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Karin Guder steht dem Ortsbeirat 3 vor.

Das Jahr im Ortsbeirat 3

2018 im Nordend

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Das Jahr im Ortsbeirat 3: Vorsteherin Karin Guder spricht im FR-Interview über Verkehr, Milieuschutz und Debatten.

Karin Guder (65) ist bereits seit 2002 Ortsvorsteherin im Ortsbeirat 3, der für das Nordend zuständig ist. In den 80ern war sie Landesgeschäftsführerin der Grünen, in den 90ern Stadtverordnete in Frankfurt. Guder, geboren in Bad Freienwalde in Brandenburg, floh als Kind mit ihren Eltern aus der DDR und lebt seitdem in Frankfurt. Heute arbeitet sie als Lehrerin für Mathematik, Deutsch und Ethik an der IGS Eschersheim.

Frau Guder, nichts beschäftigte den Ortsbeirat 3 in diesem Jahr so sehr wie das Thema Wohnen. Leben Sie noch gern im Nordend?
Sehr gern sogar. Ich bin dankbar für viele langjährige Bekanntschaften und freue mich auch, wenn Leute, die neu dazu ziehen, sich integrieren und beteiligen. Ich fühle mich aber nicht wohl im Nordend, wenn ich sehe, wie Mieter willkürlich gekündigt werden, wenn schöne Gründerzeithäuser leer stehen oder wenn ich das Gefühl habe, die Strukturen hier gehen kaputt.

Zerfällt das Nordend durch die Gentrifizierung?
Von einem Zerfall würde ich nicht sprechen, aber einzelne Nachbarschaften sind sicher gefährdet. Da muss sich die Politik bemühen, dass diese Gemeinschaften nicht auseinanderbrechen. Ich sehe aber weiterhin Zeichen einer sehr engagierten Bürgerschaft, zum Beispiel, wenn Leute ihre Ideen für den Glauburgbunker vorstellen, Feste organisieren oder zu uns in den Ortsbeirat kommen.

Wie kann der Ortsbeirat der Gentrifizierung entgegenwirken?
Vor allem, indem wir Öffentlichkeit herstellen. Formal sind unsere Möglichkeiten nicht allzu groß. Aber man kann uns immer ansprechen und wir versuchen, zu vermitteln.

Sind die kürzlich verabschiedeten Milieuschutzsatzungen ein gutes Mittel?
Das ist ein richtiger erster Schritt, aber längst nicht ausreichend. Ich befürchte, dass sich jetzt zu viele Leute Hoffnungen machen. Es werden zahlreiche Wünsche kommen, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht ausübt, aber es gibt noch gar keinen großen Fonds, um das zu leisten.

Für große Kritik sorgte die Entscheidung, den Nordwesten des Stadtteils nicht in die Satzung mit aufzunehmen.
Das kann ich verstehen. Deswegen haben wir im November auch einen Antrag verabschiedet, in dem wir fordern, dass der Nordwesten dazugehören soll.

Das Gutachten für die Milieuschutzsatzungen nahm zwei Jahre in Anspruch. Wird das Gebiet also erst 2020 hinzukommen?
Das Planungsdezernat wird sicher ein neues Gutachterbüro beauftragen. Aber das untersuchte Gebiet und das Problem sind ja jetzt eigentlich bekannt. Ich hoffe, dass es schneller geht.

Diskussionen im Ortsbeirat entfachte auch das Thema Verkehr. Auf Friedberger Landstraße und Kurt-Schumacher-Straße gab es 2018 mehrere schwere Unfälle. Ist die geplante Verengung der Friedberger der richtige Ansatz?
Natürlich. Bei schönem Wetter sind bestimmt ein Drittel der Bewohner im Nordend mit dem Rad unterwegs, und die brauchen mehr Platz. Außerdem wäre es gut für die Luft, sicherer für die Radfahrer – und auch übersichtlicher für die Autofahrer, wenn die Radfahrer einen eigenen Streifen hätten.

Gibt das nicht ellenlange Staus?
Ich erwarte, dass ein Teil der Leute auf die Eckenheimer Landstraße ausweicht. Außerdem hatten wir im Ortsbeirat die Idee, an der Friedberger Warte einen Park-and-Ride-Platz zu schaffen.

Glauben Sie, dass das angenommen wird?
Wenn es bequem möglich ist, kann das attraktiv sein. Man könnte zum Beispiel das Parkticket mit einem U-Bahn-Fahrschein kombinieren. Man muss so etwas einfach ausprobieren. Aktuell ist es für niemanden ein Vergnügen, für Autofahrer, Radfahrer und Anwohner nicht. So geht es nicht weiter.

Wie kriegt man die vielen Autos aus dem Nordend raus?
Wir sind einer der am besten erschlossenen Stadtteile. Wir haben die U4 und U5, die Straßenbahn 12, mehrere Buslinien. Die Taktung ist hoch, die Fußwege sind kurz. Mit dem Auto hat man wenig Komfort im Nordend. Dafür müsste man noch ein größeres Bewusstsein schaffen.

Erfreulicher verlief die Neugestaltung des Holzhausenparks. Mehr als 500 Kinder wurden nach ihren Wünschen befragt, im Oktober haben Grundschüler den neuen Zaun selbst bemalt. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?
Ich finde es sehr gelungen. Das war eine tolle gemeinschaftliche Anstrengung von Kinderbüro, Ortsbeirat, Grünflächenamt und Bürgerstiftung. Mein Anliegen als Ortsvorsteherin ist immer, die Einrichtungen des Nordends zusammenzuführen. Man organisiert sich, um gemeinsam ein gutes Ergebnis zu finden – da lernen die Kinder auch, wie Demokratie funktioniert.

Der Ortsbeirat 3 tendiert dazu, in lange Grundsatzdiskussion abzudriften. Wünschen Sie sich für 2019 etwas mehr Zielstrebigkeit im Sinne der Sache?
Wir haben oft spannende Debatten, aber ich wünsche mir, dass wir manche Anträge ein bisschen zeitnaher verabschieden. Es bringt ja nichts, wenn die Stellungnahmen des Magistrats erst dann kommen, wenn die Dinge schon entschieden sind. Vor allem bei Beschlüssen, bei denen wir uns einig sind, könnten wir etwas zügiger vorgehen.

Interview: Manuel Schubert

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