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Von: Judith Kohl

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Bis zu den Siebzigern ist es nur ein Katzensprung.
Bis zu den Siebzigern ist es nur ein Katzensprung. © FR

FR7-Grafikerin Judith Kohl hat im „Parkhotel 1970“ übernachtet – und nimmt uns mit auf eine Zeitreise.

Bis zu den Siebzigern ist es nur ein Katzensprung. Nun ja, um genau zu sein, etwa anderthalb Autostunden vom Rhein-Main-Gebiet. Die letzten Meter fährt man durch den schönen Odenwald, um dann auf die herzlichste Weise von Otilia Toma, der Dame des Hauses, im „Parkhotel 1970“ begrüßt zu werden. Und der Name ist Programm! Man taucht in ein Meer von Orange-Rot-Braun-Beige-Türkis, ist umgeben von psychedelischen Mustern, künstlichen Kakteen, Cordsitzmöbeln und gemusterten Teppichen, dass es eine Freude ist. Wenn man Glück hat, stehen auf dem Parkplatz auch Autos aus jener Zeit – die fahrbaren Untersätze jener Gäste, die den Siebzigern ganz besonders zugetan sind. Aber auch ohne mitgebrachte Accessoires aus der Zeit kommt man voll auf seine Kosten.

Aus einer über die Region hinaus bekannten Metzgerei in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden, wurde das „Parkhotel 1970“ – damals noch „Parkhotel Odenwald“ – immer größer und bekannter. Und Vielbrunn wurde zum „Hotspot“ des Odenwaldes, wovon die „James-Last-Suite“ noch heute zeugt. Wenn der Bandleader in der Großregion zu tun hatte, stieg er in den mittlerweile nach ihm benannten Zimmern ab.

Doch in den 1980er Jahren kam erstmal der Golfplatz „dazwischen“: Familie Deitrich, die damaligen Eigentümer, konzentrierten sich auf den Aufbau eines Golfclubs und legten das Parkhotel für ein, zwei Jahre still. Dass daraus 20 Jahre Dornröschenschlaf wurden, war nicht geplant.

Aus einer über die Region hinaus bekannten Metzgerei in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden, wurde das „Parkhotel 1970“ – damals noch „Parkhotel Odenwald“ – immer größer und bekannter.
Aus einer über die Region hinaus bekannten Metzgerei in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden, wurde das „Parkhotel 1970“ – damals noch „Parkhotel Odenwald“ – immer größer und bekannter. © FR

2010 kam dann Enkelin Ann-Katrin Thimm auf die Idee, das Parkhotel als Hotel Garni und Event-Location wieder aufzuwecken - in seiner ganzen Glorie und seinem Retrocharme. Da das Haus in der Zwischenzeit gut gepflegt wurde, hat der Gast nun also die Möglichkeit, die Räume mit original erhaltenem Interieur zu bestaunen. Das Frühstück wird am Platz serviert, ganz klassisch wie damals mit garnierter Wurst- und Käsescheiben-Platte, vielen kleinen Einzelportionen von Marmeladen, Nusscreme und Honig (in Sachen Umweltschutz gilt es noch aufzuholen) - und auch der Tischmülleimer darf natürlich nicht fehlen.

Die Coronazeit hat das „Parkhotel 1970“ bislang recht gut überstanden – vor allem als Location für Fotoshootings.
Die Coronazeit hat das „Parkhotel 1970“ bislang recht gut überstanden – vor allem als Location für Fotoshootings. © FR

Geschlafen wird vorzugsweise im Bungalow mit seinen zehn Doppelzimmern. Bad. Tapeten, Teppiche, Mobiliar ... alles Original 70er, sodass größere Gäste sich in den nur 1,90 Meter langen Betten zusammenkringeln müssen. Der Pool ist natürlich mit Sitzecke und Bar ausgestattet – samt Plastikflamingo. Außerdem gibt es Platz im „Gästehaus Tanneck“: Räume mit Doppelwaschbecken und Dusche im Zimmer (wie modern, ist es doch längst angesagt, die Nasszellen in Designhotels nicht mehr vom Schlafbereich abzutrennen, sondern die Badewanne mitten hinein zu platzieren).

Die Coronazeit hat das „Parkhotel 1970“ bislang recht gut überstanden – vor allem als Location für Fotoshootings. Filme und Musikvideos. Während der Lockdowns konnten natürlich auch die Künstler:innen und Produktionsteams nicht durch die halbe Welt reisen. Aber auch schon vorher wurde der Charme des Parkhotels in Szene gesetzt. So wurde etwa das Musikvideo des Duos Milky Chance zum Song „Colorado“ ebendort produziert. Und auch die digitale Fashionshow SS22 der Marke Baldessarini unter dem Motto „New Hollywood 1969“ wurde im Parkhotel gedreht. Das Besondere liegt so nahe - man muss nur die Augen aufhalten.

Judith Kohl
Judith Kohl © FR

Alle Fotos dieses FR7-Schwerpunkts stammen von Grafikerin Judith Kohl. Wie gut, dass es längst digitale Kameras gibt – denn genügend Filme hätte sie vermutlich nicht dabeigehabt.

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