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650 Jahre Stadtwald: Unbezahlbares Frankfurter Gut

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Von: Timur Tinç

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An den verschiedenen Ständen gibt es für jung und alt viel zu entdecken.
An den verschiedenen Ständen gibt es für jung und alt viel zu entdecken. © Oeser

Hunderte Menschen kommen am Sonntag in den Frankfurter Stadtwald, um sein 650-jähriges Jubiläum zu feiern. Forstchefin Tina Baumann und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig betonen, dass der Klimawandel dem Wald zusetzt und er geschützt werden muss.

Ein älterer Mann sieht die Schlange und stöhnt in Richtung seiner Gruppe, „ach du Gott. Ich hab’s geahnt“. Es kommt nicht alle Tage vor, dass im Frankfurter Stadtwald Wildbratwurst verkauft wird. Und wenn dann auch noch das 650-Jahre-Fest des Waldes gefeiert wird, muss man ein wenig Zeit mitbringen. Mehrere Hundert Menschen sind am Sonntagmittag schon in den Wald gekommen, den Kaiser Karl im Jahr 1372 für 8800 Gulden an Frankfurt verkauft hat. „Heute ist der Stadtwald ungefähr 300 Millionen Euro wert“, sagt Tina Baumann, die Abteilungsleiterin Stadtforst im Grünflächenamt. Das seien ungefähr 300 Stadtvillen. In kleineren Städtchen vielleicht, in Frankfurt gibt es mittlerweile Wohnungen, die mehr als eine Million Euro kosten.

Eigentlich ist der Wert eines Waldes auch unbezahlbar, wie Baumann weiter ausführt: „Er ist unser Erholungsraum und unsere Klimamaschine. Er bindet CO2 und er liefert Sauerstoff.“ Aber, durch die viel zu heißen Sommer leidet der Wald, 70 Prozent der Bäume sind mittel bis schwer beschädigt. „Dieser Klimawandel setzt dem Stadtwald und allen Bäumen, nicht nur in Frankfurt, sondern überall sehr zu“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Dem Waldsterben in den 1980er-Jahren habe man noch mit technischen Innovationen entgegenwirken können, nun müssten die CO2-Emissionen drastisch gesenkt werden, um die Natur zu schützen. „Wir wollen, dass der Stadtwald diese Krise überlebt“, betont Heilig.

Das wollen auch die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die über den gesamten Tag verteilt in den Wald kommen. „Wir drehen hier immer die große Runde mit den Kindern“, sagt Silvano Fiannaca. Seine Frau Stephanie ergänzt, „wir gehen spazieren und die Kinder haben was zu gucken“. Gemeint sind die Tiere, die sich die Familie bei jeder Tour in den Wald anschauen. Nun sind sie gerade dabei, die Lösungen für das Quiz nach und nach zu sammeln, um vielleicht einen Preis zu gewinnen.

DAs Festprogramm

Das Fest am Sonntag war nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen zum 650-jährigen Jubiläum des Frankfurter Stadtwaldes: vom Waldkindertag am 3. Juni (Motto: „Einmal Wildschwein sein im Schwanheimer Wald“) über die Waldführung „Zum Wald der Zukunft – mit naturgemäßer Waldwirtschaft oder Prozessschutz?“ ( 16. Juni), die Wald-Kinowoche im Filmforum Höchst mit spannenden Filmen rund um das Thema Wald (16. bis 22. Juni), Insektenfest (26. Juni), Waldlesung (10. Juli), Volksradfahren (17. Juli) bis hin zur Waldführung „Zum Rohsee in den wilden Wald“ (18. September) und zum Weihnachtsmarkt am Stadtwaldhaus (19. November) reicht das umfangreiche Programm.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Stadtwaldhauses: stadtwaldhaus-frankfurt.de ill

Zu gewinnen gibt es am Stand von Andreas Flach nichts, aber dafür zu kaufen. Brieföffner, Flaschenöffner, Weinverschlüsse – „für die Jäger natürlich mit dem Patronenboden ihres Kalibers nach Wahl“, sagt der 65-Jährige. Das Gehörn kommt vom Rehwild, Damwild oder von Mufflons. „Am Staufen im Taunus leben wilde Mufflons“, erklärt Flach zwei Frauen, die verwundert sind, dass das Wildschaf hier lebt. Die Tiere würden ab und zu zur Jagd freigegeben, um den Zuwachs wegzunehmen, erklärt er. „Der Lebensraum wird ja nicht größer.“

6000 Hektar groß ist der Frankfurter Stadtwald, der auch Gebiete im Taunus umfasst. „Wir schauen ab und zu mal vorbei“, sagt Dagmar, die mit Ehemann Norbert aus Bad Vilbel gekommen ist. „Das einzig Störende ist der Fluglärm“, findet sie. Die Anlagen seien schön aufbereitet. Ehemann Norbert gefallen besonders die humoristischen Skulpturen, wie der Monsterspecht.

Deutlich kleiner sind Fledermäuse über die der Verein Fledermausschutz Südhessen informiert. „Es gibt immer noch die Vorurteile sie würden sich von Blut ernähren, was für unsere europäischen Arten nicht zutrifft“, erklärt Dirk Diehl, Vorsitzender der Vereins. Um das unter anderem zu verdeutlichen, hat er Beutel mit Kot der Fledermäuse dabei, die sich Besucherinnen und Besucher unter einem Mikroskop genauer anschauen können. Dabei ist vor allem das Chitin, der Panzer von Insekten zu erkennen, den die Fledermäuse nicht verdauen.

Tina Baumann hofft indes, dass der Stadtwald noch mindestens 650 weitere Jahre besteht. „Am liebsten würde ich noch eine Null dranhängen“, sagt sie schmunzelnd. Die Forstchefin fordert, dass man sich aktuell mehr denn je mit dem Wald identifizieren und ihn schützen müsse. „Das ist Ihr Naherholungsgebiet vor der Haustür. Seien Sie stolz darauf.“

Besonders in die Brust werfen sich dabei die Blaskapellen aus Sachsenhausen, Usingen und Offenbach. „Unsere Klänge kennt der Wald“, sagt Eberhard Weiss vom Jagdklub Sachsenhausen, bevor er Luft holt und in sein Horn bläst.

Zu einem Fest im Wald gehört ein ordentliches Blasorchester.
Zu einem Fest im Wald gehört ein ordentliches Blasorchester. © ROLF OESER

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