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Abschied vom FR-Fotografen

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Meist eine Kamera dabei: Kurt Weiner.
Meist eine Kamera dabei: Kurt Weiner. © peter-juelich.com

Die Trauerfeier für den langjährigen FR-Fotografen Kurt Weiner findet auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt statt. Es ist eine Trauerfeier, die ganz ohne Pathos auskommt.

Das harte, gleißende Winterlicht lässt die Besucher auf dem Hauptfriedhof die Augen zusammenkneifen. Im Vorraum der 103 Jahre alten Trauerhalle liegen die Kondolenzbücher für Kurt Weiner aus – der langjährige FR-Fotograf war am 25. Dezember gestorben. Viele Freunde, Weggefährten und Berufskollegen tragen sich ein, von der Fotografin Barbara Klemm über den ARD-Börsenexperten Frank Lehmann bis zum Fotografen Georg Kumpfmüller, der auch Jahrzehnte für die FR gearbeitet hat.

Es ist eine Trauerfeier, die ganz ohne Pathos auskommt – dem 95-jährigen Kurt Weiner hätte sie gefallen, war der gebürtige Ostpreuße doch ein Mann, der Offenheit liebte und professionelle Arbeit und der aufgesetztes Getue verabscheute. „Er hatte keine Angst vor dem Tod“, sagt Rainer Holbe in seiner bewegenden Abschiedsrede für den Freund. Der bekannte Fernsehmoderator, heute 76 Jahre alt, war in den 60ern FR-Redakteur gewesen.

Holbe blendet zurück auf diese Zeit, „eine sehr turbulente und wichtige Epoche der Stadtgeschichte“. Der junge Journalist ist damals mit dem Fotografen Weiner unterwegs. Auf dem Flughafen zum Beispiel, als der Gemahl der englischen Königin, Prinz Philip, mit seinem zwölfjährigen Sohn Charles landet. Und Weiner, der die königliche Familie schon öfter fotografiert hatte, sagte zu seinem jungen Kollegen: „Komm, ich stell dich mal vor“. Und der Gemahl der Königin antwortete: „Ich bin der Philip.“

Holbe schildert den Fotografen als nicht einfachen, sehr selbstbewussten Mann, der seine Fotos stets mit dem Hinweis abgeliefert habe: „Das wird dreispaltig!“ Dreispaltig, das war seinerzeit „die Königsklasse“. Und Weiner setzte sich stets durch.

Die 60er Jahre, das war die Zeit, in der der spätere Regierungssprecher Conrad Ahlers innenpolitischer Redakteur der FR war und der spätere FDP-Generalsekretär Karl-Hermann Flach Mitglied der Redaktionsleitung. Kurt Weiner habe in diese Reihe gepasst, urteilt Holbe: „Er war immer ein Herr, ein Gestalter.“

Der Freund verabschiedet sich vom Freund mit den Worten Hermann Hesses: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.“ Das ist dann doch der Moment, in dem einigen Trauergästen die Tränen in den Augen stehen.

Tobias Picard vom Institut für Stadtgeschichte würdigt die Arbeit des Fotografen Weiner. Der Sammlungskurator, der 20 Jahre mit ihm zusammenarbeitete, nennt den Toten einen „starken Charakter“. Er habe „den Blick für das Außergewöhnliche des Alltags“ besessen. Weit mehr als 100 000 Fotografien hatte Weiner als Vorlass dem Institut für Stadtgeschichte übereignet. Darunter natürlich seine Porträts von Figuren der Zeitgeschichte, von John F. Kennedy über Alfred Hitchcock bis Marlene Dietrich. „Er zeigte die lockere Seite der oft exzentrischen Prominenten.“ Aber auch wenig bekannte Fotografien von Reisen ins afrikanische Togo oder nach Japan oder von der Apollo- 13-Mission.

Vor 15 Jahren, zum 80. Geburtstag Weiners, zeigte das Institut eine große Retrospektive der fotografischen Arbeiten. 2010 präsentierte der Fotograf seine letzten Werke, „Alltagsmotive in Farbe“. Er habe die Fähigkeit gehabt, so Picard, „aus einem interessanten Motiv ein besonderes Bild zu machen“. Seine Fotografien werden bleiben und an das „begnadete, außergewöhnliche Leben“ (Holbe) des Toten erinnern. Das ist der Trost an diesem sonnigen Wintertag.

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