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Verletzte Demonstrierende nach der Demonstration zum 1. Mai in Frankfurt. Foto: Renate Hoyer
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Verletzte Demonstrierende nach der Demonstration zum 1. Mai in Frankfurt.

Demonstration in Frankfurt

Polizeieinsatz am 1. Mai: „Uns sind die Kühlpacks ausgegangen“

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Eine Demo-Sanitäterin berichtet von ihrem Einsatz am 1. Mai in Frankfurt. Die Polizei sei brutal und ohne Rücksicht auf Verletzte gegen linke Demonstrierende vorgegangen.

Laura, Sie sind Intensivkrankenschwester und waren als Sanitäterin auf der 1.-Mai-Demo in Frankfurt. Wie haben Sie den Tag erlebt?

Am Anfang war ich sehr begeistert, weil es eine große, kraftvolle, laute Demo war. Es gab ein paar Rauchtöpfe und Fackeln in der Taunusanlage, aber die dienten primär den Bildern und wurden nicht auf irgendwen geworfen.

Später ist die Lage dann völlig eskaliert. Wie kam es dazu?

Mir war völlig unklar, warum es überhaupt diesen Angriff auf die Demo gab, die ja eigentlich gerade an ihrem Endpunkt angekommen war. Zumindest aus meiner Wahrnehmung gab es keinerlei Provokationen aus der Demo heraus. Aber die Ereignisse haben sich dann trotzdem überschlagen, weil Polizisten wahllos auf Menschen eingeschlagen haben, und zwar auch mit Teleskopschlagstöcken und auch auf Kopfhöhe. Man muss vielleicht noch dazu sagen, dass die Eskalation am Haus Gallus stattgefunden hat, wo 1985 der Antifaschist Günter Sare von einem Wasserwerfer totgefahren wurde.

Zur Person

Laura (59) ist Intensivkrankenschwester und seit vielen Jahren in Frankfurt als Sanitäterin auf linken Demonstrationen unterwegs. Eigentlich heißt sie anders, ihr wirklicher Name ist der Redaktion bekannt.

Was haben Sie selbst an Verletzungen gesehen?

Es gab so viele mittlere Kopfverletzungen, dass uns irgendwann die Kühlpacks ausgegangen sind, die wir zum Kühlen von Schlagstock-Verletzungen verteilen. Ansonsten gab es mindestens drei schwere Kopfverletzungen, davon zwei Schädelbasisbrüche. Die dritte Person war nicht mehr in der Lage, gezielt zu sprechen, muss also auch ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine Gehirnerschütterung erlitten haben. Ansonsten weiß ich von vier Arm- oder Handbrüchen. Einem Mann stand ein gebrochener Knochen aus dem Ellenbogen heraus, und er wurde trotzdem in die Gefangenensammelstelle gebracht, wo er zunächst keinerlei ärztliche Behandlung bekommen hat. Er wurde erst spät abends mit seinem gebrochenen Arm entlassen, und wir haben ihn noch in die Klinik gebracht.

Was haben Sie noch gesehen?

Ansonsten wurde relativ wahllos Pfefferspray in die Menge gesprüht, teils direkt in die Augen. Wir haben Augen ausgespült ohne Ende. Dann gab es einen jungen Mann, der schwer gekrampft hat und auf dem Boden lag – ich habe später erfahren, dass er auch einen Schädelbasisbruch erlitten hatte. Obwohl wir als Demo-Sanis gekennzeichnet waren, durften wir erst nicht zu ihm. Wir mussten immer wieder darum kämpfen, zu den Verletzten zu kommen. Ich bin selbst von Beamten getreten worden und bin am ganzen Körper blau. Die Beamten sind über uns drüber gerannt, während wir Verletzte versorgt haben. Die haben keinerlei Rücksicht auf am Boden liegende, blutende Menschen genommen.

Hat es einen ähnlichen Einsatz in den vergangenen Jahren in Frankfurt überhaupt gegeben?

Die letzten Sachen, die annähernd ähnlich waren, war halt bei Blockupy 2013. Ansonsten erinnert das eigentlich eher an den G20-Gipfel in Hamburg und nicht an Frankfurt. (Hanning Voigts)

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