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Hier hat es sich bald ausgestöbert.
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Hier hat es sich bald ausgestöbert.

Zweitausendeins-Laden Frankfurt

Abschied vom Mythos Zweitausendeins

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Zweitausendeins-Laden am Kornmarkt, der letzte in Deutschland, schließt Ende März. Auch der Mietnachlass der Stadt half nicht mehr.

Sie sind die Letzten. Am Frankfurter Kornmarkt findet sich noch der Schriftzug, der für Generationen einen mythischen Klang besaß: Zweitausendeins. 1969 in Frankfurt gegründet, beeinflussten der alternative Versandhandel und Verlag über Jahrzehnte die kulturelle und politische Bildung vieler Menschen. Jetzt ist der Laden in der Frankfurter Innenstadt der letzte, der von einem einst Deutschland umspannenden Netz übrig geblieben ist. Und auch seine Tage sind gezählt.

Wer das Geschäft betritt, dem fallen die Lücken in den Bücherregalen und den Kästen mit CDs und DVDs auf. Robert Eglhofer, der die letzte Filiale führt, ist ein Veteran von Zweitausendeins. „1977 hab ich in der Firma als Schüler-Aushilfe angefangen.“ Er absolvierte eine Ausbildung zum Diplom-Kaufmann und stieg bis zum Personalleiter des Unternehmens auf.

Jetzt, nach der Inventur, hat der 58-Jährige mit seinen drei Mitarbeitern eine Bilanz gezogen. Und sie fällt eindeutig aus: „Das nächste Weihnachtsgeschäft wird ohne uns stattfinden.“ Nach derzeitigem Stand schließt das Geschäft zum 31. März 2017. Es ist klar: Die Umsätze sind so niedrig geworden, dass der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Das galt sowohl während der Sommermonate wie auch während des Weihnachtsgeschäfts.

Es ist ein wehmütiger Abschied von einem Mythos. Die letzten von Zweitausendeins hielten untereinander Kontakt. „Am 28. Dezember schlossen die Kollegen in Mannheim.“ Seitdem ist der Frankfurter Laden die letzte Filiale. 2013 hatte Eglhofer mit seinem Kumpel Conny Künkel den Laden auf eigene Faust von der Leipziger Zentrale übernommen. Am 4. März 2016 war schon Künkel ausgestiegen: Er konnte nicht länger Geld in das Geschäft stecken.

Große Selbstausbeutung

„Es ist große Selbstausbeutung, was wir hier machen“, sagt Eglhofer. Mit seinen drei Mitkämpfern stemmt er sich einem unerbittlichen Wandel entgegen. Das Internet hat das Geschäft mit Büchern, CDs und DVDs schwinden lassen. Große Versandhandel-Konkurrenten wie Amazon bestimmen mit Dumpinglöhnen den Markt.

Es ist aber auch die kritische Öffentlichkeit, die es heute nicht mehr so gibt wie sie Ende der 60er Jahre existiert hatte. Für die 68er-Generation war Zweitausendeins ein wichtiger Verlag gewesen. Lutz Reinecke, mit Walter Treumann der Gründer des Unternehmens, hatte einst bei Suhrkamp gelernt, dem Frankfurter Verlagshaus, dessen Bücher eine kritische Öffentlichkeit geprägt hatten.

Ihre Firma nannten Reinecke und Treumann nach einem revolutionären Film, der kurz zuvor auch die Frankfurter Kinos erreicht hatte: „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Regisseur Stanley Kubrick. Die beiden hatten ihn begeistert gesehen.

So wie der Film seinem Genre neue Dimensionen eröffnet hatte, wollten es die jungen Unternehmer auch mit ihrem Versandhandel und Verlag tun.

Tatsächlich schufen sie Bestseller, die aus den sozialen Bewegungen ihrer Zeit resultierten. So stand die kritische Umweltstudie Global 2000 zum Beispiel für die damals starken Kräfte, die gegen Atomkraftwerke in Deutschland und anderswo kämpften.

Bald gehörte es zum guten Ton, zu Hause Bücher von Zweitausendeins im Regal stehen zu haben. Gleich, ob es die Songtexte von Bob Dylan oder „Doors“-Sänger Jim Morrison waren. Oder die Bände der Satiriker der Neuen Frankfurter Schule wie Robert Gernhardt, Chlodwig Poth oder F.K. Waechter.

Der Frankfurter Laden bezieht neben eigenen Quellen noch immer Ware von dem reinen Internetversandhandel Zweitausendeins, der seinen Sitz in Leipzig hat.

Aber auch hier gibt es Veränderungen. Das Merkheft des Versands, das ebenfalls ein Kultgegenstand ist, wird von Februar an von Frölich&Kaufmann herausgegeben, einer Versandfirma der Verlagsgruppe Ganske.

Die Tage des Frankfurter Ladens aber sind nun endgültig gezählt. Daran ändert auch nichts, dass das Haus Kornmarkt 14, in dem das Geschäft liegt, dem städtischen Wohnungskonzern ABG Holding gehört.

ABG-Geschäftsführer Frank Junker bestätigt am Dienstag im Gespräch mit der FR das Ende des Ladens zum 31. März. Er bedauert diese Entwicklung ausdrücklich. „Das ist sehr schade, denn Zweitausendeins war wirklich eine Institution in Deutschland.“ Der Manager erinnert sich noch an die Zeit, „als man die Bücher von dem Verlag einfach haben musste“.

Die ABG Holding, so sagt es Junker, sei bereit gewesen, dem Inhaber bei der Miete entgegenzukommen, um die Institution dadurch zu erhalten. Doch der Mietnachlass sei „nicht mehr gewünscht“ gewesen.

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