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Ältere Radler sind besonders gefährdet

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Von: Florian Leclerc

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LKW und Rad nebeneinander ? das kann gefährlich werden.
LKW und Rad nebeneinander ? das kann gefährlich werden. © Rolf Oeser

Drei Radfahrer starben in Frankfurt in diesem Jahr. Immer wieder werden Radler bei Unfällen verletzt. Betroffen sind häufig ältere Verkehrsteilnehmer.

Es ist der zweite schwere Verkehrsunfall binnen eines Tages - und wieder ist eine ältere Radfahrerin betroffen. Am Dienstag um 16.30 Uhr fuhr eine 68 Jahre alte Frau laut Polizei mit ihrem Rad auf dem Marbachweg / Ecke Eschersheimer Landstraße, als ein Auto sie rammte und über die Motorhaube schleuderte. Die Frau stürzte und verletzte sich schwer.

„Wir untersuchen den Unfall noch“, sagte Polizeisprecher Manfred Füllhardt, der Zeugen bat, sich telefonisch bei der Polizei zu melden: 069 755 11200. Nach jetzigem Ermittlungsstand geht die Polizei davon aus, dass die Fahrradfahrerin „verkehrsgerecht“ auf dem Marbachweg unterwegs war. Die 82 Jahre alte Autofahrerin, die aus der Eschersheimer Landstraße links in den Marbachweg einbog, könnte sie übersehen haben, womöglich aus Unachtsamkeit. „Das wollen wir durch Aussagen der Zeugen herausfinden“, sagte Füllhardt. Das Unfallopfer wurde ins Krankenhaus gebracht.

Für eine 74 Jahre Radfahrerin hingegen, die am Dienstagmittag in der Birminghamstraße mit einem Lastwagen kollidierte, kam jede Hilfe zu spät. Der Lastwagenfahrer, der aus einer Baustellenzufahrt kam, hatte sie offenbar übersehen. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. Ein Unfallsachverständiger erstelle derzeit den Bericht, sagte Füllhardt.

In Frankfurt sind in diesem Jahr bislang zwei Radfahrer tödlich verunglückt – in Oberrad starb im Juli ein Mann, der mit seinem Sohn unterwegs war, und tödlich stürzte.

Keine Tendenz abzuleiten

Eine Tendenz, dass Fahrradfahrer gefährlich fahren, will der Polizeisprecher daraus nicht ableiten. „Die beiden Straßenabschnitte, auf denen die Unfälle am Dienstag passiert sind, sind für Radfahrer eigentlich nicht gefährlich und auch nicht als Unfallschwerpunkte bekannt“, sagte auch Bertram Giebeler, der verkehrspolitische Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Frankfurt. Auffällig sei, das in beiden Fällen Ältere betroffen sind.

Menschen ab einem gewissen Alter seien eingeschränkt in ihrer Reaktionsgeschwindigkeit und ihrem Aufmerksamkeitsradius, sagte Giebeler. Gleichzeitig seien mehr Ältere in Frankfurt auf dem Rad unterwegs - was er ausdrücklich begrüßte. Hinzu komme, dass die Stadt dichter werde und der Baustellenverkehr zunehme. „Diese Fakten zusammengenommen erhöhen tendenziell die Wahrscheinlichkeit, dass es vermehrt zu Unfällen kommen kann.“

Giebeler erinnerte daran, dass im Juni in der Robert-Mayer-Straße in Bockenheim ebenfalls an einem Tag zwei Radfahrer schwer verletzt wurden – Lastwagenfahrer hatten sie übersehen. Auf dem Gelände des früheren AfE-Turms wird ein 140 Meter Hybrid aus Wohnturm und Hotel gebaut. „Der Baustellenverkehr ist für Radfahrer generell ein Problem“, stellt Giebeler fest. Radfahrern rät er, sich an Kreuzungen nicht direkt neben Lastwagen zu stellen; die Gefahr, übersehen zu werden, sei zu hoch.

„Alle Verkehrsteilnehmer sollten prinzipiell aufmerksam sein, um sich und andere nicht zu gefährden“, sagte Polizeisprecher Füllhardt.

Giebeler sagte, „ohne zynisch klingen zu wollen“, in einer Großstadt wie Frankfurt gehörten „im Jahr zwischen null und drei tödliche Unfälle mit Radfahrern leider zur Normalität“. Krasser sei die Situation in Berlin. Dort starben 2016 laut Polizeibericht insgesamt 19 Radfahrer im Straßenverkehr.

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