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22 Arbeitsplätze für 220 Menschen

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Microsoft zieht nach Frankfurt und dekoriert die Wände mit Motiven aus der Stadt

Unternehmen verlassen Frankfurt. Doch einige kommen auch in die Stadt. So wie die Niederlassung Frankfurt des Software-Riesen Microsoft. „Wir bedienen von hier aus Großunternehmen“, sagt Sonja Bozic, die die Niederlassung leitet.

Seit fast 40 Jahren ist Microsoft in Deutschland vertreten. Die Zentrale befindet sich in München, Niederlassungen gibt es in Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart, Walldorf und Frankfurt. Die Mainmetropole ist im Grunde erst seit einigen Tagen in der Liste. In den Jahren zuvor war Microsoft in einem Gewerbegebiet in Bad Homburg ansässig. Dieser Standort wurde verlassen, der Umzug nach Frankfurt führte das Team zu einer der vornehmsten Adressen, dem Messeturm.

Ein wenig erinnert das Büro auf rund 1000 Quadratmetern im 14. Stock an ein Hotel. Die Wände sind dekoriert mit Frankfurt-Motiven, die Gesprächsräume benannt nach Orten wie der Hauptwache, der Alten Oper, dem Mainufer, dem Messeturm. In kleinen, grünen Wandnischen sind Sitzgelegenheiten eingelassen, das zentrale „Restaurant“ mit Tischen und einer kleinen Küche zeigt das Schild „Trinkhalle“ hinter dem Tresen.

Skyline und Apfelwein

„Wir wollten Frankfurt-Spezifisches in die Gestaltung einbauen“, sagt Bozic. Womit ist die Stadt bekannt geworden? Da ist die Skyline, aber eben auch der Apfelwein. Microsoft bietet mehr als ein nüchternes Büro mit Kalendern an den Wänden. Die Silhouette des Eisernen Stegs ist in die Glaswände eingearbeitet, die Büros abgrenzen. Andernorts finden sich Übersetzungen vom Hessischen ins Englische. Microsoft-typisch ist eine Wand mit den Zahlen 0 und 1. Was da binär geschrieben steht, findet sich in einzelnen Zeilen, in altertümlichem Englisch: Übersetzungen von Goethes „Faust“.

Also sehr gemütlich, doch ein Büro der Zukunft zeichnet sich dadurch nicht aus. Vielmehr ist es die Aufteilung der Arbeit von zu Hause oder unterwegs und im Büro. Im Büro ist die Zusammenarbeit wichtig, Meetings und Gruppengespräche.

Lediglich 22 Büroarbeitsplätze mit Schreibtisch und Computer sind entstanden, durch Kunststoffwände vom Nachbarn getrennt. 22 Arbeitsplätze für 220 Mitarbeiter?

„Bei uns ist das nicht neu, in Bad Homburg war es nicht anders“, sagt Betriebsratsmitglied Carsten Schleicher. „Seit zwölf Jahren schon gibt es bei uns keine Büropflicht mehr.“ Wo gearbeitet wird, ist egal. Auch wann es geschieht. Am Ende müssen nur die Ergebnisse stimmen.

In vielen Unternehmen hat man mit der Corona-Pandemie diese Arbeitskultur kennengelernt, die als „Homeoffice“ eingedenglischt worden ist. In Zukunft könnte es in vielen Unternehmen so bleiben: Zumindest tageweise arbeitet man von zu Hause aus. Die Büros können dann verkleinert werden, was Kosten spart. „Technisch ist das heute kein Problem mehr“, sagt Schleicher. Erst recht nicht für den Tech-Konzern.

Ein Mitarbeiter, der derweil an der „Trinkhalle“ einen Kaffee nimmt, fürchtet: „Es könnte eng werden, jedenfalls in der Kernwoche von dienstags bis donnerstags.“ Er wohnt in der Nähe. Doch viele seiner 220 Kolleg:innen hätten ohnehin einen weiten Anfahrtsweg und bleiben deshalb zu Hause beziehungsweise bei den Kund:innen.

Microsoft wirbt Mitarbeiter:innen in ganz Deutschland an. Und wer etwa in Würzburg wohnt, ist Mitarbeiter:in in Frankfurt, auch wenn er oder sie fast nie im Büro präsent sein muss.

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