CoronaTestCenter20_200820
+
Durch die hohe Anzahl an Infizierten in der Unterkunft stieg die Inzidenz am Freitag sprunghaft von 25,3 auf 41,4.

Coronavirus

114 Corona-Infizierte in Gemeinschaftsunterkunft in Frankfurt

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen
  • Stefan Simon
    Stefan Simon
    schließen

Hohe Infektionszahl wohl wegen Nichteinhaltens der Hygieneregeln und der Maskenpflicht. Frankfurt erreicht somit die dritte Eskalationsstufe. Einen Infektionsfall gibt es auch in einem Flüchtlingsheim in Darmstadt.

In einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete, osteuropäische EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie Obdachlose haben sich nach Angaben des Gesundheitsdezernats bisher 114 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Betroffenen seien in andere Unterkünfte in Quarantäne gebracht worden, sagte Kirsten Gerstner, Sprecherin des Gesundheitsdezernats.

Nach Angaben der Stadt stieg durch den Ausbruch am Freitag die Zahl der Neuinfektionen auf 41,4 in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Am Sonntag ging der Wert leicht zurück auf 38,3. „Wir befinden uns in der dritten Eskalationsstufe. Das Infektionsgeschehen ist nicht in der breiten Fläche zu finden, sondern kann zu einem erheblichen Teil auf ein konkretes lokales Ereignis eingegrenzt werden“, sagte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Freitag. Das Konzept der hessischen Landesregierung sieht beim Überschreiten der dritten Warnstufe bei einem Wert ab 35 „erweiterte Maßnahmen“ und eine Einbindung des Planungsstabs im Ministerium vor. Am Donnerstag hatte die Inzidenz in Frankfurt noch bei 25,3 gelegen.

Der Ausbruch in der Gemeinschaftsunterkunft ist nach Angaben des Gesundheitsdezernats auf einen Ausbruch in einem Postverteilungszentrum außerhalb von Frankfurt zurückzuführen, wodurch es zu vielen Infizierten in und außerhalb des Landkreises Offenbach kam. „Die hohen Infektionszahlen sind offensichtlich auf das Nichteinhalten der Hygieneregeln und der Maskenpflicht zurückzuführen“, sagte Gerstner.

Mehr als die Hälfte der Infizierten hätten nur leichte Beschwerden. Zwei Personen hätten ausgeprägte Beschwerden und würden regelmäßig ärztlich untersucht. Eine Person werde mit einer schweren Grunderkrankung in der Uniklinik behandelt. Zur schnellen Eindämmung des Infektionsgeschehens führe das Gesundheitsamt alle erforderlichen Maßnahmen durch, heißt es weiter. In der betroffenen Einrichtung werden Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende getestet. Darüber hinaus arbeitet das Gesundheitsamt zusammen mit dem Träger der Unterkunft daran, dass die Hygienevorschriften und die Maskenpflicht strikt eingehalten werden.

Kritik an Vorgehen der Stadt

Timmo Scherenberg vom Hessischen Flüchtlingsrat sagte, der Ausbruch zeige die generelle Problematik großer Gemeinschaftsunterkünfte auf. „Es war absehbar, dass es wieder in einer Unterkunft zu einem Corona-Ausbruch kommt“, sagte er. Mit Blick auf die Herbst- und Wintermonate müsste die Belegung in den Unterkünften in den nächsten Wochen dringend deutlich reduziert werden. „Wenn die Stadt nichts unternimmt, dann werden die nächsten Monaten fatal“, prophezeit Scherenberg.

Auch Dominike Pauli, Fraktionsvorsitze der Linken im Römer, übt scharfe Kritik an dem Vorgehen der Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. „Die Stadt verschenkt Zeit statt sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen.“ Der Platz und das Geld sei da. „Wir haben die Möglichkeiten, die Leute in leerstehende Büros, Hotels und Jugendherbergen zu verteilen. Es kann so nicht weitergehen, die Menschen auf so engem Raum unterzubringen“, sagte Pauli.

Die Bereitschaft, Wohnsitzlose in den Jugendherbergen aufzunehmen, sei da, versicherte Nico Lorenz, Vorstandsmitglied der Deutschen Jugendherbergen Hessen (DJH). „Wir haben freie Kapazitäten und sind generell offen. Es kommt nur auf die Anzahl der Personen und die Auslastung unserer Häuser an“, sagte Lorenz. Bisher habe die DJH Hessen weder für Frankfurt noch für das Rhein-Main-Gebiet eine Anfrage vonseiten der Stadt Frankfurt erhalten.

Auch in Darmstadt hat sich ein Mensch aus einer Flüchtlingsunterkunft mit dem Coronavirus infiziert. Das Darmstädter Gesundheitsamt teilte am Freitag mit, neben der positiv getesteten Person befänden sich noch sechs weitere Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Bewohnerinnen und Bewohner würden vom Sozialdienst betreut.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare