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Kurator Thorolf Müller mit einer Tiefsee-Flügelschnecke. Im Hintergrund: So soll’s mal werden.

Ausstellung

11.000 Meter unter dem Meeresspiegel

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Im Senckenberg-Museum entsteht eine neue Tiefsee-Abteilung.

Au Backe – der Fangzahnfisch! Hat die längsten Zähne von allen Viechern. Aber nur in Relation zur Körpergröße. Und wie er da herumhängt in einem Gläschen in der Hand von Senckenberg-Kurator Thorolf Müller: Sehr beängstigend sieht er nicht aus. Da werden ganz andere kommen in der neuen Tiefsee-Dauerausstellung bei Senckenberg.

Die weltberühmten Frankfurter Naturforscher bauen ja seit Jahren ihr Domizil um, expandieren auf den Uni-Campus Bockenheim, und langsam sieht man auch, dass sich was im Museumsteil tut. Die Haie sind umgezogen in den Saal mit der grandiosen Wand „Faszination Vielfalt“, denn die Tiefsee und die Meeresforschung brauchen den Platz. Beide neuen Abteilungen sollen bis Weihnachten in der zweiten Museumsetage eröffnet sein, sagt Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg-Direktorium. Ein Jahr später folgen die Riffe.

„Es werden Räume zum Staunen und Erschrecken“, kündigt die Leiterin des Wissenschaftsprogramms an, aber auch Räume der Begegnung zwischen Bürgern und Fachleuten: „Unser Schaufenster zur Forschung.“ Hindurch glotzen dann „bizarre Kreaturen“, verspricht Thorolf Müller und stellt schon mal ein paar vor.

Der erwähnte Fangzahnfisch ging 2009 vor Brasilien ins Netz, „mit all seiner Monstrosität“, sagt Müller. Der kleine Fisch kann sich ja nicht mehr wehren. Fast zärtlich wird dagegen die Flügelschnecke begrüßt, die in ihrem Kalkgehäuse CO2 bindet. Leider schickt ihr der Mensch zu viel CO2 und macht so ihre Embryos krank. Welch treffendes Beispiel für unseren Umgang mit der Natur, die uns eigentlich helfen würde, wenn wir sie nur ließen.

„Wir kennen nur Bruchteile der Tiefsee, aber wir kommunizieren täglich durch sie per Seekabel“, sagt Müller. Ein 1850 von Irland nach Neufundland verlegtes Kabel lieferte per Zufall den Nachweis, dass es Leben gibt in mehr als 3000 Metern Tiefe. Später schauten Forscher in Tauchkugeln und U-Booten nach, was da unten los ist. Die Geräte wird es in der Tiefsee-Schau zu sehen geben – und zu probieren. Zwar ohne Wasser, aber authentisch, verspricht Müller. Sogar das Tauchboot „Deepsea Challenger“, das 2012 den fast 11 000 Meter tiefen Grund im Marianengraben erreichte.

Von den Decken hängen dann beispielsweise Modelle von Riesenkalmaren, sogar echte Tentakel und Augen, darunter grüßt die spektakuläre Alarmqualle, die sich selbst in einen Scheinwerfer verwandeln kann, je nach Bedarf rot bei Gefahr oder grünblau zur Partnersuche. „Das ist nicht so einfach in der Tiefsee“, sagt Thorolf Müller. Wie so vieles, inklusive Umweltschutz. Großes Thema.

Auch nicht so einfach: die Finanzierung des neuen Museums. Senckenberg muss ja die rund 55 Millionen Euro selbst aufbringen und hofft weiter auf Spenden (die-welt-baut-ihr-museum.de). „Ohne öffentliche Hilfen wird es kaum zu schaffen sein“, rechnet Katrin Böhning-Gaese. Die Planer sind daher mit dem Bund und dem Land Hessen im Gespräch, die bereits die Erweiterung der Forschungsabteilung finanzierten.

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