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Altenpflegerin Denise Feinbube im Hufelandhaus. 

Porträt

Frankfurter Pflegerin über Corona-Krise: Abendliches Klatschen reicht nicht

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Pflegerin Denise Feinbube aus Frankfurt jammert trotz hoher Belastung nicht. Unabhängig von der Corona-Krise erwartet sie mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitet sich auch in Frankfurt.
  • Bis zum 29. März zählt das Hessische Sozialministerium 352 Infektionen und 2 Tote in Frankfurt.
  • Pflegekräfte sind besonders gefordert - Denise Feinbube ist eine von ihnen und arbeitet in Seckbach.

Frankfurt - Es sind oft Kleinigkeiten, mit denen Denise Feinbube den Bewohnern des Hufelandhauses ein Lächeln entlockt. „Ich kenne ihre Eigenheiten und weiß, wie ich ihnen eine Freude machen kann.“ Und das versucht die examinierte Altenpflegerin jeden Tag. Sie kann genau sagen, wer seinen Kaffee schwarz trinkt oder mit zwei Stückchen Zucker, dass eine Dame kein Putenfleisch isst oder wer gerne mit einer kleinen Massage eingecremt wird. Seit 2008 arbeitet Feinbube in dem Alten- und Pflegeheim in Seckbach, absolvierte dort auch ihre dreijährige Ausbildung und ist seit sieben Jahren als Wohnbereichsleiterin tätig.

Auf ihrer Station „Riederwald“ betreut sie mit ihrem Team 35 Menschen auf drei Stockwerken. Manche sind noch recht selbstständig, andere brauchen umfangreiche Hilfe, einige sind körperlich eingeschränkt, einige dement. Natürlich versorgt Feinbube die Bewohner nicht nur mit Essen, sie wäscht sie, zieht sie an, kümmert sich um Arztkontakte und Medikamente. Und um den Dienstplan. Doch die 31-Jährige macht noch viel mehr.

Pflegerin aus Frankfurt über Corona-Krise: Keine Angst um eigene Gesundheit

Im Moment sind Besuche wegen des Coronavirus* untersagt. Schilder am Eingang des Gebäudes weisen darauf hin, die Türen sind geschlossen. Auch Gruppenaktivitäten gibt es im Moment keine. Das Personal trägt nun Mundschutz zusätzlich zu Handschuhen. Die meisten Senioren hätten die Einschränkungen einsichtig aufgenommen, sagt Denise Feinbube. „Viele Bewohner haben mehr Gesprächsbedarf, das merkt man.“ Es werde auch öfter telefoniert als sonst. Wenn sie traurig seien, müsse man das auffangen.

Angst um ihre eigene Gesundheit hat Feinbube nicht, eher davor, dass sie den Virus mit ins Heim bringt. Sie passe aber auf und zu Hause umgäben sie nur ihre zwei Katzen. Mit den Tieren kann Feinbube abschalten, genauso wie auf ihrem Motorrad. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sie den Führerschein gemacht. Oft fährt sie einfach los, mit Navi, aber nicht immer mit Ziel.

Pflegerin aus Frankfurt: Oft mit dem Tod konfrontiert - schon vor Corona

Ihre Jobwahl hat die gebürtige Thüringerin, die in Seckbach lebt, nie bereut. Wer den Beruf nicht wirklich machen wolle, höre nach kurzer Zeit wieder auf. Für sie sei es eine Herzenssache. „Ich wusste, ich wollte mit Menschen arbeiten, ein Bürojob ist nichts für mich“, erklärt Feinbube. Besonders schätzt sie die Nähe zu den Bewohnern, die die Pflegerinnen, anders als etwa im Krankenhaus, lange begleiten. Aber man müsse sich auch abgrenzen, denn schließlich sei sie oft mit dem Tod konfrontiert. „Irgendwann gehen die Leute, das darf einem dann nicht zu nahe gehen.“ Für manche ist sie Familienersatz. Und auch die Angehörigen begleite sie mit.

Bleibt denn genug Zeit, um für jeden da zu sein? „Die Zeit nimmt man sich.“ Wenn man merke, dass ein Bewohner mehr Bedarf zum Reden habe, dann helfe sich das Team gegenseitig und die Kollegen nähmen einem einen Teil der Arbeit ab. Natürlich gebe es auch stressige Tage, sagt sie. Aber Denise Feinbube ist keine, die jammert.

Pflegerin aus Frankfurt wünscht sich höheren Stellenwert für ihre Arbeit

Dabei ist doch die Pflegebranche bekannt für schlechte Bezahlung, viele Überstunden, Nachtschichten und große Belastung. Sie selbst müsse glücklicherweise nur Wochenendschichten übernehmen, sagt Feinbube. Wenn alle ihre Kollegen da seien, seien sie zu fünft auf der Station, das funktioniere, beschreibt sie pragmatisch. Aber natürlich wäre es besser, wenn sie mehr Personal hätten oder monatlich mehr Geld auf das Konto der Pflegenden komme.

„Die Arbeit in der Pflege ist sehr wichtig, ich finde schon, dass sie einen höheren Stellenwert haben sollte“, sagt Feinbube. Viele würden nicht den ganzen Umfang sehen, wenn sie sich nicht näher mit dem Beruf beschäftigt hätten. Man habe eine große Verantwortung, nicht zu vergessen die seelische Komponente. Da fehle die Wertschätzung manchmal.

Frankfurter Pflegerin über Corona-Krise: Abendliches Klatschen reicht nicht

Das abendliche Klatschen der Bevölkerung, der symbolische Applaus, reiche da nicht. „Wir haben uns schon immer eingesetzt, jetzt ist es nur noch brenzliger.“ Lobhudelei erwartet Denise Feinbube gar nicht. Ihrer Ansicht nach müsse der Staat da einfach mehr machen. Die Bedingungen und den Pflegeengpass gebe es schließlich nicht erst seit heute. Es brauche auch mehr ausgebildete Fachkräfte.

Die Altenpflegerin hofft, dass durch die momentane Aufmerksamkeit der Gesellschaft für die Pflegesituation ihre Arbeit präsenter wird und sich künftig etwas ändern wird.

Von Judith Köneke

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