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Auch die Haare hat er schön: Richard Clayderman.

Kolumne

Sieben Gründe, Richard Clayderman gut zu finden

Der Pianist, der dieses Jahr gemeinsam mit den Kastelruther Spatzen auf Tournee geht, gilt als kitschiger Schlager-Romantiker. Geht gar nicht? Geht doch!

Von Marc Peschke

Okay, wer „Ballade pour Adeline“ von Richard Clayderman ein besonders schönes klassisches
Musikstück nennt, beweist nicht gerade Raffinesse. Der Pianist, der dieses Jahr gemeinsam mit den Kastelruther Spatzen auf Tournee geht, gilt als kitschiger Schlager-Romantiker. Geht gar nicht? Geht doch!

1. Nancy Reagan nannte ihn „Prince of Romance“, doch in Wirklichkeit heißt Richard Clayderman Philippe Pagès. Seinen Namen hat er schon lange gewechselt, seine Frisur nicht. So viel Verlässlichkeit ist selten: „Meine Frau sagt mir immer, ich soll mir die Haare schneiden, aber mir gefällt meine Frisur.“

2. „Ballade pour Adeline“ wurde 22 Millionen Mal verkauft und ist damit das populärste Stück Klaviermusik überhaupt. Eine „kleine, leicht zu spielende“ Melodie, wie der bekannteste lebende Pianist der Welt über das 1976 erschienene Stück sagt. „Ich habe ein tolles Publikum und gebe gern Konzerte.“ So viel Understatement kann man auch mal gut finden.

3. Seine Musik macht unwirtliche Orte wirklich schöner. Richard Clayderman ist ein Klassiker in Fahrstühlen oder in tristen Wartezonen am Flughafen. Ohne ihn wären diese Ort noch viel schlimmer.

4. Die beiden Jungs aus Wolfgang Herrndorfs Bestseller „Tschick“ hören in der Verfilmung von Fatih Akin eine Kassette mit „Ballade pour Adeline“ und brausen mit ihrem alten Lada herum – Clayderman ist auch cool!

5. Die Sanftheit seiner Lieder wiederholt sich in seinem Leben. Keine Skandale, keine Schlagzeilen, sogar seine Scheidungen verliefen superharmonisch und alle waren glücklich danach! Clayerman ist Romantiker – und kein Mann für den Rosenkrieg.

6. Der „Prince of Romance“ ist zwar weltberühmt, aber alles andere als abgehoben: „Ich arbeite gerne im Garten und verrichte auch die eine oder andere Handwerkerarbeit“, gesteht er – und macht sich dabei seine fragilen Pianistenhände schmutzig. Keine Frage: Richard ist ein Prinz fürs Volk.

7. Eigentlich ist er Jazzer. Zumindest im Herzen, wie er in Interviews sagt. Er liebt Michel Petrucciani, Herbie Hancock oder Chick Corea. Aber als Richard Clayderman weiß er, dass sein Publikum sehr traurig wäre, wenn er plötzlich Jazz spielen würde. So viel Liebe zu Fans ist selten in einer Welt, in der sich jeder selbst verwirklichen möchte. Danke, Richard!

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