"Man kann nur lernen, was nicht Kunst ist."
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"Man kann nur lernen, was nicht Kunst ist."

Kolumne

Sieben Gründe, Jonathan Meese gut zu finden

  • vonMarc Peschke
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Viele halten den Künstler, dessen Performances und raumgreifende Installationen um die Ästhetik der Macht kreisen, für einen notorischen Provokateur. In Wahrheit ist Jonathan Meese vor allem eins: ein großer Junge, dem die Regeln des Kunstbetrieb schnurz sind.

1. Andere wollen mit spröden Ausstellungstiteln Coolness beweisen. Meese geht lieber in die Vollen: „DR. NO’S DIAMANTENPLANTAGE, des PHANTOMMÖNCH’S PRÄRIEERZHALL, nahe den wässrigen GOLDFELDERN des DR. SAU, dabei die DSCHUNGELHAUT über die ZAHNSPANGE des erntefrischen GEILMÄDCHENS „SAINT JUST“. (DER PLANETENKILLER DR. FRAU)“ - fantasievoller geht es nicht.

2. Meese räumt mit dem Vorurteil auf, dass man Kunst einfach so studieren könne: „Als ich mit 23 Jahren an die Kunsthochschule kam, dachte ich, man könnte Kunst lernen … Aber das kann man natürlich nicht. Man kann nur lernen, was nicht Kunst ist.“

3. Meeses Installationen wurden als „Horrorkabinett zwischen Porno, Charles Bronson und Slayer“ oder schlicht als „zugemülltes Jungs-Zimmer“ beschrieben,weil er den Wahnsinn der Pubertät in die Kunst brachte. Das muss man sich erst mal trauen.

4. Unlängst verkündete Meeses Mutter Brigitte freimütig: „Vor zwei, drei Jahren fing er an, seine Unterhosen – wenn auch gewaschen – in seine Bilder zu kleben. Das fand ich nicht besonders lustig.“ Wer solche Peinlichkeiten aushält, ist wahrhaft souverän.

5. Der Mann ist eine Stilikone, obwohl er nicht mit der Mode geht: 40 Trainingsjacken von Adidas soll er besitzen: „Ich liebe Adidas“, sagt Meese. „Es rahmt den Körper so schön ein. Es ist so uniformhaft, ohne ideologisch zu sein.“

6. Meese ist gegen Selbstzensur: Unsinn reden und Herumschreien findet er nicht schlimm. „Das ist erlaubt.“ Er ist selbst das beste Beispiel dafür, dass man mit Gefasel durchaus erfolgreich sein kann.

7. In seinen Performances zeigt Meese immer mal wieder den Hitlergruß. Er wurde dafür angeklagt und freigesprochen, denn dem Künstler geht es darum, das Böse durch Wiederholung zu entmystifizieren. Endlich nimmt mal einer den Nazis ihre Symbole weg.

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