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Sie fragen – Franka antwortet!
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Sie fragen – Franka antwortet!

Corona-Pandemie

Streit um Corona-Impfung im Freundeskreis – Wie geht man damit um?

Liebe Franka, es macht mich sehr betroffen, wie derzeit der Streit um die Corona-Impfung bei uns im Freundes- und Bekanntenkreis eskaliert. In meinem Dunstkreis sind etwa drei Viertel der Menschen bereits doppelt geimpft, ein Viertel weigert sich aus verschiedenen Gründen. Theoretisch finde ich, es sollte eine persönliche Entscheidung sein und bleiben.

Praktisch ärgert mich aber die Rücksichtslosigkeit der Impfgegner:innen. Wir haben drei ungeimpfte Kinder, unser ältester Sohn (16) ist Risikopatient und darf nicht geimpft werden. Gerne würde ich aufklären, aber da ernte ich noch mehr Abwehr. Wie soll ich, wie sollen wir damit umgehen?

FR7-Leser Frederic (42 )

Lieber Frederic, da stellen Sie mir die Gretchenfrage des Spätsommers 2021. Wie hältst du es mit dem Impfen? Oder besser: Wie hältst du es mit dem Streit ums Impfen, mit dem Missionieren, mit der Solidarität? Kaum ein Thema versetzt die Menschen mehr in Aufruhr, seit es nicht mehr die Frage ist, wer wann einen der begehrten Impftermine überhaupt ergattern konnte. „Die Gerlinde will sich nicht impfen lassen“, raunen sich die einen zu. „Die Kollegin der Nachbarin von Stefan hatte eine Herzmuskelentzündung nach der ersten Biontech-Impfung, das ist doch Wahnsinn, und jetzt noch bald die Kinder...“, heißt es auf dem anderen Grillfest. Das I-Wort spaltet weltweit Freundes- und Kollegenkreise, Familien und Nachbar:innen. Da sind Sie nun wirklich nicht allein.

Es ist vertrackt. Schon die Art, wie wir miteinander kommunizieren, kann zu Konflikten führen. Ein sanftes Annähern ans Thema oder gar ein elegantes Umschiffen scheint kaum möglich. Etwa, wenn man sich verabreden will: Können wir uns drinnen treffen? Sprich: Bist du geimpft? Oder noch nicht? Ja, nein – warum, warum nicht? Zack, schon ist man mittendrin im Abklären. Im ich hier, du da.

Klar, die Impfung eines größtmöglichen Teils der Bevölkerung ist sicher der Königsweg – nicht aus der Pandemie, denn Corona wird uns noch weiter begleiten. Aber hin zu einem Zustand, in dem wir das Virus in Schach halten können. Das Problem beim Thema Impfen: Die Entscheidung jedes Einzelnen hat auch eine gesellschaftliche Relevanz. Sie ist persönlich, aber nicht privat. Aber was, wenn die unterschiedlichen Meinungen echte Streitsituationen im Umfeld hervorrufen? Sollte man das Gespräch suchen, damit sich die Lage entspannen kann?

Der Bochumer Psychologe Rolf Schmiel rät: „Die Haltung ist immer wichtig. Man kann quasi sagen, dass der psychisch Stabilere nachgeben sollte. Heißt: In dem Moment, wo ich vielleicht merke, dass mein Gegenüber eine sehr festgefahrene Meinung hat, macht ein Gespräch keinen Sinn.“ Allerdings warnt er davor (und da bin ich ganz bei ihm), dass niemand sein Gegenüber offensichtlich für blöd halten solle. „Wenn man die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner spüren lässt, dass er oder sie ‚keine Ahnung hat‘, ist man auf unangenehme Weise wertend.“ Die Offenheit, die man von der anderen Person erwartet, sollte man auch selbst gewillt sein zu geben. „In der Psychologie nennt sich das ‚Verstehen, um verstanden zu werden‘. Das ist die wichtigste Grundhaltung, die bei einem solch schwierigen Gespräch die größte Rolle spielt.“

Ich würde Ihnen stattdessen raten, Fragen zu stellen. Warum haben die anderen den Eindruck, dass niemand über Impfschäden spricht? Warum denken sie, dass das Erbgut verändert wird? Warum haben sie solche Angst? Rüsten Sie sich mit wissenschaftlichen Fakten. Aber: Horchen Sie auch ganz genau in sich hinein, warum Sie das Gespräch überhaupt suchen. Wollen Sie wirklich helfen? Oder vor allem sich selbst als moralisch überlegen darstellen? Beides ist höchst menschlich.

„In der Psychologie spricht man von der sogenannten Ego-Falle. Wenn man sich nur selbstbehaupten will, kann kein fachlicher Austausch stattfinden“, sagt Rolf Schmiel. Wer dagegen ehrlich versucht, zu verstehen, nimmt Spannung aus dem Gespräch. Im besten Fall stellen Sie sogar fest, dass Sie viel mehr gemeinsam haben, als Sie denken. Schließlich sind Ihre Freundinnen und Freunde ja nicht zuletzt deshalb in Ihrem Leben, oder?

Wenn all das nicht funktioniert, bleibt nur eine Möglichkeit: sich darauf einigen, dass man sich uneinig ist. „We agree to disagree“, wie die Engländerin sagt. Mit Kolleginnen und Kollegen sollten Sie einfach auf andere Themen umschwenken, das Menü in der Kantine etwa. Bis die 2G-Regel gilt, dürfen Sie dort ja noch zusammen hingehen. (FR)

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