Die Vanillekipferl tragen eindeutig dazu bei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare