Der freundliche Helfer beim Einweisen eines Kunden auf dem Wertstoffhof. 
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Der freundliche Helfer beim Einweisen eines Kunden auf dem Wertstoffhof. 

Bornheim

Abschied von der guten Seele des Bornheimer Wertstoffhofs

Philippe Roche ist für seine herzliche Art bekannt. Ende Januar geht der verdiente Mitarbeiter in Rente.

Hallo Philippe“, ruft Rudolf Wagner und winkt dem 62-Jährigen freundlich zu. Erst dann öffnet Wagner den Kofferraum seines Wagens und wirft Grünschnitt in einen Container. Regelmäßig entsorgt er Abfälle auf dem Wertstoffhof an der Weidenbornstraße. Und freut sich auf den Plausch mit Philippe Roche. „Oft reden wir über Fußball“, sagt Wagner und seufzt: „Ich werde ihn vermissen.“

Roche ist wohl der bekannteste Mitarbeiter auf dem Bornheimer Wertstoffhof. Ende Januar geht er in Rente. Das bedauern Kollegen wie Kunden, die ihn alle als feinen Kerl mit Humor charakterisieren. Der 62-Jährige ist der Spaßvogel und Gute-Laune-Typ auf dem Betriebsgelände und bekannt wie ein bunter Hund.

Mit seiner herzlichen und zuvorkommenden Art erobert er die Herzen der Menschen im Sturm. „Ich habe ihn noch nie schlecht gelaunt erlebt“, sagt Karlheinz Seipel. „Er ist immer freundlich“, lobt Wagner. Bekannt ist Roche für seine lockeren Sprüche. „Ich kann Kunden doch nicht grimmig entgegentreten“, sagt Roche. Sein Motto: So wie man von anderen behandelt werden will, so behandele man auch die anderen – mit Respekt eben.

Frauen spricht er mit Madame an und hilft ihnen beim Ausladen und Entsorgen der Wertstoffe. Manchmal gibt es auch ein Kompliment fürs Kleid oder die perfekt sitzende Frisur. Da kommt der Charmeur durch. Roche ist gebürtiger Franzose. 1970 kam er als Kind mit seiner Mutter nach Frankfurt. Und hatte es am Main nicht leicht. Er ließ sich nicht unterkriegen und hat wohl deshalb seine gute Laune und seine Lebensfreude nicht verloren.

Sechs Wertstoffhöfe betreibt die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). 12 712 Tonnen Abfall und Wertstoffe wurden hier 2018 abgegeben, so FES-Sprecher Stefan Röttele. Auf dem Wertstoffhof in der Weidenbornstraße landeten im vergangenen Jahr 2665 Tonnen in den Containern. 


Mit 656 Tonnen stellte Restsperrmüll den größten Posten, gefolgt von Holz-Sperrmüll (458 Tonnen), Grünschnitt (428 Tonnen) und Altpapier (310 Tonnen). 173 Tonnen Metall fielen an. 


1005 Kühlaggregate (Kühlschrank, Gefriertruhe) wurden abgegeben, 221 Waschmaschinen, 292 Spülmaschinen, 909 Mikrowellengeräte und 3593 Monitore, also Computerbildschirme und Fernseher, gebracht.

Monitore oder große Küchengeräte werden gesammelt, von Mitarbeitern des Recyclingunternehmens GWR zerlegt und einer Verwertung zugeführt. Einige wenige Geräte werden repariert und über soziale Dienste an Bedürftige gegeben. bit

Nachdem er seinen Job verloren hatte, kam er 1995 über eine Leihfirma zur FES. Verschiedene Tätigkeiten übte er aus, bekam nach zwei Jahren einen festen Vertrag und fand schließlich seine Bestimmung auf dem Wertstoffhof. Der Kontakt zu den Menschen habe ihm am meisten gefallen in all den Jahren, sagt der 62-Jährige zufrieden, während sich eine ältere Dame mit zwei Eimern in der Hand nähert.

„Soll ich ihnen helfen, Madame?“, fragt er freundlich. Sie nickt. Also füllt Roche mit beiden Händen Rollsplitt in die Behältnisse. Die Frau will schon mal Vorsorgen für den Winter. Wer Eimer oder Ähnliches mitbringt, bekommt das Streugut kostenlos bei der FES.

Manchmal, so sagt Roche, müsse auch er seine guten Manieren ablegen. Ab und an kämen uneinsichtige Zeitgenossen, die etwas entsorgen wollen, was in Bornheim nicht angenommen werde – beispielsweise Bauschutt. Die müsse er dann abweisen und zum Wertstoffhof Nord in Kalbach schicken. Da müsse er oft lauter werden. Das könne er zwar auch, der sanfte Ton liege ihm aber mehr, so sagt er.

Stefan Röttele, Sprecher der FES, bedauert den Weggang von Roche: „Wir verlieren eine zuverlässigen Mitarbeiter mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Das reißt eine Lücke bei uns.“

Ganz verabschieden wird sich Roche aber wohl nicht. Er ist seit etwa zehn Jahren Teil des rund zehn Mann starken Teams, das den Motivwagen der FES für die Fastnachtsumzüge baut.

Die FES nimmt alljährlich am Zug des Großen Rates und in Klaa Paris teil. „Das Bauen macht Spaß, wenn die mich auch künftig brauchen, bin ich dabei“, sagt der 62-Jährige. Den Umzug des Großen Rates und in Klaa Paris schaut er sich an, ansonsten hat er mit Fastnacht nicht viel am Hut. Langweilig wird es im Ruhestand aber nicht werden, sagt er. Er will sich künftig mehr um seinen Enkel kümmern.

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