+
Jörg Bannach hört als Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes auf. 

Porträt der Woche

Abschied im Krisenmodus: Leiter des Ordnungsamts Frankfurt Jörg Bannach im Portrait

  • schließen

Jörg Bannach hört Ende April als Leiter des Frankfurter Ordnungsamts auf. Seine letzten Wochen im Job sind stressig.

Er hatte sich das alles anders vorgestellt. Ganz anders. In der kommenden Woche sollte seine Verabschiedung sein. Mit Reden von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) und Weggefährten aus den vergangenen Jahren. Danach hätte er noch bis Ende April Zeit gehabt, seine Amtsgeschäfte an Karin Müller zu übergeben, die am vorigen Freitag vom Magistrat zu Bannachs Nachfolgerin bestellt wurde. So war es geplant. Es kam alles anders.

In diesen Tagen ist Bannach vor allem als Mitglied im städtischen Verwaltungsrat gefragt. Die Bezeichnung ist ein wenig euphemistisch, letztlich ist es ein Krisenstab, der jetzt ständig tagt. Bannach muss viel über die Einschränkungen sprechen, die derzeit gelten. Wie sie umgesetzt werden, wie sie sich kontrollieren lassen, nicht zuletzt von seiner Stadtpolizei.

Was er in den vergangenen Wochen erlebt hat, hat Jörg Bannach erschreckt. Wie viele Menschen die Aufforderung, soweit wie möglich daheim zu bleiben und schon gar nicht in Gruppen unterwegs zu sein, schlicht ignorierten, das ließ ihn dann doch einigermaßen ratlos zurück. Im Hafenpark etwa traf die Stadtpolizei bis zu 200 Leute an. Die Absperrbänder rund um die Fitnessgeräte waren zum Teil entfernt worden.

Sorgen bereitet der Stadtpolizei auch das Verhalten von Geschäftsleuten. Rund ein Viertel der Ladeninhaber verstießen gegen geltende Verordnungen und suchten zum Teil sehr kreative Wege, ihren Betrieb weiterzuführen, wie die Behörde berichtete. Bisweilen böten Spielwarengeschäfte plötzlich Drogerieartikel oder Schokoriegel an, damit der Laden als Geschäft für den täglichen Bedarf gilt und offen bleiben darf.

Kampf gegen das Coronavirus

Das alles hätte Jörg Bannach nicht gebraucht, „ganz gewiss nicht“. Aber es hilft ja nichts. Der Kampf gegen das Coronavirus wird ihn bis zum Ende seiner Dienstzeit am 30. April begleiten, da ist sich der 65-Jährige ganz sicher.

Es ist nicht einfach, das Thema zu wechseln und mit dem Leiter des Ordnungsamts plötzlich nicht mehr über das Virus zu sprechen. Aber es würde einer Geschichte über Jörg Bannach auch nicht gerecht, würde man sie auf die letzten Wochen seiner zehnjährigen Amtszeit reduzieren.

Als Amtsleiter vorgestellt wurde Bannach von Sicherheitsdezernent Volker Stein. Wie der FDP-Politiker ist Bannach Reserveoffizier der Bundeswehr, er nimmt regelmäßig an Übungen teil und hatte einigen Anteil daran, dass ein Schiff der Marine nach der Stadt Frankfurt benannt wurde.

So mancher dachte deshalb, Bannach werde in erster Linie Steins rechte Hand sein und dessen bisweilen recht schroffe, später auch populistische Vorstellungen von Sicherheitspolitik in Frankfurt umsetzen. Doch es kam anders. Bannach ist viel zu loyal, um im Nachhinein etwas Schlechtes über Stein zu sagen. Dass er den Ruf nach Härte auf allen Ebenen wenig zielführend findet, wurde aber schnell deutlich. Bannach etwa gibt sich nicht der Illusion hin, dass das Bahnhofsviertel jemals zu einem Ort ohne Kriminalität wird. Das hat er mit Steins Nachfolger Markus Frank gemeinsam.

Er wolle die Zusammenarbeit zwischen Landes- und Stadtpolizei verbessern, sagte Bannach, als er im März 2010 vorgestellt wurde. Das ist ihm gelungen. Im Bahnhofsviertel etwa gehören gemeinsame Kontrollen von Landes- und Stadtpolizei längst zum Alltag.

Behörde transparenter machen

Und er wollte die Behörde transparenter machen, wollte den Frankfurterinnen und Frankfurter zeigen, was in dem Gebäude an der Kleyerstraße geschieht, das das Amt kurz vor seinem Dienstbeginn bezogen hatte. Ob das geklappt hat? „Das müssten Sie als Journalist besser beantworten können“, erwidert Bannach.

Tatsächlich baute der Amtsleiter die Pressearbeit aus und bot Einblicke in die Arbeit der Behörde, die es vorher nicht gegeben hatte. Regelmäßig konnten Journalisten die Stadtpolizei bei Einsätzen begleiten. Dass er den meisten Reportern vertraute, mag auch daran liegen, dass er während seines Jurastudiums selbst als freier Mitarbeiter für eine Zeitung gearbeitet hatte. „Kleintierschauen, Lokalsport, Karneval, das volle Programm“, erinnert er sich.

Doch es gab auch Probleme in den vergangenen zehn Jahren. Sie betrafen insbesondere die Ausländerbehörde, die ebenfalls im Ordnungsamt angesiedelt ist. Dort bildeten sich lange Schlangen, mitunter warteten Menschen bereits in der Nacht, weil sie Angst hatten, keine Wartenummer zu bekommen. Eine Schwierigkeit: Bis heute fehlt es an geeignetem Personal, die Fluktuation ist extrem hoch. Die Zustände verbesserten sich zwar, doch noch immer gibt es Berichte über lange Wartezeiten.

Mit Sicherheit profitierte Bannach davon, dass er sich bestens in Frankfurt auskennt. Er sei ein „Bornheimer Bub“, sagt er oft, in seinem Amtszimmer hängen Devotionalien vom FSV Frankfurt. Doch wesentliche Teile seines Berufslebens spielten sich in Hanau ab. Dort war er als Staatsanwalt tätig, kümmerte sich erst um Jugendkriminalität und später auch um Kapitalverbrechen. Für jeweils ein Jahr arbeitete Bannach bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und in Berlin, wo er dabei half, Verbrechen der DDR-Führung aufzuklären.

In einer Angelegenheit aber ist Bannach gescheitert. Immer wieder versuchte er deutlich zu machen, dass nicht die Mitarbeiter des Ordnungsamts, sondern des Straßenverkehrsamts Parksünder aufschreiben. Doch die Fehlinformation, bei seinen Stadtpolizisten handele es sich um „Knöllchenschreiber“, hält sich hartnäckig. Bannach sagt dazu mittlerweile: „Es gibt Schlimmeres.“ Vor allem in diesen Tagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare