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Olaf M. Kindt leitet das Hessen-Center, in der Weihnachtszeit und das ganze Jahr über.

Bergen-Enkheim

„2021 muss alles picobello sein“

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Hessen-Center-Manager Olaf M. Kindt über den Umbau des Hessen-Centers und neue Konzepte.

Herr Kindt, im April haben Sie im Hessen-Center das Ruder übernommen. Damals sagten Sie, dass Zentrum sei in die Jahre gekommen und habe eine Frischzellenkur nötig. Seit Sommer läuft die Modernisierung. Bereuen Sie es inzwischen, den Posten angetreten zu haben?
Auf keinen Fall. Das ist eine große Herausforderung. Die Sanierung im laufenden Betrieb wird mich die kommenden drei Jahre beschäftigen. Das ist wie ein Schiff durch die raue See zu segeln. Meine Aufgabe ist es, Besucher und Mietpartner das möglichst wenig spüren zu lassen.

Das Center sollte eigentlich erweitert werden. Im Juli hat die Betreibergesellschaft ECE darunter einen Schlussstrich gezogen und beschränkt sich nun auf die Erneuerung. Noch bevor die Stadt den Bebauungsplan eingestellt hat. Sehen Sie keine Notwendigkeit mehr, das Zentrum zu vergrößern?
Doch, auf jeden Fall. Der Bedarf ist da, sonst hätten wir die Erweiterung gar nicht angestrebt. Doch wir waren am Ende der Verhandlungen angekommen und konnten nicht länger warten. 2021 wird das Hessen-Center 50 Jahre alt. Bis dahin muss alles picobello sein.

Ohne den Ausbau fehlt Platz,  etwa für große Modeketten wie Zara oder Mango, die vor allem jüngeres Publikum ansprechen. Wie gehen Sie damit um?
Im Modesektor sind wir gut aufgestellt – auch für junge Kunden. Mit knapp 40 000 Quadratmeter Fläche und 2000 Parkplätzen sind wir ausreichend gut bestückt, damit wir am Markt bestehen können. Und durch den Riederwaldtunnel werden wir in Zukunft noch besser auch an die Stadt angebunden sein.

Die Modebranche hat besonders schwer mit dem Onlinehandel zu kämpfen. Wirkt sich das im Hessen-Center aus?
Jeder hat heutzutage über sein Smartphone sein eigenes Warenhaus in der Tasche, 24 Stunden am Tag. Das ist schon lange zu spüren. Doch nach wie vor hat der stationäre Einzelhandel seine Berechtigung. Hinter den Kulissen arbeiten wir als Center-Betreiber längst an neuen Konzepten, zum Beispiel unsere kompletten Sortimente digital abzubilden.

Einen zunehmend größeren Stellenwert nimmt in Einkaufszentren die Gastronomie ein. Im Hessen-Center ist dieser Anteil relativ gering. Werden Sie in diesem Bereich ausbauen?
Bislang haben wir in der Tat noch Nachholbedarf in diesem Sektor. Den Anteil müssen wir deutlich anheben. Vor kurzem haben wir deshalb bereits ein neues asiatisches Restaurant eröffnet, im Januar kommt die Burger-Kette Milok. Vor allem im kleinteiligen Bereich fehlt uns die Vielfalt.

Im Sommer ist der Rewe-Markt ausgezogen. Seitdem fehlt ein Nahversorger. Woran liegt das?
Lange haben wir zunächst versucht, den Bestandsmieter zu halten. Das hat nicht geklappt. Viele Kunden beklagen den Weggang, für den wir derzeit leider keine Alternative haben. Doch sind wir bereits in vorangeschrittenen Mietvertragsverhandlungen. Fest steht, dass es auf jeden Fall einen Nahversorger geben muss. Derzeit können wir aber nicht genau sagen, wann ein Nachfolger kommt.

Seit dem Wegzug stehen rund 7000 Quadratmeter leer. Werden die komplett an einen Mieter vergeben?
Auch das ist noch offen. Wir gehen dabei allen Richtungen nach. Denkbar ist es auch, die Fläche etwa zu Teilen an einen Nahversorger und an ein Geschäft für Hardware zu vergeben.

Im Stadtteil wird bedauert, dass das Hessen-Center nicht erweitert wird. Auch, weil in den Neubauten eine Stadtteilbibliothek hätte integriert werden sollen. Sehen Sie da eine Alternative?
Eine Stadtteilbücherei bei uns wäre wünschenswert. Und nur weil wir nicht erweitern, ist das kein endgültiges Aus. Ich habe da die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Ihr Vorgänger hat mit dem örtlichen Einzelhandel Kontakt aufgenommen, sich etwa bei Straßenfesten beteiligt. Wollen Sie das beibehalten?
Natürlich. Derzeit denken wir darüber nach, dem Bergen-Enkheimer Gewerbeverein beizutreten. Das wäre eine gute Chance, Flagge zu zeigen. Auch das Vereinsleben wollen wir stärker integrieren – das ist identifikationsstiftend. Wir dürfen die Menschen in Bergen-Enkheim nicht vernachlässigen.

Interview: Boris Schlepper

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