Maryam Aban Hassan mit ihrer Tochter Idil Abdullah und ihrem Enkelsohn Siyad Abdi.
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Maryam Aban Hassan mit ihrer Tochter Idil Abdullah und ihrem Enkelsohn Siyad Abdi.

Die Großmutter

Wie Sklavenhandel

  • Miriam Keilbach
    vonMiriam Keilbach
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Maryam Aban Hassan floh mit Tochter und Enkelkind vor Al-Shabab-Miliz und Dürre.

Es ist der zehnte Tag von Maryam Aban Hassan in Dadaab. Und es ist der zehnte Tag, an dem sie schon früh morgens vor dem UN-Zaun ausharrt. Sie wartet auf Einlass auf das Gelände von UNHCR, um sich, ihre Tochter Idil Abdullah und ihren Enkelsohn Siyad Abdi zu registrieren. Erst mit dem Fingerabdruck sind sie offiziell Flüchtlinge in Dadaab.

Es wird heute wieder nicht klappen, aber noch hat die 60-Jährige die Hoffnung nicht aufgegeben. Erst wenn sie registriert sind, bekommen sie offiziell eine Hütte, die Lebensmittelrationen und Zugang zum Wasser. „Im Moment helfen uns die Leute aus Ifo 1, sie haben Geld und Wasser gesammelt, damit wir überleben können“, sagt Maryam Aban Hassan. Sie lebt mit den beiden Kindern in einer Hütte in Ifo 2, deren Bewohner gen Somalia aufgebrochen sind. Dem Land, vor dem sie vor rund einem Monat geflohen ist.

Maryam Aban Hassan hat einst eine kleine Farm betrieben, hatte ein wenig Vieh und ein paar Äcker. Zuerst in der Nähe eines Flusses, deshalb hat die schwere Dürre 2011 die Familie nicht so schlimm betroffen wie andere. „Aber dann kam Al Shabab und hat uns ins Landesinnere vertrieben“, sagt die 60-Jährige, „und die jetzige Dürre hat unser Land erreicht. Es ist seit Monaten kein Regentropfen gefallen.“ Außerdem kommen Umsatzeinbußen hinzu: Al Shabab verlangt 50 Prozent der Produktion, „das ist wie Sklavenhandel“, sagt sie.

Während ihre ältere Tochter und deren Mann ihr Glück in Mogadischu versuchen, brach Maryam Aban Hassan mit ihrer jüngeren Tochter und ihrem Enkelsohn gen Kenia auf. Sie marschierten drei Tage querfeldein, bis sie eine richtige Straße erreichten. „Ein Lkw, der Richtung Kenia fuhr, hat seine Hilfe angeboten“, sagt Maryam Aban Hassan. Geld wollte der Fahrer nicht und Wasser habe er ihnen auch gegeben, „er hat unsere Not gesehen.“

Über Dhobley kamen die drei nach Dadaab, an der Grenze trafen sie die Rückkehrer, voller Hoffnung, mit 200 Dollar pro Person ausgestattet für den Neuanfang. „Diese Menschen gehen in die Städte“, sagt Maryam Aban Hassan, „wir Leute, die jetzt ankommen, sind Farmer.“ “

Maryam Aban Hassan glaubt fest daran, dass die Registrierung irgendwann klappen wird. Erst wenn sie registriert sind, können die Kinder zur Schule gehen, deshalb kommen sie jeden Tag wieder, bis sie ihre Fingerabdrücke hinterlassen dürfen. „Wir sind in Lebensgefahr. Aber wir akzeptieren jede Entscheidung des kenianischen Staates“, sagt sie, „wir haben um Gnade gebeten und jeder weiß, warum wir hier sind.“ Und: „Immerhin sind wir hier in Sicherheit.“

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