1. Startseite
  2. Frankfurt

Überfall am Frankfurter Impfzentrum: Abgerundet wird zum Schluss

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Am Impfzentrum in Frankfurt wird eine 76-Jährige beim Gang zur Toilette überfallen. Beim Prozess am Amtsgericht gibt es unterschiedliche Versionen zur Tat.

Frankfurt - Über die Risiken und Nebenwirkungen der zweiten Corona-Impfung war Mechthild H. im Bilde, als sie am 19. Mai zum Impfzentrum ging. Aber eigentlich wollte sie dort lediglich den Termin ihrer zweiten Impfung verschieben. Und auf Amira J. und Hashim A. hätte die damals 76 Jahre alte H. wohl auch niemand vorbereiten können.

Nachdem ihr Verschiebeersuchen abschlägig beschieden worden war, erfasste Mechtild H. damals ein menschliches Bedürfnis. Eine „Aufsichtsperson“ habe ihr die Toilette der U-Bahnstation Messe empfohlen. Eine schlechte Empfehlung, denn kaum hatte sie dort Platz genommen, da sei „diese grausame Person“ – gemeint ist Amira J. – in die Damentoilette gestürmt und habe mit der Behauptung, sie sei „Sicherheitsbeamtin“, gegen die Klotür getrommelt. Sie habe geöffnet – diese schreckliche Trommelei! – da habe sie die grausame Person an den Handgelenken gepackt, ihr die Tasche abgenommen, diese durchsucht, dabei 220 Euro Bargeld und ein I-Phone gefunden und behalten und sie dazu noch bei der Suche nach Schmuck überall befummelt, „an Ohren, Handgelenken und Hals“.

Überfall am Frankfurter Impfzentrum: Täter und Täterin waren Polizeibekannt

Bevor sie geflohen sei, habe die grausame Person gedroht, ihr würden „schlimme Dinge widerfahren“, wenn sie vor Ablauf von zehn Minuten um Hilfe riefe. „Da saß ich und zitterte wie Espenlaub“, erinnert sich Mechthild H. im Zeugenstand und war in etwa auch so leise. Bis eine weitere Toilettenbesucherin sie erlöste.

Impfzentrum Messe, Festhalle, Frankfurt
Frankfurt: Eine Seniorin wurde im Impfzentrum überfallen. (Symbolbild) © Rheinmainfoto/Imago

Amira J.s 34 Jahre alter damaliger Freund Hashim A., der vor der Klotür Schmiere gestanden hatte, präsentierte sich dann als Mann von Halbwelt, bot der Freundin seine Jacke an, um sie vor den Blicken der Videokameras zu schützen, nahm die Beute an sich und behielt sie.

Besonders dolle war sein Blickschutz nicht. Beide der Polizei als extrem abhängige Junkies bestens Bekannte konnten auf den Videos identifiziert werden. Seitdem sitzen sie in U-Haft und haben so viele Kilos zugelegt, dass der Polizist von damals sie fast nicht wiedererkennt.

„Es war seine Idee“, sagt Amira J. und stellt spätestens damit den Beziehungsstatus zu A. offiziell auf „getrennt“. Sie ist Mutter einer sechsjährigen Tochter, die bei Pflegeeltern aufwächst, und seit ebenso vielen Jahren schwerstabhängig. Die zahlreichen Strafverfahren gegen sie eint ein Vermerk – „von der Verfolgung wurde abgesehen“. Erstmals bewegt sich J. nun außerhalb des Jugendstrafrechts. „Ich habe wieder von vorne anfangen wollen, aber das ging wohl nach hinten los.“

Frankfurter Amtsgericht verhängt Freiheitsstrafen

Hashim A. sieht das alles so: „Sie ist angerannt zu mir gekommen“, immer wieder, habe ihm Geld aufgedrängt, obwohl er doch als Dealer weiß Gott genug verdiene. Seinen Jackenschutz will er nicht als Kavaliersdelikt missverstanden wissen, er sei ein Resultat geistiger Zerrüttung: „Ich war berauscht. Es war zu warm.“ Er kann aber auch gefühlig: „Wir waren zusammen. Ich habe für sie Stoff geholt.“ Hashim A., seit 2015 in Deutschland, hat seitdem bemerkenswert viele Vorstrafen gesammelt.

Mechthild H., ganz Dame, rechnet im Zeugenstand ab. „Dass man am helllichten Tag im Impfzentrum überfallen werden kann, ist ein Armutszeugnis für die Festhalle!“ Dann rundet sie ab. Amira J. hat von ihrem Knast-Taschengeld 320 Euro gesammelt und würde diese gerne als Entschuldigung anbieten. 200 täten es genauso, sagt H. ohne Zögern, „Sie sind ja schon gestraft genug“, 200 bedeuteten 50 für jedes Enkelkind, das passe schon.

Ganz so generös ist das Amtsgericht nicht. Es verurteilt Amira J. zu anderthalb, Hashim A. zu zwei Jahren Freiheitsstrafe – ohne Bewährung. Allerdings könne die Haftstrafe jederzeit ausgesetzt werden, sobald sie oder er einen Platz in einer stationären Therapie vorweisen. (Stefan Behr)

Auch interessant

Kommentare