+
Eine Mauer der Gedenkstätte Börneplatz.

Ehrung

Hessischer Kulturpreis für Architektenduo Wandel und Lorch

  • schließen

Der Hessische Kulturpreis geht an das Architektenduo Andrea Wandel und Wolfgang Lorch.

Der Wirkung dieses Ortes kann sich der Besucher auch heute noch schwer entziehen. Der sehr grobkörnige Belag aus grauem Schotter, der sich nur schwierig begehen lässt. Der rohe Steinkubus im Zentrum, zusammengesetzt aus Fundamentresten des alten jüdischen Ghettos. Und dann ringsherum die kleinen metallenen Blöcke, eingelassen darin die Namen von 11 134 Menschen – Frankfurter Jüdinnen und Juden, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft umgebracht wurden oder durch Verfolgung starben.

Andrea Wandel und Wolfgang Lorch waren noch Studierende, als sie in den 80er Jahren am Architektenwettbewerb für die Gedenkstätte am Neuen Börneplatz teilnahmen – und sie gewannen. Ein Architektenleben später werden die beiden nun mit dem Hessischen Kulturpreis 2019 geehrt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wird die mit 45 000 Euro dotierte Auszeichnung am 20. September in Frankfurt persönlich überreichen. „Wir waren Mitte 20, als wir unsere Arbeiten für den Börneplatz eingereicht haben“, erinnert sich die 56-jährige im Gespräch mit der FR.

Viele wichtige Arbeiten sind seither entstanden Die neue Synagoge in Dresden machte die beiden weltbekannt, dieser Bau wurde unter anderem mit dem World Architecture Award für das beste Gebäude Europas ausgezeichnet. Das Jüdische Zentrum in München erhielt den Deutschen Städtebaupreis. Die Neugestaltung der barocken Synagoge in Bayreuth, der Lern- und Gedenkort „Hotel Silber“ in Stuttgart, die Gedenkstätte am Grunewald in Berlin: Immer wieder geht es bei Wandel und Lorch um das, was wir aus den Greueln der Vergangenheit für die Zukunft lernen können.

„Es ist manchmal erschreckend, dass so wenig gelernt wurde“, sagt Andrea Wandel. „Vielleicht ist auch etwas verloren gegangen im Laufe der Zeit.“ In jedem Fall kreise ihre Arbeit um „ein nie abgeschlossenes Thema“.

Immer wieder haben die beiden den Deutschen Architekturpreis gewonnen. Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Zeugen persönlich von den Taten der Nationalsozialisten und den jüdischen Schicksalen berichten könnten, sei es wichtig, die Erinnerung wachzuhalten, sagt der Ministerpräsident. Mit seinen Gedenkstätten und Sakralbauten schaffe das Architektenduo bedeutende Orte für den Dialog zwischen den Kulturen.

Wandel und Lorch haben ein Büro in Saarbrücken und eines in Frankfurt. Das Büro in Saarbrücken ist für Wandel das wichtigere: Dort führt sie die Gründung ihres Vaters Hubertus Wandel weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare