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"Man denkt an karge Hügel und Sedimente."

Aus Staub gemacht

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Was sich unterm Sofa findet: Elisa Jule Braun erschafft daraus abstrakte Landschaften.

Man fragt sich natürlich, wo das alles immer wieder herkommt. Dieser ganze graue Flauschkram, der sich regelmäßig in den Zimmerecken, unter Sofas, Betten und Regalen ansammelt. Aber man fragt sich das immer nur ganz kurz, denn eigentlich will man lieber gar nicht so genau wissen, dass da Hautschuppen, Milbenkot, Sockenfusseln und dergleichen mehr in unmittelbarer Nähe des eigenen Kopfkissens rumlümmeln.

Vor allem wenn die Sonne unbarmherzig durch die streifigen Fenster strahlt und gnadenlos jeden Winkel ausleuchtet, kommt man sich manchmal geradezu vor wie eine dieser Schmutzlieseln, die regelmäßig bei „Frauentausch“ von verhärmten Hygienefanatikerinnen zusammengestaucht werden. Gut, dass RTL II hier noch kein Kamerateam vorbeigeschickt hat, denkt man und kann nur hoffen, dass der Heizungsableser, der vorhin da war, nicht so genau hingesehen hat.

Die Spurensicherung könnte aus dem, was sich da immer so klammheimlich ansammelt, vermutlich allerhand herauslesen. Zum Beispiel, dass wir gerne Erdnussflips knabbern. Dass wir Socken mit Synthetikbeimischung tragen. Oder schlichtweg, dass wir nicht regelmäßig saugen.

Für Elisa Jule Braun ist Staub Kunst. Sie sammelt die Hinterlassenschaften aus Staubsaugerbeuteln und macht daraus Bilder, die Rückschlüsse auf den Alltag zulassen. So ein Staubsauger saugt schließlich nicht nur Staub auf. Er schlurpst auch Post-it-Zettelchen, Milky-Way-Folie oder Puzzleteile ein. Zwischen zwei Glasscheiben in einen Rahmen gepresst, wöllen sich die Schmutzhaufen zu abstrakten Landschaften. Man denkt an karge Hügel und Sedimente.

Brauns Bilder zeigen, was ist. Sie dokumentieren, was unser Leben begleitet. Und sie zeigen, was mit uns sein wird, wenn wir irgendwann zu Staub zerfallen sind. Die Preise der Bilder orientieren sich übrigens am Quadratmeterpreis der Wohnung, aus der der Staub stammt. Der Staub der Reichen ist somit teurer als der der Armen. Aber vermutlich ist er - dank Reinigungspersonal - auch wesentlich seltener.

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