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Hoch oben in den Weiden werden die Fledermauskästen aufgehängt.

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Abendsegler haben bald Seeblick

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Fledermäuse können sich am Bügel über neue Unterkünfte freuen.

Fledermäuse brauchen Freunde. Im Frankfurter Norden haben sie einige, und die treffen sich am Donnerstag in der schönsten Morgensonne am Bügel, um neue Häuser zu errichten – acht Fledermäusehäuser. Eine aufsehenerregende Aktion in herrlicher Umgebung, von der Architektur mal abgesehen.

Die Sache ist nämlich die: Seit Jahren kämpft die Bürgerinitiative Am Bügel für Klimaschutz im Quartier und für die Artenvielfalt. Letztere schien den Bürgern akut bedroht, als die Sanierung der Häuser in der Nähe des großen Teichs angekündigt wurde. In den Nischen dieser Häuser wohnen nämlich: Fledermäuse.

Also setzten sich die Leute um Birgit Schäfer und Edeltraud Schwind mit den Behörden in Verbindung, später wandte sich Christa Mehl-Rouschal vom Umweltamt an Bernd Merkle vom Nabu, und da war sie genau an der richtigen Adresse. Merkle ist schließlich einer der besten Verbündeten der Fledermäuse. Aber er war auch überrascht.

„Das hätte ich überhaupt nicht erwartet“, sagt der Mann vom Frankfurter Naturschutzbund (Nabu): „Hier ist ja mit Fledermäusen richtig was los.“ Er stellte sogar fest, dass es eine direkte Flugverbindung zum Alten Flugplatz gibt – und dass es sich um drei Fledermausarten handelt, die am Bügel leben: Zwergfledermaus, Abendsegler und die Wasserfledermaus, die quasi im Vorüberfliegen schnappt, was auf dem Teich schwirrt.

Das alles lässt sich in Ruhe erzählen, weil etwas fehlt: die neuen Fledermäusehäuser. Großraumkästen von Schwegler, schwärmt Bernd Merkle, stabil aus Holzzement, unten offen, mit verschiedenen Klimazonen, damit die Bewohnerchen stets dort herumhängen können, wo es gerade am angenehmsten ist. Und wo sind sie? Im Stau.

Der Donnerstagmorgen im Frankfurter Norden: ein einziger Stau. Die Leute vom Grünflächenamt, Franck Vargnier, der Baumkontrolleur, und Holger Alt, der Bezirksleiter, warten auf die Lieferung, um sie an acht sorgfältig gewählten Bäumen zu befestigen, kräftigen Weiden. „So ein Kasten wiegt schon was“, sagt Vargnier.

Die meisten Fledermäuse kommen jetzt aus ihren Winterquartieren zurück und die Haussanierungen am Bügel haben noch nicht begonnen – ein guter Zeitpunkt also, die neuen Kästen anzubringen.

Bernd Merkle hat auch eine Info-CD fürs Quartiersbüro dabei und der Nabu plant auch, den Ort mit dem Gütesiegel „Fledermausfreundliches Haus“ auszuzeichnen. Regelmäßige Führungen sollen folgen, und dies alles, so die Hoffnung, möge die Anwohner noch mehr für die Natur sensibilisieren. Das Interesse ist jedenfalls da.

Zur Auftaktführung begrüßte Merkle 30 Teilnehmer. Auch am Donnerstag bleiben viele Leute stehen und fragen, was da los sei. „Fledermäuse?“, fragt eine Dame. „Dass die uns nur nicht ins Schlafzimmer fliegen!“ Der Schwägerin sei das mal passiert. Kenner wissen aber: Wo die Maus reinfledert, da fledert sie auch wieder raus.

„Das ist ein Supergebiet für Fledermäuse“, lobt Merkle den bei Unkundigen oft verpönten Ort. „Man kann nicht erwarten, dass die Leute sorgfältig mit etwas umgehen, wenn man ihnen nix gibt“, sagt Holger Alt. Information ist wichtig, und das Gefühl, ein Nachbar der fürs Binnenklima und die Biodiversität unverzichtbaren Fledermaus zu sein. Die Bürgerinitiative erhofft sich auch weiteren Zuwachs an Lebensqualität, wenn die Autobahnabfahrt Kalbach zurückgebaut und begrünt ist. Aber Sie entschuldigen, die Kästen sind eingetroffen. Es gibt Arbeit.

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