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Maroder Klotz: der Blick von oben auf Oper und Schauspiel und den kargen Willy-Brandt-Platz.

Schauspiel Frankfurt

2019 gibt es keinen Beschluss zu den Städtischen Bühnen

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Was wird aus den Städtischen Bühnen? Erst gegen Ende des Jahres werden wohl Untersuchungsergebnisse zur Frage Abriss oder Sanierung vorliegen.

Die Entscheidung über die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt rückt in weite Ferne. Hatte der Leiter der städtischen Stabsstelle, Michael Guntersdorf, noch Anfang des Jahres Untersuchungsergebnisse bis Ende März angekündigt, spricht er jetzt von belastbaren Resultaten „spätestens zum Jahreswechsel“.

Diese müssten aber dann von dritter Seite noch einmal „plausibilisiert“, also erneut überprüft werden, sagte Guntersdorf im Gespräch mit der FR. Das heißt: Eine Richtungsentscheidung der Kommunalpolitik über Abriss oder Sanierung der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz wird 2019 nicht mehr fallen. Einen direkten Grund für die weitere Verzögerung nennt der gelernte Architekt nicht – er argumentiert nur, es gehe „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“.

Bei den Stadtverordneten mehren sich die Stimmen, die der Meinung sind, dass es vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 keinen Grundsatz-Beschluss mehr gibt. „Wir verlieren immer weiter Zeit – ich gehe davon aus, dass die Sache über die Kommunalwahl hinaus gezogen wird“, sagt der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck. Für dieses Szenario spricht auch, dass die finanzielle Situation der Stadt sich zum Jahresende hin verschlechtern könnte, weil die wirtschaftliche Konjunktur sich insgesamt eintrübt.

Gegenwärtig vertiefen fünf Fachfirmen, die bereits an der Machbarkeitsstudie von 2017 mitgewirkt hatten, ihre eigene Arbeit von damals. Guntersdorf spricht von 93 Fragen, die von der Stabsstelle gestellt worden sind. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die marode Haustechnik, also Heizung, Lüftung, Stromnetz, Brandschutz, Wasserversorgung und anderes ertüchtigt werden kann, ohne dass es dazu Eingriffe braucht, die einer Baugenehmigung bedürfen.

Fragen zur Verlässlichkeit der Gebäude-Statik

Weitere Fragen betreffen die Verlässlichkeit der Statik des Gebäudes, das 1963 eröffnet worden war. Die ältesten Gewölbe stammen noch von dem 1902 gebauten alten Schauspielhaus, das bei Bombenangriffen 1944 weitgehend zerstört worden war. „Wir müssen einfach wissen, was die Substanz noch hergibt“, sagt Guntersdorf.

Am Ende ihrer Untersuchungen sollen die Spezialisten eine neue Kostenberechnung vorlegen. Die ersten Kostenschätzungen für Sanierung oder Neubau aus der Machbarkeitsstudie von 2017 hatten die Stadtöffentlichkeit und die Kommunalpolitiker geschockt: Von knapp 900 Millionen Euro war die Rede. Derweil behelfen sich die Mitarbeiter der städtischen Bühnen GmbH mit Improvisationen, um den Betrieb von Oper und Schauspiel aufrecht zu erhalten. Für einige der alten Anlagen aus den 60er Jahren gibt es keine Ersatzteile mehr.

„Wenn etwas kaputtgeht, wird es ersetzt“, heißt die Formel von Guntersdorf. Er berichtet von gelegentlichen Wasserrohrbrüchen und streikenden Heizungen in der riesigen Theater-Doppelanlage. „Es fährt auch mal ein Aufzug nicht“, sagt der erfahrene Projektentwickler, der für die Kommune schon den Bau der neuen Altstadt zwischen Dom und Römer gemanagt hat. Große Probleme wie die undichten Dächer oder die nicht wärmegedämmte Glasfassade geht man nicht an. Die Reparaturen bezahlen die Fachleute der Bühnen GmbH aus einem „Instandhaltungsbudget“ für das Gebäude. Es sieht Ausgaben von bis zu zwei Millionen Euro im Jahr vor.

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