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"Manche übertreiben es auch."

Mitbringsel

Putins Pelze

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Gastgeschenke für Politiker sind oft auch nicht besser als die Staubfänger von Tante Hilde.

Angenommen, Angela Merkel lüde einen zum Abendessen ein. Was brächte man wohl als Gastgeschenk mit? Blumen? Prosecco? Duftkerze? Barack Obama entschied sich einst für eine unverfängliche silberne Schale. Kann man immer gebrauchen, mag sich der Ex-Präsident gedacht haben. Im Gedächtnis bleibt er damit allerdings nicht. Da hat sich der französische Premierminister François Fillon schon mehr ins Zeug gelegt. Er schenkte der Bundeskanzlerin mal ein Collier mit einem Anhänger aus reinem Gold, der aussieht wie eine römische Reitermaske. Der Mann weiß, wie man Beziehungen pflegt.

Gastgeschenke sind ein sensibles Thema. Vor allem, wenn man den Gastgeber und seinen Geschmack nicht gut kennt. Wie oft hat man selbst schon ein scheußliches Deko-Objekt überreicht bekommen, für das man sich mit einem maskenhaften Grinsen artig bedankt hat? Daher kann man sich ungefähr vorstellen, wie Merkel sich gefühlt haben mag, als sie von libanesischen Regierungsvertretern mal einen Besteckkasten überreicht bekommen hat. Und was ist wohl Konrad Adenauer durch den Kopf gegangen, als ihm Nikita Chruschtschow in den fünfziger Jahren eine Schachtel Pralinen verehrt hat? Eine Flasche Wodka wäre ihm vermutlich lieber gewesen.

Einfallsreichtum bewies seinerzeit Gerhard Schröder, als er dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush eine Motorsäge für dessen Ranch in Texas mitbrachte, während sein Kollege Jacques Chirac bloß ein After Shave dabei hatte. Manche übertreiben es auch mit den Geschenken. Zum Beispiel die Mongolen, die Ilse Aigner, als sie noch Landwirtschaftsministerin war, ein lebendes Pferd geschenkt haben – das diese dann aus bürokratischen und veterinärrechtlichen Gründen ablehnen musste.

Oft genug sind die Gastgeschenke, die Politiker einander machen, symbolisch; sie sagen viel über die Wertschätzung des Gegenübers. Helmut Kohl zum Beispiel hatte eine ganze Sammlung kleiner Deko-Elefanten in seinem Büro stehen. Für ihn waren sie Symbole der Macht. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler wiederum bekam vom Botschafter aus Saudi-Arabien ein goldenes Rennkamel nebst Jockey geschenkt – inklusive edler Schmuckschatulle. Allerdings durfte er es nicht behalten, als er aus dem Amt ausschied. Genauso wenig wie Gerhard Schröder die wertvollen Pelze, die ihm Wladimir Putin für Frau und Tochter mitgab, dauerhaft mit nach Hause nehmen konnte. Behalten dürfen deutsche Politiker nur Nettigkeiten, die einen Wert von 25 Euro nicht übersteigen. Einen Kuli zum Beispiel.

Die teuren Präsente gelangen irgendwann ins Museum. Etwa der indianische Federschmuck, der Adenauer 1956 bei einem Besuch in Milwaukee überreicht wurde – und den er sogleich aufsetzte. Oder der Schildkrötenpanzer aus Mosambik, den DDR-Staatschef Erich Honecker einst erhielt. Die etwas weniger wertvollen Gaben landen entweder im Fundus – oder auf einer Staatsgeschenke-Versteigerung, wie sie zuletzt im Dezember stattfand. Verkauft wurden da unter anderem ein Beduinen-Krummdolch aus Oman und Manschettenknöpfe aus Georgien. Es gibt übrigens keinen Grund sich über solche Geschenke lustig zu machen. Deutschland macht selbst nämlich die alleruninspiriertesten Präsente: Stiftesets, Berliner Bär und so.

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