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Afrika-Kulturfest vor dem Aus

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Von politischen Träumen und den finanziellen Sorgen in der Realität.

Im Rebstockpark geht es an diesem Wochenende um viel mehr als afrikanisches Essen mit passender Musik und buntem Basar. Es geht um die Sichtbarkeit und die Selbstbestimmung afrikanischer Menschen in Deutschland.

Backstage erklärt Manga Diagne die Idee hinter dem Fest. Es ist sirrend heiß, vorne läuft der Soundcheck. „Wir wollen Leute politisch und kulturell zusammenbringen.“ Vor 20 Jahren ist Diagne aus Senegal nach Deutschland gekommen. Seit 14 Jahren veranstaltet er zusammen mit anderen vom Verein „Afrika Kulturprojekte“ das Kulturfest.

Doch nun steht das Aus bevor. „Es kommen so viele Leute, dass Auflagen und Logistik immer teurer werden“, erklärt Diagne. Da sei es mit einem Unkostenbeitrag von fünf bis zehn Euro nicht mehr getan. Diagne betont, dass das Fest neben Ibis-Hotel, Fraport, der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, dem Kulturamt und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst dringend weitere Sponsoren und die Unterstützung der Stadt brauche: „Sonst haben wir keine Chance.“

Inhaltlich läuft es gut. „Die Mehrheit der Besucher sind gar keine Afrikaner“, sagt Diagne zufrieden. Das ist in seinem Sinne. Er glaubt nicht an Rassismus. Er ist überzeugt, dass sich schwarze und weiße Menschen begegnen und kennenlernen müssen, um Vorurteile zu überwinden.

Es geht um Kultur und Politik

Das ist wichtig. Doch im Leben schwarzer Menschen geht es nicht nur um ihr Verhältnis zu weißen. Es geht um Kultur – also doch Essen, Musik, Kunst, Kleidung. Und es geht um Politik. So steht das Afrikanische Kulturfest in diesem Jahr im Zeichen des Panafrikanismus. Vor 100 Jahren fand in Paris der erste Panafrikanische Kongress statt. Seither wird unter dem Begriff Panafrikanismus in vielfältiger Weise verhandelt, wie sich Afrika angesichts der bis heute andauernden Auswirkungen von Sklavenhandel und Kolonialismus politisch vereinen kann. Selbstbestimmung ist dabei zentral. „Wir glauben, dass Afrika nur von den Afrikanern gerettet werden kann“, sagt Diagne.

Der Lärm des Soundchecks verstummt, eine Podiumsdiskussion über diese große Frage beginnt. Insbesondere geht es um die Rolle der Diaspora, also der Menschen afrikanischer Herkunft, die nicht auf dem afrikanischen Kontinent leben. „Die Afrikaner in der Diaspora müssen sich zusammentun und denen auf dem Kontinent sagen: Ihr habt genug gebettelt“, fordert Gastredner Solomon Salifu Tampuri von der Panafrikanischen Föderalistischen Bewegung aus London. In der Bewegung schließen sich panafrikanische Komitees international zusammen. Am Sonntag gründet sich im Rebstockpark ein deutsches Komitee.

Das Afrikanische Kulturfest ist ein Ort der Begegnung zwischen Schwarz und Weiß. Hier können Besucher afrikanisches Essen kennenlernen oder ihre Lieblingsgerichte aus allen Ecken des großen Kontinents genießen.

Internationale Künstler wie Etana und Mal Évé stehen auf der Bühne. Und hier wird Politik von Schwarzen für Schwarze gemacht. Seit 14 Jahren kommen mehrere Tausend Besucher hierher, in diesem Jahr knapp 9000. Zum größten Teil sind es Familien. Deshalb will Veranstalter Diagne nicht, dass das Fest kommerziell wird. Es soll für alle bezahlbar sein.

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