Frankfurt

Ärzte in Frankfurt wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

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Falsche Diagnose nach Pilzvergiftung kostete sechsjähriges Mädchen das Leben

Nach falschen Diagnosen im Zusammenhang mit einer Pilzvergiftung müssen sich zwei Frankfurter Ärzte demnächst wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen 52 Jahre alten Hausarzt und eine 45 Jahre alte Fachärztin für Anästhesie. Sie hatten die Pilzvergiftung eines Vaters und seiner drei Kinder unterschätzt.

Der 49-Jährige war im August 2017 bei einer Hausarztpraxis gemeinsam mit seinen drei Töchtern im Alter von zwölf, zehn und fünf Jahren vorstellig geworden und hatte geklagt, sie litten unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, nachdem sie am Vortag selbst gesammelte Pilze gegessen hätten. Ohne eine körperliche Untersuchung durchzuführen, soll der Allgemeinmediziner eine Pilzvergiftung diagnostiziert sowie Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen verschrieben haben und empfahl zum Abschluss, viel Wasser zu trinken.

Da sich der Zustand nicht besserte, suchte der Vater mit seinen drei Kindern noch am Nachmittag desselben Tages den Ärztlichen Bereitschaftsdienst auf dem Gelände der Uniklinik auf. Die diensthabende Ärztin bestätigte aber lediglich die Diagnose und Rezeptierung ihres Kollegen.

Am Tag darauf schwebten alle vier in Lebensgefahr und wurden in unterschiedliche Kliniken eingeliefert. Beim Vater wurde ein akutes Leber- und Nierenversagen festgestellt, bei den drei Kindern schwere Schädigungen der Leber. Die jüngste Tochter sollte deswegen im Mai 2018 eine Spenderleber erhalten, verstarb jedoch bei der Transplantation im Alter von sechs Jahren. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die dramatischen Folgen bei ihr nicht eingetreten wären, wenn die beiden Ärzte zu einem früheren Zeitpunkt die gebotenen Maßnahmen veranlasst hätten.

Ein Termin für die Verhandlung vor dem Landgericht sei noch nicht bestimmt, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

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