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Demo linker und antifaschistischer Gruppen: „Wir sind 100 Jahre Antifa“.
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Demo linker und antifaschistischer Gruppen: „Wir sind 100 Jahre Antifa“.

Antifa

1500 Menschen bei Antifa-Demo in Frankfurt

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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  • Hanning Voigts
    Hanning Voigts
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Unter dem Motto „Wir sind 100 Jahre Antifa“ ziehen am Freitag 1500 Menschen durch die Innenstadt. Die befürchtete Konfrontation mit der Polizei bleibt aus.

Rund 1500 Menschen haben sich am Freitagabend in Frankfurt an einer antifaschistischen Demonstration mit dem Motto „Wir sind 100 Jahre Antifa“ beteiligt. Der Aufzug, zu dem unterschiedliche linke und migrantische Gruppen aufgerufen hatten, sammelte sich ab 18 Uhr am Saalbau Gallus und zog über die für den Verkehr gesperrte Mainzer Landstraße in Richtung Innenstadt. Viele Teilnehmer:innen waren vermummt und trugen schwarze Kleidung, aus dem Aufzug wurde mindestens ein Rauchtopf gezündet. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und hatte auch einen Wasserwerfer aufgefahren, hielt sich aber zurück und war am Protestzug selbst kaum zu sehen. Die Lage blieb friedlich, gegen 21 Uhr löste sich die Demonstration auf.

Anlass für die Demonstration waren die Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 und die Gründung erster antifaschistischer Gruppen vor 100 Jahren in Italien. Der Aufzug begann am Saalbau Gallus, um an den Frankfurter Antifaschisten Günter Sare zu erinnern, der dort im September 1985 bei Protesten gegen die rechtsextreme NPD von einem Wasserwerfer überrollt und im Alter von 36 Jahren getötet worden war.

Die Arbeit autonomer antifaschistischer Gruppen werde bis heute immer wieder mit staatlicher Repression überzogen, kritisierte ein Aktivist des „Offenen Antifaschistischen Treffens“, das die Demonstration organisiert hatte, bei der Auftaktkundgebung im Gallus. Das Ziel der Antifa-Bewegung sei nicht nur die Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus und Neonazis, sondern auch der „Umsturz der kapitalistischen Verhältnisse“.

Gleichzeitig sei es wichtig, dass linke Aktivist:innen einander unterstützten und über ihre eigene rassistische und sexistische Sozialisierung nachdächten, so der Redner. „Antifa heißt auch Selbstreflexion.“ Da man aus der deutschen Geschichte wisse, „zu was dieses Land und dieses Volk fähig sind“, müsse man sich an dem von Theodor W. Adorno formulierten kategorischen Imperativ orientieren, so zu handeln „dass Auschwitz nicht noch einmal sei“.

Eine Rednerin vom linksradikalen Bündnis, dass am 1. Mai eine „revolutionäre“ Demonstration organisiert hatte, kritisierte mit scharfen Worten die gewaltsame Auflösung des Aufzuges. Die Polizei wiege „Schwerverletzte als verhältnismäßig gegen ein paar Rauchtöpfe auf“, sagte sie. Die Einsatzkräfte hätten die Lage gezielt eskaliert. Als der Aufzug losging, wurden Parolen wie „Siamo tutti antifascisti“ (Wir sind alle Antifaschist:innen) skandiert, aber auch „Frankfurt ohne Polizei wär schon lange nazifrei“. Es waren auch Sprüche gegen Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) zu hören.

Im Vorfeld der Demonstration hatte es Befürchtungen gegeben, dass es erneut zu Ausschreitungen kommen könnte. Am 1. Mai war es nach einer linken Demonstration mit fast 4000 Teilnehmer:innen zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und Demonstrierenden gekommen, dabei waren mehrere Demoteilnehmer:innen durch Pfefferspray und Schlagstöcke und laut Polizei 13 Polizist:innen verletzt worden.

Das Demobündnis und Demosanitäter:innen hatten der Polizei im Anschluss überzogenen Einsatz von Gewalt vorgeworfen, die Polizei hatte dagegen betont, verhältnismäßig vorgegangen zu sein. Vor dem gewaltsamen Abbruch des Aufzuges seien Beamt:innen mit Steinen und Flaschen beworfen worden, die von Demosanitäter:innen geschilderten Verletzungen habe es zum Teil gar nicht gegeben.

Der harte Polizeieinsatz hatte weit über die linke Szene hinaus für Empörung gesorgt, etwa bei den Frankfurter Grünen und beim Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein. Die Frankfurter CDU stellte sich dagegen am Freitag eindeutig hinter die Polizei. „Wenn Straftaten begangen und Einsatzkräfte angegriffen werden, dann muss die Polizei einschreiten“, sagte der CDU-Stadtverordnete Martin-Benedikt Schäfer. Die Gewaltvorwürfe gegen die Polizei zielten darauf ab, „die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten gezielt zu diskreditieren“. Wie auch die Grünen sprach die CDU sich dafür aus, verstärkt eigene Demobeobachter:innen zu entsenden, um selbst ein Bild von Versammlungslagen zu bekommen.

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