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Raimonda Gudaviciute mit ihrem achtjährigen Sohn Elias Haun in der Probe ihres gemeinsamen Tanzstück M(other). Bild: Monika Müller
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Raimonda Gudaviciute mit ihrem achtjährigen Sohn Elias Haun in der Probe ihres gemeinsamen Tanzstück M(other). Bild: Monika Müller

PORTRÄT DER WOCHE

Ach, Mama

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Die Profi-Tänzerin Raimonda Gudaviciute und ihr acht Jahre alter Sohn Elias stehen beim Tanzfestival Rhein-Main erstmals zusammen auf der Bühne - entstanden ist die berührende Choreographie M(other)

Es ist ein Bild, das ganz alltäglich scheint: Ein Junge dribbelt mit seinem Fußball, die Mutter beäugt Kind und Ball mit einer Mischung aus Freude und Stolz, Skepsis und Sorge, wer weiß, ob er nicht hinfällt und sich wehtut. Und dann beginnt ganz langsam ein Tanz zwischen den beiden, und das ist ein sehr faszinierender Moment. Denn hier in einem Saal des Frankfurter Mousonturms probt die Tänzerin Raimonda Gudaviciute, 36, eine eigene Choreographie, eine ungewöhnlich persönliche. Ihr acht Jahre alter Tanzpartner Elias Haun ist ihr Sohn und selbst schon ein erstaunlich virtuoser Tänzer.

Dass hier Mutter und Kind auf der Bühne stehen, macht das Stück M(other) zu etwas Besonderem. Es mag vielleicht etwas pathetisch klingen, aber in jedem Blick, in jeder Bewegung wird dieses liebevolle Verhältnis der beiden auch für das Publikum spürbar und sichtbar - ganz natürlich und ohne den geringsten Hauch von Sentimentalität. Sie habe, sagt eine Zuschauerin nach der Probe, immer wieder weinen müssen.

Für den Achtjährigen, begeisterter Breakdancer und Fußballspieler, sei es „echt cool, mit der Mama auf der Bühne zu stehen“, wie er mehrfach betont. Und auch Mutter Raimonda sagt, dass sie bei der Arbeit an der Choreographie viel von Elias gelernt habe. „Breakdance kann er einfach besser!“ Der Sohn lacht und verbiegt sich. „Das kannst du auch nicht so gut wie ich, Mama! Ich tanze ja auch schon viel länger als du“, meint er schelmisch.

Tanzfestival Rhein-Main

Am Samstag, 28. Oktober, beginnt das Tanzfestival Rhein-Main. 18 Tage lang, bis zum 14. November, bietet es ein hochkarätiges Programm in Darmstadt, Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden mit deutschen Erst- und Uraufführungen, Performances, Ausstellungen und Gesprächen.

Karten gibt es unter www.tanzfestivalrheinmain.de sowie an den Vorverkaufskassen des Staatstheaters Darmstadt, Tel. 0 61 51/28 11 600, des Frankfurter Mousonturms, Tel. 069/40 58 95 20, des Staatstheaters Wiesbaden, Tel. 0611/13 23 25 und bei Adticket, Tel. 0180/60 50 400.

Raimonda Gudaviciute und ihr acht Jahre alter Sohn Elias sind gleich mehrfach zu sehen: Im Frankfurter Mousonturm am Freitag, Samstag und Sonntag, 29. bis 31. Oktober, jeweils um 18 Uhr, im Staatstheater Darmstadt am Freitag, 12., 19.30 Uhr, und am Samstag, 13. November, 16 Uhr. Das Stück M(other) in der Choreografie Gudaviciutes dauert etwa 50 Minuten, empfohlen ist es ab acht Jahre. Die Dramaturgie übernimmt Ingrida Gerbutaviciute. aph

Na ja, immerhin hat auch die Mutter, die im litauischen Vilnius geboren und aufgewachsen ist, schon mit neun Jahren mit dem Tanzen begonnen. Sie muss lachen. „Zu Hause tanzen wir ganz viel zusammen. Das gehört für uns dazu wie für andere Familien das Vorlesen oder Geschichtenerzählen. Auch meine vier Jahre alte Tochter will immer mitmachen. Und nein, der Papa ist kein Tänzer!“ Für Elias, gebürtiger Frankfurter, ist das eine echte Premiere, es ist sein erster Auftritt auf einer großen Theaterbühne - im Mousonturm tanzen die beiden im Rahmen des Tanzfestivals an drei Abenden, im Staatstheater Darmstadt dann noch mal an zwei weiteren. Seine Nervosität hält sich vielleicht auch deshalb sehr in Grenzen („Wir haben gut geübt“) - im Gegensatz zu seiner Mutter. „Ich bin vor Auftritten immer sehr aufgeregt“, sagt Raimonda.

Was diesmal noch dazukommt: Professionelle künstlerische Arbeit mischt sich mit mütterlicher Verantwortung. „Es ist sehr schwer, mit jemandem zu arbeiten, den man liebhat, und gleichzeitig ist es gar nicht schwer.“

Das ist auch ein Thema von M(other), die sehr persönliche Frage, was es bedeutet, Künstlerin und gleichzeitig Mutter zu sein. „Für Mamas ist es nicht einfach. Bei einem Vorstellungsgespräch fängt man besser nicht gleich damit an, dass man zwei Kinder hat“, sagt sie. „Viele Projekte werden einem gar nicht mehr zugetraut, wenn man Mutter ist. Die Choreographen denken, dass du dann nicht mehr zuverlässig bist. Die entscheiden dann für dich, was du machen kannst und was nicht.“ Die Arbeit an M(other) habe ihr Stärke und neue Impulse gegeben und sie inspiriert, erzählt sie. Denn für die Künstlerin, die seit 2010 mit ihrem deutsch-französischen Mann in Frankfurt lebt (die beiden haben sich beim Umsteigen am Frankfurter Flughafen kennengelernt - aber das wäre noch eine andere Geschichte), war die Zeit des Corona-Lockdowns und der Schul- und Kitaschließungen wie für alle Eltern schwer.

„Trotzdem war 2020 ein wunderschönes Jahr für mich“, sagt sie. Und das lag auch an ihrem Tanzprojekt, das eigentlich aus der Not geboren war. „Ich musste die Kinder beschäftigen, die immer zu Hause waren und keine Freunde mehr treffen konnten. Und sie wollten immer wissen, was ihre Mama eigentlich arbeitet.“ Jetzt wissen sie es.

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