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Ärger um Propaganda-Vorwürfe: Flughafen Frankfurt stoppt Hongkong-Werbekampagne

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Von: Sandra Kathe

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Auf zwei Werbetafeln am Flughafen Frankfurt wirbt China für eine „neue Ära“ in der Millionenmetropole Hongkong, die 1997 chinesische „Sonderverwaltungszone“ wurde.

Frankfurt – Am Flughafen Frankfurt haben zwei Werbetafeln für Wirbel, Empörung und einige Beschwerden gesorgt. Weil eine Kampagne für eine „neue Ära“ in der vor 25 Jahren als „Sonderverwaltungszone“ zu China eingegliederte Metropole Hongkong wirbt. Auch das Boulevard-Blatt Bild hat über die Kritik an der Kampagne berichtet. Nun hat der Flughafen die Werbepartnerschaft vorzeitig beendet und die Werbung abgehängt.

Zur Begründung wie es zu der viel kritisierten Werbung im Transitbereich des größten deutschen Flughafens kommen konnte, zitierte Bild eine Stellungnahme von Flughafen-Betreiber Fraport, in dem es heißt, die politische Tragweite der Werbekampagne sei „nicht ausreichend geprüft“ worden. Daraus wolle man lernen und künftig bei politischen Motiven „sensibler“ reagieren. Durch das vorzeitige Ende der Werbepartnerschaft habe es laut des Berichts „Einbußen“ gegeben.

Wer am Flughafen Frankfurt Werbung schaltet, erreicht ein Millionenpublikum aus aller Welt. Daher ruft die Politik den Flughafenbetreiber nun zur Vorsicht auf. (Symbolbild)
Wer am Flughafen Frankfurt Werbung schaltet, erreicht ein Millionenpublikum aus aller Welt. Daher ruft die Politik den Flughafenbetreiber nun zur Vorsicht auf. (Symbolbild) © Star-Media/Imago

Ärger über Werbung am Flughafen Frankfurt: Politische Entwicklungen in Hongkong

Der Hintergrund vor dem vielen Reisenden das Werbemotiv als potenzielle chinesische Propaganda aufgefallen war, ist die politische Situation in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong, die seit 1997 als „Sonderverwaltungszone“ zu China gehört und seither unter dem Motto „Ein Land, zwei Systeme“ als chinesischer „Sonderfall“ hervorgehoben wird. So hatte sich China etwa dazu verpflichtet, Hongkong mindestens 50 Jahre lang autonom über viele politische Belange entscheiden zu lassen.

Realität ist, dass in Hongkong seit Anfang Mai mit John Lee ein ausgesprochen Peking-naher Regierungschef die Geschicke der Metropole leitet, der von den USA bereits wegen Einschränkungen der Autonomie Hongkongs mit Sanktionen belegt wurde. Vor seinem Einsatz als Regierungschef führte Lee lange die Sicherheitsbehörden der Sonderverwaltungszone und ließ in dieser Eigenschaft schon Proteste und Aktionen von pro-demokratischen Oppositionellen niederschlagen.

Politik kritisiert Flughafen Frankfurt für Hongkong-Werbung und fordert Kulturwandel

Auch auf der Website zu der die inzwischen von Fraport am Flughafen Frankfurt entfernte Werbekampagne führt, wird für die „neue Ära“ in Hongkong und ihre „Stabilität, Prosperität und Möglichkeiten“ geworben. Weiter heißt es, ein neues Sicherheitsgesetz in Hongkong erlaube dem Land, seine nationale Sicherheit und Stabilität zu bewahren. Änderungen am Wahlsystem und die Einführung des Prinzips „Patrioten verwalten Hongkong“ hätten dazu beigetragen, die konstitutionelle Ordnung „wiederherzustellen“.

Aus der deutschen Politik wurde die Entscheidung des Flughafenbetreibers, die Kampagne zu entfernen, laut Bild-Bericht von vielen Seiten gelobt, aber auch dazu aufgerufen, es künftig gar nicht mehr so weit kommen zu lassen. So forderte etwa der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Brand (CDU), einen „Kulturwandel, damit seriöse deutsche Unternehmen nicht aus Fahrlässigkeit oder in vorauseilendem Gehorsam zu Lakaien von brutalen Regimen werden, die diesen seriösen Namen missbrauchen, um Wahrheit mit Lüge zu bekämpfen“. Denn: „Propaganda für eine brutale Diktatur zu betreiben, darf Unternehmen insgesamt in der freien Welt einfach nicht passieren.“ (ska)

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